Mein Ausflug in die Startup Welt als CEO. votingLAB


Kunde: Eigenes Start-up

Projekt: Entscheidungs Plattform / Feedback App
Jahr: 2011 – 2016

2012/2013 Stipendium der TU Berlin (01.10.2012 bis 30.09.2013)
2014/2015 Stipendium der Beuth Hochschule (01.01.2014 bis 31.03.2015)

Meine Rolle: CEO & Head of Design – Digital Product Designer


UX-Methodiken
Market & User Research, User Interviews, Thematic Analysis, Quantitative & Qualitative Data, Data Visualisation, Affinity Mapping, User Personas, Problem Framing, Competitive Analysis, Brainstorming, MVP & Feature Prioritisation, Sketching & Wireframing, Branding & Visual Identity, Information Architecture, User Flows, Design System, LoFi Mockups, Prototyping, HiFi Mockups, User Interface Design, Interaction Design, Usability Testing

Tools: Illustrator, Photoshop, InDesign, VL4 ionic, Angular, Parse Server, MongoDB,Cordova, Node.js


Vom Meinungstool zur Feedback App

Nachdem ich für viele kleine und große Start-ups gearbeitet hatte kam der Wunsch auf, selber an einem Start-up beteiligt zu sein. Und prompt wurde ich im November 2011 auf eine Ausschreibung für ein Exist-Gründerstipendium aus dem Absolventen-Verteiler meiner ehemaligen Uni aufmerksam.

Das Suchschreiben: Wecide.org, ein junges Berliner Startup von der TU Berlin, sucht ein weiteres Team-Mitglied. Ein/e Grafiker/in, Webdesigner/in oder Programmier/in wird gesucht. Wecide.org ist ein Internetservice für Gruppenentscheidungen, Meinungsbildung und E-Democracy. Die Idee ist durch eine Diplomarbeit untermauert und das Projekt ist auf bestem Wege durch die renommierte EXIST-Förderung unterstützt zu werden.
Als monatliche Basis-Vergütung bekommst du 2.000 €. Von Dir erwarten wir, dass du hoch motiviert bist, Initiative zeigst, Dinge alleine zu übernehmen und in Sachen Grafik oder Programmierung schon einige Erfahrung mitbringst. Ebenfalls müsstest du bereits einen Studienabschluss haben, da dieser Voraussetzung für die Förderung ist.
Melde Dich bei Interesse unter 
info@wecide.org

Ohne zu zögern, nahm ich zum Ideengeber Jörg und Programmierer Sebastian Kontakt auf. Kurze Zeit später war ich im Team wecide. Mit 27 Jahren ein eigenes Start-up an der TU Berlin? Nur, falls die TU auch ihre Zustimmung geben würde … Noch arbeitete ich als freie Designerin für Start-ups und an wecide. Schon in dieser Zeit hatten wir regelmäßige Konzepttreffen, um an der Plattform zu arbeiten. Im Januar 2012 bekamen wir eine Ablehnung für das Gründerstipendium. Doch wir gaben nicht auf und überarbeiteten den Businessplan. Aufgrund der Ablehnung schied Sebastian aus dem Team aus und wir mussten Ersatz finden. Relativ schnell wurden wir fündig und Martin kam als Programmierer ins Team. Dann bekamen wir die Zusage für ein zwölfmonatiges Stipendium und konnten im Oktober 2012 an der Gründerwerkstatt der TU Berlin mit eigenem Büro mit dem Stipendium starten. Doch schon vor der Zusage gab es noch ein Problem, das uns weiter verfolgen sollte. Wir wurden uns über das Thema Gesellschaftsanteile nicht einig. Anstatt konsequent reinen Tisch zu machen, entschieden wir uns dafür, erstmal loszulegen und eine Mediatorin an Bord zu holen. Unser Team bestand aus dem Ideengeber Jörg, Martin als Programmierer und mich als Designerin. Wir nahmen am Businessplan Wettbewerb teil und erhielten den dritten Platz für unsere Idee.

Link: www.moz.de/lokales/falkensee/konzept-ueberzeugt-juroren-47959516.html

Die Idee: Auf der „wecide“ Plattform konnte man sich durch Pro und Kontra-Argumente anderer Nutzer bei der Entscheidungsfindung helfen lassen. Im Unternehmen, im Team, im Verein, und egal welche Entscheidung. 

Foto links: Büroschild wecide an der TU Berlin
Foto rechts: Siegerehrung Businessplan Wettbewerb

Schon kurze Zeit nach dem Einzug in die Gründerwerkstatt wurde unser Anfangsproblem akut. Ein allzu bekanntes Schicksal von Start-ups: Wir wurden uns über die Gesellschaftsanteile der Firmengründung nicht einig, die Interessen lagen zu stark auseinander. Jörg gründete ohne uns eine GmbH und wollte ein Patent ohne uns anmelden. Es folgte eine Anhörung der TU Berlin und dem Projektträger. Die Folge war eine Teamtrennung, da Martin und ich in der Konstellation nicht mehr arbeiten wollten. 
Wir mussten eine Stellungnahme schreiben mit der Folge, dass es von dem Zeitpunkt an zwei Teams gab, die an der gleichen Idee arbeiteten. Jörg arbeitete alleine und Martin und ich bekamen ab Mai 2013 ein neues Büro im Wedding an der Gründungsinsel der TU Berlin. Wir mussten von vorne anfangen und im Oktober ging das Stipendium zu Ende.

Fotos: Unser neues Büro an der Gründungsinsel an der TU Berlin im Wedding

Schnell hatte sich ein neuer Name „votingLAB“ gefunden, diesen registrierten wir beim Markenamt, registrierten Domains und begannen mit der Programmierung und Konzeption der neuen Plattform. In wenigen Monaten setzten wir eine komplett neue Plattform um, mit neuem Namen und neuem Design. Martin kümmerte sich die technischen Angelegenheiten, die Programmierung der Plattform in Ruby and Rails und ich hingegen war für das Konzept, Design und die Vernetzung zuständig. 


Start-up-Radar: votingLab


Unser erster Kunde TUI.com

Auf einem Meetup in Berlin bekam ich beim Netzwerken eine Anfrage einer netten Dame von TUI.com Berlin. Sie war von Anfang an von votingLAB und unserem Team begeistert. Im gemeinsamen Gespräch entschieden wir uns für eine Kooperation – unser erster großer Auftrag mit einem großen Business. Wir erstellten eine interne Mitarbeiterumfrage auf votingLAB für TUI.com mit Auswertung. Der Zeitraum der Umfrage war drei Wochen (27.08.2013 – 17.09.2013). TUI.com war zufrieden und wir verbuchten eine Success Story, mit der man weitere Kunden werben konnte. 


votingLAB auf der IFA 2013

Im September 2013 präsentierten wir uns auf der IFA 2013 am Forschungsmarkt Berlin-Brandenburg in der Halle 11.1, Stand 2. Wir hatten einen eigenen Stand, auf dem wir unsere Plattform der Öffentlichkeit präsentierten. Ein Höhepunkt kurz vor dem Ende des Stipendiums, doch wegen der durch die Teamtrennung verlorenen Zeit war die Zukunft ungewiss.



Presse Links:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ausgefuchste-digitale-ideen.1162.de.html?dram:article_id=261142

https://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/2013/august_2013/medieninformation_nr_1732013

https://falkenseeaktuell.de/2013/11/08/votinglab-startup-aus-falkensee-auf-der-ifa-entscheide-dich


Live Version der Plattform



Meine persönlichen Erfahrungen

Meinen persönlichen Blogbeitrag zum Verlauf vom Januar 2014 gibt es hier Link zum Nachlesen. 


Neuer Businessplan, neues Stipendium

Nach dem Ende des TU-Stipendiums im Oktober 2013 hielt ich mich mit Freelancer-Aufträgen über Wasser. Martin entschied sich für eine Festanstellung in einer Digitalagentur. Parallel zum Freelancen schrieb ich einen neuen Businessplan für ein Anschlussstipendium an der Beuth Hochschule. Nach der Einreichung folgte der Pitch an der Gründerwerkstatt. Ich konnte die Jury von votingLAB überzeugen – Ergebnis: Anschluss-Stipendium. Ab Januar 2014 konnten wir in die Gründerwerkstatt in Schöneberg einziehen. Martin hatte einen Festvertrag, wir entschieden uns, einen weiteren Gründer ins Team zu holen, der den Stipendium Platz einnahm. Durch mein Netzwerk lernte ich Christopher kennen. Er nahm das Vollzeitstipendium an und wir arbeiteten ab Februar 2014 zusammen an der alten Plattform. 


Von der Plattform zur App

Nach TUI.com folgte eine weitere große Umfrage, die wir für die Mitglieder des Mörchenpark auf dem Holzmarktgelände erstellten. Zeitraum: 03.03.2014 bis 16.03.2014. 
Christopher und ich merkten schnell, dass die Anforderungen der Umfragen sehr speziell waren und es auf dem Markt schon unzählige Umfrageplattformen gab. Gewöhnliche Auftragsarbeit wollten wir nicht anbieten und somit stand der Entschluss fest: Die breite Masse sollte es sein, für die wir all das Wissen der Entscheidungsfindung nun in einem Feedback Tool umsetzen wollten. Eine Feedback-App! Wir teilten uns wieder auf, Christopher kümmerte sich um die Programmierung und ich mich um das Konzept, Design und die Vernetzung. 

Links: Konzept Phase
Rechts: App Store Update

Closed Beta

Von Mai bis November entwickelten wir eine native Feedback-App für IOS und Android und innerhalb von nur sieben Monaten stand die App zum Testen bereit. Unsere Closed Beta für Family & Friends war final. Die geschlossene Phase mit kleinem Nutzerkreis lief von 11/2014 bis 01/2015, wir holten Nutzerfeedback ein und entwickelten die App weiter. Die Nutzerinterviews führte ich in persönlichen Gesprächen oder aber per Chat oder Nachrichten bei Facebook durch. 


App Store Einreichung

Wir reichten die App im IOS und im Android Store ein und nur kurze Zeit später wurde sie veröffentlicht. 

Beschreibung: votingLAB ist eine Tagesfeedback-App, mit der man sein persönliches Feedback mit seinen Freunden teilen kann. Das Besondere? Feedback ohne lange Texteingabe durch ein einfaches und logisches Verfahren. Man kann durch vordefinierte Eigenschaften und Merkmale in unterschiedlichen Kategorien sein Feedback abgegeben, Fotos können hinzugefügt werden und bewertet wird innerhalb weniger Sekunden – superleicht und blitzschnell.

Der Ansatz war neu. Man konnte sich ein Top 50 Ranking in seiner Umgebung anzeigen lassen und die App als Orientierung nutzen. Die App half bei der täglichen Restaurant-Entscheidung zum Mittag bis zur Auswahl des besten Ladens, ein Klick und ohne langes Warten hat man neue Dinge in seiner Umgebung entdeckt.


App Screen: Live Version


Meine 10 persönlichen Learnings

In der Zeit an der Gründerwerkstatt der TU Berlin und der Beuth Hochschule durfte ich in die Start-up-Welt tief eintauchen. Die Arbeit war für mich keine Arbeit, sondern gelebte Erfinder-Philosophie. Ich konnte an nichts anderes denken – 24/7. Am Tag in der Gründerwerkstatt und nach der Arbeit auf Konferenzen, Meetups und Netzwerkveranstaltungen. In meinem Blogbeitrag „Vom Gründen und Scheitern“ vom 31. Dezember 2015 👉Link berichte ich über meine persönlichen Lessons, die ich erfahren dufte.



Es war eine aufregende Zeit, die ich niemals missen möchte. Ich empfehle jedem, die Chance zu nutzen, wenn sich die Möglichkeit zum Gründen ergibt. 


Franziska Gronwald, catapult 2014/15 Teilnehmerin und Gründerin von votingLAB, im Schleudergang