Psilocybin Retreat: Mein Erfahrungsbericht mit magischen Trüffeln

Ein Lösungsansatz für diese kaputte Welt

Im Juni dieses Jahres begab ich mich auf ein 3-tägiges Psilocybin Retreat in den Niederlanden. Inwiefern dieser Trip mein Leben zum Besseren verändert hat, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Insgesamt dauerte das Retreat drei Tage: Von Freitag bis Sonntag und beinhaltete eine Zeremonie mit magischen Trüffeln. Psilocybinhaltige Trüffel sind in den Niederlanden legal, sodass man an solchen Zeremonien ohne Probleme teilnehmen kann.

Warum ich mich für diese Erfahrung entschieden habe

Im Sommer 2021 kam ich an den Punkt, bei dem ich mit Coaching, persönlicher Weiterentwicklung und Meditation nicht mehr weiterkam und suchte nach Möglichkeiten, noch tiefer mich als Person und die Menschheit zu verstehen. Ich las Berichte über die positive Wirkung von Psilocybin und tauschte mich mit Personen, die Erfahrungen auf dem Gebiet hatten, aus. Mittlerweile gibt es viele öffentliche Befürworter, so z.B. auch Elon Musk der sich öffentlich zu der positiven Wirkung von LSD oder Psilocybin ausspricht und auch die Wissenschaft ist sich einig, dass das Psilocybin Depressionen, Zwangsstörungen, Suchterkrankungen und andere psychiatrische Erkrankungen lindern kann. Psilocybin soll die Verbindungen zwischen Hirnbereichen verändern und die Funktion der neuronalen Netzwerke dabei neu ausrichten. Für mich stand die Entscheidung fest, dass ich ein solches Retreat besuchen wollte.

Wie ich zu dem Entschluss gekommen bin

Im Herbst 2021 wurde ich auf das Angebot von Set & Setting im Internet aufmerksam und buchte mir Anfang 2022 einen Platz für ein geführtes Retreat, professionell betreut. 

Vor dem Retreat

Im Herbst erfolgte ein erstes Screening Gespräch, in dem mein gesundheitlicher Zustand abgeklärt wurde. Ich konnte all meine Fragen in einem Zoom-Call klären. Im März, ein paar Wochen vor dem Retreat, folgte ein zweites 45 Minuten Gespräch mit einer Psychologin, in dem ich weitere Fragen besprechen konnte. Die Empfehlung der Psychologin: Einen Ego-Tod anzustreben, mit 35 Gramm Psilocybin. Ich spürte, dass es die richtige Entscheidung war.

Der Ablauf

Die anderen Teilnehmer:innen

Kurz vor der Reise gab es eine WhatsApp-Gruppe und einen ersten Gruppenzoom-Call, in dem man die anderen kennenlernte. Nach dem Call tauschte ich mich ein paar Mal mit einem der Teilnehmer nochmal separat aus. Helger, ein älterer lebenslustiger Mann, der kurz vor der Rente stand und mir anbot, mich mit dem Auto in die Niederlande mitzunehmen. Wir kannten uns nicht, doch irgendetwas in mir sagte, dass diese Reise gut wird und ich mit ihm zusammen anreisen solle.

Der Tag der Abreise

Nichts lief nach Plan. Erst fuhr die U-Bahn nicht, dann kam das bestellte Taxi nicht und als ich es endlich geschafft hatte am Bahnhof Zoo anzukommen, verpasste ich meinen Zug. Ich entschied mich für einen anderen Zug mit mehrfachem Umstieg – Hauptsache raus aus Berlin. In Dessau angekommen musste ich umsteigen, doch es ging nicht weiter – eine Streckensperrung. Der erste Zug fiel aus, der zweite Zug fiel aus und dann kam auch noch ein Polizeieinsatz hinzu. Mittlerweile hatte alles geschlossen und die Bahn App zeigte keine positiven Informationen an. 

Helger fieberte mit mir und hatte irgendwann Mitleid. Er machte sich am späten Abend auf den Weg und holte mich vom Bahnhof ab. Mir war es super unangenehm, wir kannten uns gar nicht und er war bereit mich abzuholen. Irgendwann gegen 23:30 Uhr lag ich fix und fertig im Hotelbett. Am nächsten Morgen ging es pünktlich um kurz nach 5 Uhr Richtung Niederlande. Auf der 6,5-stündigen Fahrt gab es keine einzige Minute, in der wir uns nicht Geschichten aus unserem Leben erzählten. Wir verstanden uns von Anfang an.

Auf dem Retreat angekommen

Wurden wir von den Guides Isabell, Jascha, Patrick und Gabi herzlich begrüßt. Gleich am Eingang mussten wir unsere Handys abgeben. Ich bezog mein Zimmer und danach trafen sich alle Teilnehmer:innen im Zeremonie Raum zum ersten richtigen Kennenlernen.

Die erste Meditation

Los ging es mit der Übung: Stelle dir dein Leben auf einem Zeitstrahl vor. Am Anfang ist deine Geburt und der Strahl geht bis zum heutigen Tag. Ein Pendel schwingt auf dem Strahl hin und her. Bei welcher Erinnerung von deiner Geburt bis heute bleibt das Pendel stehen? Erst kam mir das eine Thema in den Kopf, was ich schon so oft bearbeitet hatte, meine jahrelange Zeit an der Musikschule und dem Drang irgendwann aufzuhören, aber niemanden enttäuschen zu wollen. Doch diesmal kam noch ein zweites Thema, mein Burnout 2018, mit einem konkreten Bild, es war wie eingebrannt. 
Das Bild: Ich sah mich bei IKEA stehen, ich stand vor den Kleiderbügelhaken und wollte eine Entscheidung treffen, doch auf einmal hatte ich einen Blackout, eine Panikattacke und musste sofort raus. Ich war wie gelähmt, ich wusste nicht wie mir geschieht. 
Nacheinander teilen die Teilnehmer:innen ihre Erfahrung und ich auch meine, die Themen waren individuell und sehr tiefgründig. Mir kamen die Tränen von so viel Offenheit. Zum einen war ich dankbar für die geteilten Erlebnisse, aber auch überfordert von den Geschichten. Meine Gedanken in dem Moment: WOW eigentlich weiß ich was will, ich habe ein glückliches Leben. Ich rede immer von meinem Perfektionismus, als ob es keine anderen Sorgen auf der Welt geben würde. An diesem Wochenende trafen sich 11 Leute, unterschiedlichen Alters, die alle den Mut hatten sich ihren Ängsten und Fragen zu stellen und etwas zu verändern.

Breathwork zum Einstieg

Vor ein paar Monaten hatte ich das erste Mal die Gelegenheit gehabt, die Macht des richtigen Atmens am eigenen Körper zu spüren – eine Breathwork Session. Am Nachmittag gab es so eine Session, bei dem die Teilnehmer:innen durch tiefes Atmen in rauschähnliche Zuständen kamen. Jeder lag bequem mit Schlafmaske auf seiner Matte und folgte den Anweisungen. Ich ging mit der Intention: „Ich bin gut genug“ in die Session und ließ mich fallen. Ich atmete tief und intensiv ein und aus und war vollkommen bei mir. Im Hintergrund lief Musik und als das Lied „Wonderful Life“ aus dem Lautsprecher ertönte, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten, ich war überglücklich und voller Dankbarkeit. Die Schlafmaske gab mir den nötigen Schutzraum und ich merkte, dass ich gut genug war. Nach der Session war ich fix und fertig, es war anstrengend bei sich zu bleiben. Für viele war diese Erfahrung neu, sie waren verwundert, was man durch einfaches Atmen erreichen kann.

Die letzten Fragen vor dem großen Tag

Nach dem Abendessen hatten alle Teilnehmer:innen eine einzelne Session mit den Guides, in der letzte offene Fragen geklärt werden konnten. 

Der magische Samstag

Am nächsten Morgen hieß es erstmal schweigen, jeder blieb bis zum Frühstück in Stille. Wir meditierten und ab dem Frühstück durften Gedanken wieder geteilt werden. Der Vormittag war entspannt, nach einer Yin Yoga Session bin ich komplett bei mir angekommen und fühlte mich wohl und sicher. 

Die Reise zu meinem Inneren

Nach dem Mittag ging das Highlight des Retreat los. Alle trafen sich gegen 13 Uhr im wunderschönen Meditationsraum mit Schlafmaske und Decke und nahmen auf ihren Matten Platz. Wir lagen im Kreis und in der Mitte waren frische Blumen. Nacheinander durfte jeder der Teilnehmer:innen in einem kleinen Raum zum Trüffel wiegen. Ich entschied mich für 30 Gram Trüffel – eine starke Dosis, die ich selbst auf einer Wage abwog, die empfohlenen 35 Gramm waren mir für den Anfang zu viel. Als alle ihre Trüffel hatten, durfte man sich aussuchen, ob man die Trüffel mit Kakao oder Gemüsebrühe zu sich nehmen wollte. Ich entschied mich für die vegane Gemüsebrühe. Danach machten wir es uns auf unseren Matratzen bequem und tranken unsere Tassen leer.

Zeit und Raum lösen sich auf

Ungefähr 30 Minuten nach der Einnahme setzen die ersten Effekte ein: Die Wahrnehmung von Raum und Zeit veränderte sich. Ab diesem Zeitpunkt war die Zeit relativ und irgendwann fing die Wirkung an. Ich sah mystische Gestalten, sie waren schwarz und erinnerten mich an eine Medusa, es waren viele. Neugierig beobachtete ich die Gestalten und dachte kurzzeitig darüber nach, ob sie mir Angst einflößten und was sie mir sagen wollten, doch dann kamen die nächsten Visionen und ich fing an über Businessmodelle nachzudenken. Die Art zu denken, veränderte sich, neue Perspektiven traten ein. Ich schaute sie an, aber entschied von Situation zu Situation, auf welche Themen ich gerade Lust hatte und was nicht. Ich fühle mich wie in einem Film, in dem ich alles selbst steuern konnte – ich war Lichtfrau, Toningenieurin und Schauspielerin zugleich. Das Licht, der Sound, die Geschichte, es war unbeschreiblich schön und mir kamen die ersten Tränen, da ich so etwas noch nie erlebt hatte und mich freute, dass ich keinen schlechten Trip, sondern gerade so viele positive Eindrücke sammelte. Nach einer gewissen Zeit fragte mich der Guide, ob ich nochmal eine Portion haben wollte – die restlichen 5 Gramm. Ich antwortete: „Ja“. Gefühlt dauerte es ewig, bis ich die Tasse zurückbekam. Ich richtete mich auf und wollte die Trüffel trinken, doch plötzlich ging ein Kampf in mir los, ich wollte jetzt doch keine mehr. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, da ich dachte, ich muss die Trüffel jetzt unbedingt nehmen, da sie extra für mich zubereitet wurden. Ich fing an zu weinen und kämpfe mit mir und meinen Gedanken. Ich wollte keine klare Entscheidung treffen und es war ein hin und her wie so oft bei mir. Mit der Tasse in der Hand weinte ich und merkte, dass mein Thema Perfektionismus mir mal wieder im Weg stand. Der Guide frage mich, ob ich die Trüffel wirklich wolle, irgendwann sei es zu spät und ich müsste mich entscheiden. Ich nahm allen Mut zusammen und gab die Tasse zurück und auf einmal setzte ein Gefühl der puren Dankbarkeit ein. Das „Nein“ war, wie eine Erlösung – es war alles so gut wie es war. Ich legte mich zurück auf die Matte und ließ mich fallen. Es war wunderschön, ich war frei, denn ich musste gar nichts. Ich nahm so viele Perspektiven ein, wie nie zuvor, ich war neugierig und voller Freude für alles, was kam. Irgendwann merkte ich, dass diese ganze Intention nebensächlich war und ich mich einfach treiben lassen konnte. Bei dem Mantra Lokah Samastah Sukhino Bhavantu, was übersetzt heißt, „Mögen alle Wesen Glück und Harmonie erfahren“ kamen mir wieder Freudentränen und ich war voller Dankbarkeit für das Erlebnis in dem Moment. Ich musste an Mariana denken, dass sie mich am Sonntag aus Aschersleben abholte, meine Verbindung zur ihr wurde auf einmal so intensiv, dass ich mit dem Gedanken spielte, sie anzurufen. Ich fragte mich, ob es okay wäre, sie jetzt in diesem Moment anzurufen und ihr mitzuteilen, was ich gerade denke. Ich entschied mich gegen einen Anruf, denn ich dachte mir, dass sie wahrscheinlich die Energie spürte. Am liebsten hätte ich mir die Zeit in mein Notizheft geschrieben, um sie später zu fragen, ob sie zur selben Zeit etwas spürte, doch dazu war ich nicht in der Lage. 

»Mir kamen Tränen der Freude, ich war so unfassbar dankbar für diese großartige Erfahrung. Ich hatte in meinem Leben noch nie so ein Gefühl gespürt wie in diesem Moment, es ist unbeschreiblich und nicht in Worte zu fassen. Ich hatte das Gefühl, mit allen Lebewesen verbunden zu sein, eine tief empfundene Liebe. Alles war verbunden – es war magisch, pure Dankbarkeit.«

Als die Wirkung nachließ

Ging der Kampf los, wann hört es wieder auf, wann bin ich wieder klar? Mein Ego kam wieder zurück. Der Weg zur Toilette war ein kleiner Kampf, den ich wusste, nicht wie ich dort jemals hinkommen sollte. Vorsichtig nahm ich meine Maske ab und sah Helger an, der mich anlachte und mir zuwinkte, ich sah ihn in mehreren Dimensionen. Er dirigierte die Gruppe, als ob er ein Orchester leitete. Ich ging zur Toilette und sah die ganze Umgebung in geometrische Formen. 

Alles leuchtete im bunten Licht, es war sonderbar und schön zugleich. Bei einem anderen Mal auf die Toilette gehen schaute ich zu mir runter und ich sah meine Füße ewig weit unten. Ich kam mir vor, als ob ich 3 Meter groß war, es war spannend und aufregend, wie ein kleines Kind erforsche ich diese andere Dimension. Ich verfiel immer wieder in Visionen. Zum Ende hin wurde es anstrengend, da die Wirkung bei mir sehr lange ging und die meisten Teilnehmer:inen schon wieder einigermaßen klar waren und den Raum verließen. Ich verspürte den Druck langsam wieder klar zu sein, aber konnte nichts an meinem Zustand ändern. Zum Glück war ich nicht die letzte Person im Raum, noch zwei weiteren Frauen waren noch tief in ihrer Reise, also ließ ich mich fallen und wartete, bis ich wieder voll bei Bewusstsein war und wir den Zeremonienraum zusammen verließen. Ich war überwältigt von den ganzen Eindrücken. Eine unbeschreibliche Erfahrung, die man kaum in Worte fassen kann.

Der nächste Tag

Am nächsten Morgen war ich wieder klar, ich schrieb meine Gedanken in den Laptop und traf mich mit der Gruppe im Zeremonie Raum zu Bewegungsübungen. Danach gab es Frühstück und den gemeinsamen Sharing Circle, wo alle ihre Erlebnisse mit der Gruppe teilten, und ich war beeindruckt, welche tiefen Erlebnisse einige Teilnehmer hatten. Jede Reise war individuell, einige erlebten schöne Dinge und einige auch nicht. Ich konnte das erlebte nicht in Worte fassen. 

Angekommen im Alltag

Die ersten Tage waren sonderbar. Ich stellte fest, dass ich offener, verbundener mit meiner Umwelt war. Ich spürte eine Veränderung meiner Perspektive auf das Weltgeschehen, was ich so nicht kannte. Seit der Erfahrung habe ich eine geschärfte Wahrnehmung. Meine Sichtweisen haben sich seit der Erfahrung geändert, ich bin offener und empathischer geworden. 

Mein Fazit:

Zauberpilze oder Trüffel können einem sehr schönen Dinge zeigen, aber sie können einen auch in die Hölle bringen – sie konfrontieren einen mit Dingen, die tief in einem drinnen stecken. Sie sind ein Türöffner zu dem Inneren eines selbst, sie zeigen einem Dinge, die man vielleicht nicht sehen möchte, denn sie konfrontieren, einen mit sich selbst, was viele Menschen nicht wollen. Nicht umsonst sagt man: Pilze sind die besten Lehrer des Lebens. So eine Erfahrung ist wie ein Coaching, eine Therapie, ein Booster, den ich jedem Menschen nur empfehlen kann, um sich besser kennenzulernen. Es findet ein Perspektivwechsel statt, den man meiner Meinung nach durch kein Coaching dieser Welt erreichen kann. Es ist ein sehr mächtiges Tool, das einem eine neue Sicht auf Dinge geben und die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Es geht um echtes Mitgefühl und Verbundenheit, was unsere Welt so dringend braucht statt Selbstoptimierung und Maximierung. Ich wünsche mir vom ganzen Herzen, dass das Thema eine größere Relevanz in der Gesellschaft bekommt und sich mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. Es geht darum, seine innere Entwicklung voranzutreiben. 

Würde ich eine Zeremonie mit magischen Trüffeln empfehlen?

Ja, auf jeden Fall! Ich würde es immer wieder tun. Hast du noch andere Fragen zum Retreat?
Schreib mir gerne an info@franzidesign.de
Ich freue mich, von dir zu lesen.

Zum Schluss möchte ich nochmal erwähnen, dass Psilocybin nicht süchtig machen kann und auch körperliche Schäden sind nicht zu erwarten. So eine Reise ist eine sehr fordernde Angelegenheit, die sehr viel innere Arbeit erfordert und kein Drogentrip. Es ist für Menschen, die sich und ihre Umwelt besser kennenlernen möchten. 

Nach und nach werden die Erkenntnisse vom Wochenende in den Alltag integriert. 
Danke an alle, die mich auf der Reise zu mir selbst begleitet haben. Wer an der Stelle noch in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich den Film „Fantastische Pilze – Die magische Welt zu unseren Füßen“, der aktuell auf Netflix läuft.

Danke Isabell, Gabi, Patrick und Jascha!

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