Warum so viele Produkte scheitern – und wie du es besser machst

Meine UX-Lernreise 2025
Die Entwicklung eines erfolgreichen Produkts ist eine spannende, aber auch herausfordernde Reise.
Beim UX-Leadership-Barcamp „Expert“ im letzten November wurde ich auf eine UX-Lernreise aufmerksam – ein Format, das Rebekka Schmidt von DATEV vorgestellt hat. Die Idee hat mich sofort begeistert: In kleinen Gruppen setzen UX-Professionals die Impulse aus dem Barcamp gezielt in die Praxis um und arbeiten gemeinsam an ihren individuellen Zielen.
Aktuell nehme ich selbst an einer solchen Lernreise teil, zusammen mit mehreren UX-Professionals. Jeder von uns verfolgt ein persönliches Fokusthema, wir tauschen uns regelmäßig aus und unterstützen uns gegenseitig. Mein Thema: UX-Strategie – ein Bereich, der mich besonders fasziniert und den ich nun intensiv erforsche.
Im Laufe meiner Karriere habe ich in zahlreichen Projekten und Unternehmen – von großen Konzernen bis hin zu meinem eigenen Startup – viele Herausforderungen erlebt. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass sich die gleichen Fehler in der Produktentwicklung wiederholen. Deshalb möchte ich in diesem Artikel meine 15 wichtigsten Learnings teilen, die dir helfen können, klassische Fallstricke zu vermeiden und erfolgreichere Produkte zu entwickeln.
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15 Learnings aus unzähligen Projekten
1. Fehlende Klarheit ĂĽber NutzerbedĂĽrfnisse
Eines der größten Probleme in der Produktentwicklung ist, dass viele Produkte an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer vorbeigehen. Häufig verlassen sich Teams auf Annahmen, statt auf fundierte Daten. Dies führt dazu, dass das Produkt den Erwartungen der Nutzer nicht gerecht wird.
Lösung:‍
- Investiere in UX Research. Sprich mit echten Nutzern, analysiere ihr Verhalten und verstehe ihre Herausforderungen.
- Entwickle klare Personas und Customer Journeys, die dein Produkt greifbar machen.
- Teste frühzeitig mit Prototypen oder MVPs und lerne lieber schnell, als später zu scheitern!
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2. Unklare Produktstrategie und Priorisierung
Ohne eine klare Vision kann selbst das beste Team das Ziel aus den Augen verlieren.
Die Folge: Zeit wird in Funktionen investiert, die keinen echten Mehrwert bieten.
Lösung:
- Definiere eine inspirierende Produktvision, die das gesamte Team antreibt.
- Priorisiere radikal und setze auf das, was echten Impact fĂĽr die Nutzer und das Business hat. Nutze Methoden wie MoSCoW oder die Impact-Effort-Matrix, um Klarheit zu schaffen und Entscheidungen zu vereinfachen.
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3. Stakeholder-Mangel – zu wenig oder zu viel Einfluss
Der „HiPPO-Effekt“ (Highest Paid Person’s Opinion) kann in der Produktentwicklung genauso problematisch sein wie fehlende Unterstützung durch Führungskräfte. Beide Extreme führen dazu, dass Entscheidungen nicht auf fundierten Daten basieren.
Lösung:
- Involviere Stakeholder frĂĽhzeitig, aber stĂĽtze Entscheidungen auf Daten und Nutzerfeedback.
- Plane regelmäßige Alignment-Meetings und stelle sicher, dass UX Research, Analytics und Daten als Argumentationsgrundlage dient.
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4. Technologie-Limits und Skalierbarkeit
Technische Einschränkungen können großartige Ideen schnell zum Scheitern bringen. Wenn die Technologie von Anfang an nicht skalierbar ist, wird die spätere Anpassung zu einem kostspieligen Unterfangen.
Lösung:
- Wähle einen skalierbaren Tech-Stack, der zukunftssicher und flexibel ist.
- Beginne mit einem MVP und iteriere gezielt. Implementiere regelmäßige Code-Reviews und Refactoring-Routinen, um nachhaltige Qualität zu sichern.
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5. Zu lange Time-to-Market
Das perfekte Produkt gibt es nicht – aber das richtige Timing ist entscheidend. Wer zu lange wartet, wird von der Konkurrenz überholt.
Lösung:
- Nutze Lean Development und agile Methoden, um schnelle Iterationen zu ermöglichen.
- Setze auf Feature-Flagging und A/B-Tests, um Risiken zu minimieren.
- Lebe die MVP-Mentalität: „Done is better than perfect!“
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6. Mangelnde Zusammenarbeit zwischen Teams
Ein gutes Produkt entsteht nicht in Silos. Wenn UX, Entwicklung und Business nicht eng zusammenarbeiten, entstehen Reibungen, die Innovation bremsen.
Lösung:
- Etabliere cross-funktionale Teams mit klaren Zielen und Verantwortlichkeiten.
- Fördere Transparenz durch Tools wie Jira, Figma, Miro oder Notion und implementiere DesignOps & DevOps, um effizientere Workflows zu schaffen.
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7. Monetarisierung und Pricing-Strategie
Ein großartiges Produkt reicht nicht aus – es muss auch wirtschaftlich tragfähig sein.
Viele Teams unterschätzen, wie wichtig die richtige Preisstrategie für den Erfolg eines Produkts ist.
Lösung:
- FĂĽhre Pricing-Experimente durch, um den optimalen Preis herauszufinden.
- Teste verschiedene Modelle wie Freemium, Subscription oder Einmalzahlung.
- Setze auf Value-based Pricing, um den Preis an den wahrgenommenen Mehrwert fĂĽr die Nutzer anzupassen.
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8. Fehlende Flexibilität für Iterationen
Die Entwicklung eines Produkts endet nicht mit dem Launch. In einem dynamischen Markt ist es entscheidend, das Produkt kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Lösung:
- Erstelle eine Roadmap fĂĽr die langfristige Produktentwicklung und berĂĽcksichtige sowohl technologische Innovationen als auch kontinuierliches Nutzerfeedback. Dein Produkt sollte stets in Iteration bleiben.
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9. Übermäßige Komplexität für den Nutzer
Ein häufiges Problem: Zu viele Funktionen und Optionen, die den Nutzer überfordern und das Produkt unübersichtlich machen.
Lösung:
- Halte das Produkt so einfach wie möglich.
- Konzentriere dich auf die wichtigsten Funktionen und vermeide unnötige Komplexität.
- Das Produkt sollte intuitiv und benutzerfreundlich sein.
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10. Fehlende Vision nach dem Launch
Ein Produkt benötigt auch nach dem Launch eine klare Vision für die Weiterentwicklung.
Ohne eine langfristige Strategie verliert es schnell an Relevanz.
Lösung:
- Stelle sicher, dass du eine klare Strategie für die Weiterentwicklung deines Produkts hast. Überprüfe regelmäßig, ob das Produkt noch mit den sich entwickelnden Nutzerbedürfnissen übereinstimmt.
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11. Team-Motivation und Ressourcenmanagement
Ein Team, das sich ĂĽberlastet fĂĽhlt oder dem die Ressourcen fehlen, kann seine besten Ideen nicht umsetzen.
Motivation und eine gute Ressourcenplanung sind entscheidend fĂĽr den Erfolg eines Produkts.
Lösung:
- Fördere eine Kultur der Wertschätzung und sorge dafür, dass dein Team nicht überlastet wird.
- Investiere in kontinuierliche Weiterbildung und achte darauf, dass alle im Team die Ressourcen haben, die sie brauchen, um erfolgreich zu sein.
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12. Fehlende Innovationskultur
Wer immer nur nach „bewährten Methoden“ arbeitet, verhindert kreative Ideen und innovative Lösungen.
Lösung:
- Schaffe eine offene Innovationskultur, in der neue Ideen willkommen sind und ausprobiert werden dĂĽrfen.
- Gebe deinem Team Raum für kreative Entfaltung und fördere eine Kultur des kontinuierlichen Lernens.
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13. Fehlende Skalierbarkeit der Prozesse
Viele Unternehmen denken nicht daran, ihre Prozesse von Anfang an auf Skalierbarkeit auszulegen.
Wenn du das nicht tust, wird das Unternehmen bei schnellem Wachstum mit ineffizienten und schwer anpassbaren Prozessen konfrontiert.
Lösung:
- Baue Prozesse von Beginn an skalierbar auf. Setze auf Automatisierung und flexible Systeme, die mit dem Unternehmen mitwachsen können.
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14. Missverständnisse bei der Zielgruppendefinition
Fehlende oder fehlerhafte Zielgruppenanalyse kann dazu fĂĽhren, dass das Produkt den Bedarf der Nutzer nicht trifft.
Lösung:
- Definiere klar, wer deine Zielgruppe ist, und entwickle das Produkt basierend auf deren tatsächlichen Bedürfnissen.
- Nutze User-Centric Design und teste das Produkt regelmäßig mit echten Nutzern.
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15. Ăśberfrachtung mit Features
Zu viele Funktionen können ein Produkt unnötig komplex machen und es schwieriger gestalten, den Mehrwert klar zu kommunizieren.
Lösung:
- Priorisiere die wichtigsten Funktionen und halte das Produkt fokussiert.
- Denke an die BedĂĽrfnisse der Nutzer und baue das Produkt in Iterationen aus, basierend auf echten RĂĽckmeldungen.
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Die Entwicklung eines erfolgreichen Produkts ist ein komplexer und oft holpriger Prozess, der sowohl strategische als auch praktische Herausforderungen mit sich bringt. Aber mit einer klaren Vision, einem gut zusammenarbeitenden Team und einem kontinuierlichen Fokus auf Nutzerbedürfnisse lässt sich der Weg zum Erfolg ebnen. Nutze diese Learnings als Grundlage, um dich selbst und dein Team durch die turbulente Welt der Produktentwicklung zu navigieren und vermeide die häufigsten Fallstricke. Erfolgreiche Produkte entstehen nicht durch Zufall – sie entstehen durch kluge Entscheidungen, kontinuierliches Lernen und eine konsequente Ausrichtung auf den echten Mehrwert für den Nutzer.
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💬 In den nächsten Monaten werde ich regelmäßig neue Insights und Ergebnisse aus meiner UX-Lernreise teilen. Also bleib dran!