Mein ganz persönlicher Rückblick 2020 (#5)

Neustart Welt! Hallo Veränderung. 

Letztes Jahr hatte ich mir geschworen früher mit dem Schreiben des Jahresberichts anzufangen, geschafft. Heute ist Donnerstag, der 20. August 2020, ich sitze entspannt in einem Strandkorb und genieße das Rauschen der Ostsee und denke an das erste halbe Jahr 2020 zurück. Es war turbulent, ich habe meinen ersten Lockdown hinter mir. Dank dem Coronavirus sitze ich am Ostseestrand – Deutschland Urlaub. Ohne das Virus wäre diese Reise wahrscheinlich nie passiert, ich bin dankbar, schreibe meine ersten Zeilen nieder und reflektiere die erste Jahreshälfte. Nur kurze Zeit später, tief in meinen Gedanken versunken trifft mich ein feuchter, warmer Gruß auf meinem Oberschenkel. Eine Möwe entleerte sich, ich muss lachen. War das ein Zeichen von oben? Bringt die kleine warme Geste der Möwe mir wohl möglich doch noch Glück für die zweite Jahreshälfte oder geht es turbulent weiter, wie die erste Hälfte 2020? 


2020: War ein Jahr der großen Herausforderungen für viele von uns. 
Was bewegte mich und was möchte ich diesmal mit der Welt teilen? Ich entschloss mich für das neue Jahr jeden Monat mir eine persönliche Challenge zu setzen und meine Erfahrungen im Jahresbericht zu teilen. Los geht’s!


Die häufigsten Google Suchanfragen 2020

Wie immer beginne ich meinen Bericht mit der Google Suche. Was hat die Menschen in Deutschland bewegt, wonach haben sie auf Google gesucht? Die Google Trends des Jahres 2020 ergeben sich durch die Auswertung von Milliarden Suchanfragen, die Nutzer in dem Jahr getätigt haben. Sie basieren auf aggregierte Daten, Suchbegriffe die 2020 gesucht wurden. Platz 1 wie könnte es anders sein: Coronavirus

Google Deutschland: Suchbegriffe

1. Coronavirus
2. US Wahl
3. Wetter morgen
4. Wirecard
5. Biontech Aktie
6. Kobe Bryant
7. iPhone 12
8. Disney Plus
9. PS5
10. Joe Biden

Quelle: Google Trends


Meine Spotify Lieblingskünstler und meistgehörten Podcast 2020


Was bewegte mich 2020 und was möchte ich diesmal mit der Welt teilen?


Januar 2020: Yoga Retreat in Indien
Challenge: Kein Kaffee


Das alte Jahr 2019 endete turbulent. Am 28. Dezember 2019 ging es für drei Wochen nach Indien. Am Tag der Abreise klingelte mein Telefon und ich erfuhr, dass mein dreiundachtzig Jahre alter Vater ins Krankenhaus musste, niemand wusste, was er hatte. Wir beschlossen wie geplant zum Flughafen nach Tegel zu fahren und von unterwegs die Situation abzuschätzen. Am Flughafen erreichte ich meine Mutter im Krankenhaus, die mir versicherte, dass ich mir keine Sorgen machen sollte. Mit einem unwohlen Gefühl im Magen, entschied ich die Reise anzutreten. Wenn sich der Zustand von meinem Vater verschlechtert, würde ich wieder zurück nach Deutschland fliegen. In Dehli angekommen dann die Entwarnung – die Reise konnte weiter gehen, es ging ihm wieder besser. 
Der Grund der Indien Reise war ein Yoga Retreat zur Reflektion und Ausrichtung 2020. Wir verbrachten Silvester in Goa und feierte in Anjuna die Silvesternacht, mein verrücktestes Silvester überhaupt. Die Geschichten kann man wie immer auf www.rucksackblog.de nachlesen. Nach dem Silvesterfest reiste ich mit Mariana nach Mahabalipuram, ein kleiner Ort im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu und die erste Challenge startete: „Ein Monat keinen Kaffee“. In Mahabalipuram angekommen hieß es dann sieben Tage, zwei Mal am Tag Yoga. Jeden Morgen von 6 bis 8 Uhr zum Sonnenaufgang und zum Sonnenuntergang nochmal Yoga von 16:30 bis 18:30 Uhr auf einer Dachterrasse direkt am Meer. Es war kaum in Worte zu fassen, es war wie in einem Märchen, die indische Kultur, die freundlichen Menschen, das tolle Wetter und das Essen. 

Nach nur drei Tagen Yoga kam ich an meine körperlichen Grenzen. Morgens Yoga danach Sightseeing und abends Yoga, ich kam nicht zur Ruhe. Der Grund: Unsere Unterkunft, dass Homestay in dem wir schliefen war hellhörig und wer schon mal in Indien war weiß, dass es dort sehr laut sein kann und als ob das nicht reichte verkühlte ich mich kurz vor der Rückreise nach Berlin und musste direkt zum Arzt. Die Folge: Krankschreibung – Bronchien Erkrankung und hinzukam, dass sich der Zustand meines Vaters wieder verschlechterte. Die Kaffee-Challenge gestaltete sich als einfach, da man in Indien sowieso eher Tee statt Kaffee trinkt, in Berlin angekommen überwog mein Wille die letzten Tage dann auch noch durchzuziehen, geschafft. Hallo 2020.


Februar: Die Diagnose
Februar Challenge: Jeden Tag meditieren


Für den Februar setze ich mir eine Meditations-Challenge. Ich meditierte sieben Tage die Woche mit meinem EEG-Stirnband Muse. Die Muse App gab mir die nötige Kontrolle meinen Fortschritt zu verfolgen und half mir mich zu entspannen.

Privat hatte ich ein Geheimnis, dass ich mit in das neue Jahr genommen hatte. Ende letzten Jahres bekam ich von meiner Ärztin die Diagnose „Verdacht auf HPV“, eine Krankheit, von der ich zuvor nicht viel gehört hatte. Ich musste zur Untersuchung in eine Spezialklinik, die Diagnose war eine Operation. Zeitgleich verschlechterte sich der Zustand von meinem Vater und da ich niemanden in der Familie zusätzlich beunruhigen wollte verschwieg ich meine Diagnose.
Beruflich hingegen lief alles super, wir waren dabei unser Projekt „Ideentest“, eine Testing Community bei Neugelb zu etablieren und ich bekam ein neues Projekt in neuer Team Konstellation was sich mit meinem neuen Lieblingsthema „Investieren“ beschäftigte.

Doch Ende Februar dann wieder ein Stopp: Ich war wieder außer Gefecht gesetzt, der nächste Krankheitsrückschlag, eine Grippe. Irgendwie war der Wurm drin und hinzu kamen, die vielen Corona Nachrichten. Ein neues Virus, das nun auch Europa bedrohte. Das Einzige, was reibungslos lief, war meine Meditations-Challenge mit Muse, die mir Kraft gab und die ich dank der App erfolgreich abschloss. 


März: Nichts geht mehr – Shutdown
Challenge: Jeden Tag ein Hörbuch hören


Im März ging es mit einer Hörbuch Challenge weiter. Jeden Tag ein Hörbuch, klingt verrückt und zeitintensiv? War es aber nicht. Mein Trick, ich nutzte die App Blinkist, bei der man sich in ca. 15 Minuten eine Hörbuch Zusammenfassung anhören kann und somit hörte ich mir viele Bücher an, die ich sonst vielleicht nie gelesen hätte.

Am 10. März ging es zum Bingo ins SO36, wo ich gleich zweimal auf die Bühne durfte, zweimal Bingo an einem Abend inklusive dem Hauptpreis, eine Jahreskarte für das SO36. Die Freude war groß, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass ich die Jahreskarte wohl nie werde nutzen können. Kurz bevor der erste Lockdown in Kraft trat, durfte ich noch an meinem zweiten Teil vom GFK Kurs (Gewaltfreie Kommunikation) teilnehmen und diesen abschließen danach war dann alles anders. Die Covid-19 Meldungen spitzten sich immer weiter zu und nur kurze Zeit später bekam ich eine offizielle Meldung per E-Mail – Lockdown! Ab dem 16. März ging das Arbeiten nur noch remote. Das Wohnzimmer wurde zum Co-Working-Space umgestaltet und der Esstisch ersetzte die Schreibtische. Mein Aktienportfolio erreichte am 16. März 2020 seinen Tiefststand. Einzige Hoffnungsträger waren drei spekulative Pharma Aktien (Novavax, Inovio und Biontech) die sich mit einem Corona-Impfstoff beschäftigen und sonderlich gut performten. Sie rissen all meine Sparpläne und Einzeltitel raus. Dank Corona schaute ich nun fast stündlich in meine Trading-App, es war wie eine Sucht. Und als ob die ersten drei Monate nicht schon aufregend genug waren, entschied ich mich beim #WirVSVirus – Hackathon der Bundesregierung vom 20. März bis zum 22. März teilzunehmen. 42.000 Freizeithacker engagieren sich gegen das Virus an einem Wochenende, um Lösungen gegen Covid-19 deutschlandweit zu erarbeiten und ich war einer von diesen verrückten Leuten. Das Wohnzimmer sah aus wie bei einer LAN-Party. Ein Wochenende zusammen gegen Corona. Zum Nachlesen: Hackathon Artikel

Nach dem Hackathon Wochenende stand meine HPV OP bevor. Mit Maske und Einweghandschuhen ging es am 24.3. in die Spezialklinik zum ambulanten Eingriff mit Vollnarkose. Der Eingriff verlief reibungslos und ohne große Schmerzen.


April: Sicherheitsabstand 1,5 m
Challenge: Jeden Tag Gitarre spielen


Für die April-Challenge entschied ich mich Gitarre spielen zu lernen. Als erstes bestellte ich mir eine Ukulele, um festzustellen, dass es für Gitarren mehr Lernvideos im Internet gab. Also tauschte ich die Ukulele gegen eine Gitarre und brachte mir dank YouTube erste Gitarrengriffe bei. Es war eine gute Abwechslung zum Corona Alltag.
Mittlerweile gab es überall Corona Markierungen auf den Böden – Sicherheitsabstand 1,5 m. Im Supermarkt musste jeder einen Korb nehmen damit die Leute besser gezählt werden konnten, bei dm gab es eine Sicherheitsschleuse im Kassenbereich. Die Leute tätigten Hamsterkäufe. Nuddeln, Toilettenpapier, Hefe und allgemein Lebensmittel in Dosen waren der Renner. Ich fand die Situation sehr beunruhigend. 

Niemand konnte einem sagen, wie die nächsten Monate aussehen würden. Es war wie ein großes Experiment. Am 25.04. war ich das erste Mal seit Wochen wieder einkaufen. Durch die OP hatte ich Angst, dass mir das Virus etwas anhaben könnte. Gleich sieben Läden hatte ich besucht. An den Sicherheitsabstand und die Security gewöhnte ich mich schnell. Den Abstand im Kassenbereich nahm ich als positiv und wünschenswert war. Niemand der einen in die Hacken fährt, super. Ich nutzte das Virus für Recherchezwecke und interviewte die Menschen so oft es ging in den Läden, ob sie nun mehr digital bezahlen und wie die allgemeine Stimmung sei und ja mehr und mehr Menschen überwunden ihre Skepsis gegenüber dem digitalen Zahlen per Karte oder App. Die remote Situation eröffnete neue Möglichkeiten. Viele Veranstaltungen liefen digital ab und ich konnte Meetups besuchen, die ich sonst nie hätte besuchen können. Ich konnte mich mit Menschen austauschen und von ihnen lernen was zuvor nie möglich gewesen wäre. Vielleicht ist es nach Corona ganz normal remote vom anderen Ende der Welt aus zu arbeiten? Ich probiere mich auf die positiven Dinge zu fokussieren. Digitale Tools wie Miro und Mural eroberten den Arbeitsalltag und vereinfachten mir das digitale Arbeiten. Remote Workshops waren die neuen Google Sprints und die Tools beflügelten meine Kreativität. Seitdem war Miro meine Wunderwaffe. Es war eine Chance, man musste nicht mehr für jedes Meeting durch halb Deutschland reisen, die neuen Tools ermöglichen neue Wege der Kommunikation und Zusammenarbeit. Jeder kannte Zoom Meetings, um mit Verwandten in Kontakt zu treten, die man nicht besuchen konnte. 

Auf einmal war vieles möglich und es wurden Lösungen gesucht, statt nur über die Probleme zu sprechen. Ich telefonierte mehr denn je mit alten Freunden und fokussierte mich auf das wesentliche. Ende April dann die lang diskutierte Maskenpflicht für alle. Meine Gitarren Challenge schloss ich erfolgreich ab und konnte erste Griffe spielen. 


Mai: Auftrag für franzidesign
Challenge: Jeden Tag 100 Sit-up’s 


Der Sommer stand vor der Tür somit musste eine sportliche Challenge her. Jeden Tag 100 Sit-ups vor dem Frühstück standen auf dem Tagesplan. 
Für franzidesign bekam eine ich eine Projektanfrage von einem alten Kunden, der Havelland Klink. Der Auftrag: Eine Neugestaltung der Klinik Cafeteria damit die Patienten, Gäste und Ärzte sich in der Cafeteria wohlfühlen. Ich durfte Ideen für neue Möbel, eine neue Farbgestaltung und eine damit verbundene Neugestaltung der Räume konzipieren. Eine schöne Abwechslung zum Bankalltag. 
Bei Neugelb hingegen gab es auch eine Veränderung für mich, ein neues Projekt JunoX in neuer Teamkonstellation. Es ging, um einen MVP (Minimum Viable Product) für die Bank, es sollten erste Prototypen erstellt und getestet werden, um Feedback von den Kunden einzusammeln. Der Projektzeitraum war bis Ende Juni überschaubar. Meine Sit-up Challenge meisterte ich erfolgreich.


Juni: Aktien Fail Wirecard
Challenge: Kontakt Challenge, jeden Tag mit jemanden Kontakt aufnehmen


Diesen Monat hieß es Kontakt Challenge – sich jeden Tag bei jemanden melden. Egal ob Treffen, Anruf oder eine Nachricht. Durch die besondere Situation war es wichtiger denn je in Kontakt zu bleiben. Ich nahm diese Herausforderung als besonders wahr und es tat gut sich mit vielen anderen auszutauschen. 
Die Corona-Situation lockerte langsam und die ersten Demos fanden auf dem Alexanderplatz statt. Am 6.6. ging es mit 15.000 anderen auf die erste Demonstration 2020 #BlackLivesMatter Demo mit Maske gegen Rassismus.

Die Straßen ringsherum waren überfüllt mit Menschen, die auf den Platz strömten. Das Rolltor vom U-Bahnhof-Ausgang Alexanderplatz wurde heruntergelassen, wegen Überfüllung geschlossen. Nie zuvor hatte ich eine Demonstration so intensiv wahrgenommen. Auf der einen Seite die Angst vor Corona und auf der anderen der Wille und die Energie der Menschen die ein Zeichen setzten. 

Nicht nur beruflich, sondern auch privat interessierte ich mich seit Neugelb für das Thema Finanzen. Vor zwei Jahren wusste ich noch nicht was eine WKN oder ISIN ist und nun spekulierte ich mit Aktien, es war völlig normal jeden Morgen in meine Trading-App zu schauen. Im Mai investierte ich kurz vor dem Absturz von Wirecard, obwohl ich nicht investieren wollte. Ich belächelte die Leute, die investiert waren, doch der Treiber Gier überwog. Im Juli dann der Absturz. Im Nachhinein war ich froh den ich lernte viel aus der negativen Erfahrung.


Juli: Urlaubsreif
Challenge: Ein Monat ohne Fleisch


Sommer ist Grillzeit, somit entschloss ich einen Monat kein Fleisch zu essen. Ich lud zum Grillabend mit Freunden ein und kaufte Fleisch und vegane Alternativen. Der Grillgeruch vom Fleisch war verlockend, doch dank meiner vegetarischen Freunde war der fleischfreie Grillabend für mich kein Problem, im Gegenteil, die Auswahl war um so vielfältiger. 
Im Juli war es so weit, Jubiläum, zwei Jahre Neugelb! Verrückt wie schnell die Zeit vergeht. Mein aktuelles Bankprojekt hatte mich verausgabt, ich hatte wieder einmal zu viel Herzblut in ein Projekt reingesteckt. Ich wollte die Welt retten und hatte nicht auf mich selbst geachtet. Fazit: Ich war urlaubsreif. Bis zum Winter warten war keine Option, meine Kreativität schwand also musste ein Plan her. Mein Jakobsweg Plan war durch Corona wieder keine Option und alle Schweige-Retreats waren ausgebucht. Plan B musste her! Die Idee: Deutschland Urlaub, ab an die Ostsee aber nicht mit dem Auto oder der Bahn, sondern mit dem Rad. Gesagt getan. Laptop auf und losging die Planung. Die Verfügbarkeit der Hotels war sehr mau somit mussten wir die Strecke nach den verfügbaren Hotels planen und nicht nach dem super ausgebautem Berlin-Usedom Radfernweg. Egal, gebucht: Fünf Tage, 230 Kilometer Fahrrad fahren und drei Tage ausruhen. 


August: Berlin-Usedom Radfernweg
Challenge: Ein Monat ohne Fernsehen, Netflix und Co


Neuer Monat, neue Challenge. Diesmal hieß es einen Monat kein Fernsehen. 
Als Ablenkung ging es am 13. August mit dem Fahrrad von Berlin zur Ostsee. Frische Luft tanken und die Natur genießen, bevor die zweite Welle Corona im Herbst vielleicht auf uns zurollt. Unsere Ausstattung: Zwei lustige Fahrradmützen, jeder von uns zwei Fahrradtaschen für Gepäck und natürlich der Laptop, um meine vielen Gedanken zu bündeln. Fünf Tage und 230 Kilometer später kamen wir an der Ostsee an, ohne Muskelkater und ohne irgendwelche Probleme. Das Wetter war die ganze Zeit auf unserer Seite, es hätte nicht besser sein können. Wir waren unendlich stolz auf unsere Leistung und die Challenge war gar kein Problem, wir hatten keine Zeit für weitere Ablenkung. 


September: Diagnose Bradykardie
Challenge: Ein Monat jeden Tag um 5 Uhr aufstehen


Dank der Challenge stand ich jeder Morgen um 5 Uhr auf und genoss die Ruhe, zwei Stunden Zeit zum Lesen, zum Meditieren oder zum Schreiben. Zeit für mich, in der mich keiner stört und ich mit frischen Gedanken an neuen Dingen arbeiten konnten. Eine Challenge die ich jedem nur empfehlen kann. 

Bei Neugelb ging es mit einem neuen Team weiter. Nach dem kurzen Brokerage Projekt und dem Zweimonatsprojekt JunoX hieß es nun Ideation Team. Die Aufgabe des Teams: die Bank mit innovativen Ideen und Lösungen unterstützen. Ich war gespannt und motiviert in einem festen Kernteam zu agieren und Innovation zu pushen. 
Privat ging es nach den vielen Monaten Abstinenz gleich zweimal tanzen. Ein guter Freund legte auf der KitKat Exil Veranstaltung in der Magdalena auf und lud mich ein. Ich war gespannt auf die Corona Regelungen. Alle Tänzer mussten sich an Tischen aufhalten, wo man die Maske abnehmen konnte. Wenn man den Tisch verließ, um sich zu bewegen, musste man die Maske aufsetzen und alles wurde streng reguliert. Die Stimmung war trotz Abstandsregeln und wenig Tänzern magisch und ich unendlich dankbar mal wieder unter anderen Menschen zu sein. 
Es folgte ein zweites Event, mein erstes und einziges Open Air 2020, hätte ich jemals gedacht, dass ich mich mal auf eine Dixi Toilette freute, wahrscheinlich nicht. Es war ein besonderer Abend, obwohl es regnete, es war alles egal Hauptsache ein wenig Normalität spüren. 

An einem Montag im September musste ich zu einem kleinen operativen Eingriff zum Hautarzt, ein Muttermal musste entfernt werden. Nach der OP hatte ich mit einem Schwächegefühl zu kämpfen, mir wurde schwarz vor Augen und der Puls wollte sich nicht regenerieren, wo drauf der Arzt alle zwanzig Minuten meinen Puls kontrollierte. Nach zwei Stunden saß ich immer noch in der Praxis, die Betäubung war mittlerweile verschwunden doch mein Zustand besserte sich nicht, der Puls blieb bei unter fünfzig also entschied der Arzt mich ins Krankenhaus fahren zu lassen. In der Notaufnahme stellte man mich auf den Kopf. Großes Blutbild und EKG, um lebensbedrohliche Krankheiten auszuschließen – ohne Erfolg. Nach ca. zwei Stunden konnte ich das Krankenhaus verlassen. Es folgten eine Überweisung zum Kardiologen, Radiologen und zum HNO, um meinen Zustand abzuklären, irgendwas stimmte nicht mit mir, mein durchschnittlicher Herzschlag lag bei 48. Bei einem gesunden Erwachsenen liegt der Herzschlag normalerweise zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Bei unter 60 Schlägen sprechen Mediziner von einer Bradykardie, einem verlangsamten Herzschlag. Betroffene können an Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit leiden. Meine Ärztin beruhigte mich im Nachhinein, sie erklärte mir, dass Menschen mit einem zu geringen Herzschlag oft älter als andere werden da das Herz weniger schlägt und somit weniger leisten muss. Einziger Nachteil sind Schwindelgefühle, hoher Schlafbedarf und oft kalte Hände und Füße was ich als unangenehm wahrnehme. Ende des Monats war es so weit, nach sechzehn Jahren war die Zeit gekommen, ich hatte mich entschieden meinen geliebten VW LUPO wegzugeben. Ein komisches Gefühl, gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür stand. Das Jahr hatte es echt in sich.


Oktober: Design Sprint
Challenge: Ein Monat keine Süßigkeiten


Neuer Monat, neues Projekt bei Neugelb. Nach nur einem Monat lag das Ideation Team bei mir auf Eis, ein Design Sprint mit der Bank zum Thema Investitionsbedarf für Unternehmerkunden war meine neue Herausforderung. Meine Rolle: Methoden Lead, Moderatorin, Konzepterin und Designerin. Zur Einarbeitung in das Thema absolvierte ich eine Masterclass bei AJ&Smart, der Design Sprint Agentur überhaupt, wenn man bei Google nach „Design Sprint“ sucht. Seit vielen Jahren bin ich großer Fan der Agentur und ich freute mich riesig auf das Projekt. Doch bevor der Sprint losging, gönnte ich mir eine Woche Urlaub in Berlin. Dank Corona hieß es „Berlin“ entdecken und entspannen. Von der Sauna über gemütliches Frühstück bis hin zur Bar Tour durch Schöneberg war vieles dabei, einfach abschalten und neue Energie sammeln. Zum Ende des Urlaubs gab es einen Abstecher in die neue Location der Griesmühle – Revier Südost wo ein Freund die Tür machte. Wie so oft hatte ich das Bedürfnis meinen Aufenthalt über Social Media zu teilen doch musste, man aktuell aufpassen welche Dinge man teilt, so weit war es gekommen. 
Der Monat zog sich wie ein Kaugummi, wegen der Challenge durfte ich keine Schokolade essen, aber dank meinem großen Willen überstand ich auch diese Herausforderung. Ich lenkte mich mit Arbeit und Onlinekursen ab, ich hatte noch nie so viele Kurse und Programme absolviert wie in diesem Corona Jahr. Corona ist eine Chance doch die Ungewissheit und die negativen Medien und Anfeindungen der Menschen machten mich sehr nachdenklich. Es gibt oft keine offenen Diskussionen, sondern nur schwarz und weiß, die Menschen feindeten sich untereinander an und man musste sich dreimal überlegen, was man sagt oder teilt. 


November: Onlinekurse
Challenge: Kein Alkohol


Diesen Monat hieß es keinen Alkohol. Kein Bier und auch kein Glas Rotwein am Abend und das, obwohl schon wieder Lockdown war, diesmal „light“, wo man ein gutes Glas Rotwein zur Entspannung gut gebrauchen konnte aber nein, die Challenge wird durchgezogen. Zwar probierten wir alkoholfreie Weine aus, doch leider waren alle getesteten Weine teuer und geschmacklich nicht gut. Ich lenkte mich weiterhin mit Onlinekurse ab und fokussierte mich weiter auf mein Design Sprint Projekt. Die Wochenenden waren relativ unspektakulär, ich nutzte die Zeit zum Lesen, Meditieren und Spazieren. 


Dezember: Mein erstes Lebkuchen Haus
Challenge: Jeden Tag mindestens drei positive Dinge aufschreiben


Jeden Abend schrieb ich drei positive Dinge in mein Handy und startete voller Euphorie in die letzte Challenge des Jahres. Eine einfache Challenge sollte man meinen. 
Ich bekam Post vom RKI, der freiwillige Mund-Nasen-Abstrich und die Blutprobe einer deutschlandweiten Studie waren negativ. Kein Corona und auch keine Antigene. 
Bei Neugelb gab es einen Lebkuchen Challenge, man bekam ein Lebkuchenhaus Kit nach Hause geschickt und konnte seine Kreativität freien Lauf lassen. Wie sollte es auch anders sein entschieden wir uns für einen Berghain Nachbau und gewannen in der Kategorie „Most creative house.“ 

Bei franzidesign gab es zur Abwechslung eine Logo- und einen Kunstkatalog Gestaltung die mich ablenkten. Und wie sollte es anders sein, machte Corona mir einen Strich durch meine jährliche Geburtstagssause, die Feier fiel aus. Wer hätte es gedacht, dass mir jemand mal vorschreibt, dass ich nicht feiern darf. Ab dem 16.12. dann der zweite große Lockdown.

Die Monats-Challenge Dezember floppte, die Luft war raus. Zwar dachte ich, dass mir das Handy das Aufschreiben der positiven Dinge erleichtert, aber das tat es nicht. Ich verlor den Überblick und vergas die abendlichen Einträge. Ein Tagebuch auf dem Schreibtisch wäre auf jeden Fall die bessere Option gewesen, nächstes Mal. 


2020 war ein verrücktes Jahr. Ein Jahr voller Veränderung. Ein Jahr was uns alle in Erinnerung bleibt. Dank Corona ist es auf einmal möglich, dass Menschen ohne Diskussionen von Zuhause arbeiten, was vorher nicht möglich war. Dank Corona konnte ich unendlich viele Meetups besuchen und mich mit neuen Menschen virtuell austauschen was vorher nicht denkbar gewesen wäre. Auf einmal war es möglich Workshops digital durchzuführen. Dank Corona habe ich viele alte Freunde wiedergetroffen und den Kontakt aufgebaut. Es wurde nicht nur über Probleme gesprochen, sondern auch nach Lösungen gesucht. Bis jetzt war es wohl das Jahr mit der größten Transformation für uns alle. Danke Corona, dass ich mich erden konnte und jemand meinen Reset Knopf gedrückt hat. Corona ist eine Chance die Welt neu zu denken. Mut zum Machen! 


Mein Aktienportfolio zum Jahresende
(+15,73 Prozent)


Meine Top Aktien

1. Novavax (+858 %)
2. Spotify (+105 %)
3. Commerzbank (+63,35 %)
4. Luckin Coffee (+53,03 %)
5. Slack (+32,17 %)

Meine Flop Aktien
1. Wirecard (-99,78 %)
2. Aurora Cannabis (-38,79 %)
3. Alibaba (-19,73)
4. Sales Force (-12,90 %)
5. JD.com (-11,88 %)


Danke Neugelb, danke Corona und vor allem Danke, an alle die mit mir durch dick und dünn gegangen sind. Danke Mariana. Auf das wir 2021 bei Gesichtsmasken wieder an Gurkenscheiben denken. Vielleicht schaffe ich es ja 2021 den Jahresbericht pünktlich zum Jahresende zu veröffentlichen, vielleicht habe ich aber auch besseres zu tun.

Berlin, Februar 2020


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