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„Du bist verrückt mein Kind, du musst …

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… an der 24. Berliner Polarnacht 2017 teilnehmen.

Vor noch nicht einmal einem halben Jahr hatte ich mir geschworen keine weiteren extremen Wandertouren im Streckenbereich der 50 km oder gar mehr zu absolvieren. Aber scheinbar war der Schmerz vom Mammutmarsch im letzten Jahr schon wieder vergessen und mein innerer Ansporn einfach zu groß, dass ich erneut diese Herausforderung suchte. Übung macht bekanntlich ja den Wandermeister und da ich seit Juli 2016 regelmäßig jogge, wollte ich mich erneut dieser Herausforderung stellen.
Im November letzten Jahres wurde ich mehr oder weniger zufällig über Facebook durch die Marschgruppe „EarnYourBacon“, mit der wir im letzten Jahr bereits eine Trainingswanderung absolvierten, auf die im Januar 2017 stattfindende Berliner Polarnacht aufmerksam. Diesmal war es eine geführte Wanderung vom Wandersportverein Rotation Berlin e. V. mit den Distanzen 50 oder 100 km. Für einen Geldbetrag von 3 Euro für 50 km oder aber 5 Euro für die etwas längere 100-km-Strecke sollte Muskelkater garantiert sein. Schnell fand ich ein Team von Wanderlustigen, die sich mir sofort begeistert anschlossen. Wir entschieden uns für die Nachttour durch Berlin über 50 km bis zum Zielort Falkensee.

Mit Spannung verfolgten wir Tage zuvor den Wetterbericht. Nur zwei Tage vor der Wanderung herrschte ein reger Schneesturm und niemand konnte sich vorstellen bei diesen Bedingungen durch die Nacht zu wandern.
Am Freitag, den 13. Januar starten wir pünktlich um 20 Uhr vom DB Reisezentrum an der Friedrichstraße mit fast 100 Wanderfreunden. Vor der Kälte schützen, sollte mich das altbewährte Zwiebelsystem. Ausgerüstet mit den passenden Schuhen, die mir schon beim Mammutmarsch treu zur Seite standen, einer Stirnlampe gegen die Dunkelheit und ausreichend Verpflegung im Rucksack konnte die neue herausfordernde Mission beginnen. Eis, Schnee und Glätte? Man muss wohl verrückt sein! Es hätte eigentlich nur noch Regen gefehlt, um den Albtraum perfekt zu gestalten.

Bei 3 Grad ging es im schnellen Laufschritt quer durch die Stadt. Die Wege waren teilweise vereist, dies verlangte uns zusätzlich sehr viel Kraft ab. Bis zur ersten Pausenstation nach 21 km bei McDonald’s an der Zitadelle gestaltete sich die Wanderung noch relativ entspannt. Die ersten Blasen wurden versorgt und nach ca. 40 Minuten setzten wir den Marsch mit dem Zwischenziel Eiskeller fort.

Der Vollmond schien hell und leuchtete uns den Weg. Die Gruppe legte ein strammes Marschtempo an den Tag bzw. an die Nacht. Die Streckenführung gleich einem Hindernislauf, der Weg war übersät mit bedrohlichen Stolperfallen. Es war stellenweise gefährlich glatt und nicht nur die Muskeln, sondern auch die Stimmung war sichtbar angespannt. Alle Wanderer waren sehr gefasst von der Situation und setzten bedacht Schritt vor Schritt. Niemand wollte stürzen und auch wollte keiner die anderen mit seinen Ängsten anstecken. Nach und nach setzen die Schmerzen ein und jeder hatte mit sich zu kämpfen. Bei Kilometer 30 hatte ich mein erstes gravierendes Tief, welches ungefähr eine halbe Stunde andauerte. Um meine Gefühlslage in dieser Tiefphase passend zu beschreiben, würde ich formulieren, ich hegte für einen Augenblick den Wunsch meine Mitstreiter aus der Wanderung zu entfernen, kurz gesagt, ich hätte sie töten können, hätten sie mich angesprochen. Immer und immer wieder stellte man sich die Frage:


Warum nimmt man an solchen Veranstaltungen teil?
Warum quält man sich an einem Freitag bei Nacht durch die glattesten Straßen des eisig kalten Berlins?

 

Es war die Sehnsucht nach Abenteuer und die Möglichkeit an seine Grenzen zu gelangen. Diese Begründung schien angesichts des Tiefs absurd. Mit dem Wissen, dass auf dem Tief für gewöhnlich ein Hoch folgt, läuft man einfach weiter und erträgt die schlechten Gedanken, bis der Willen sich wieder gefangen hat. Schritt für Schritt, getragen von der Gruppe und immer mit dem Ziel vor Augen. Doch nur kurze Zeit später kündigte sich das nächste Tief an. Wir zählten Kilometer 35, noch 15 km bis zum Ziel. Eine weitere Pause, um uns aufzuwärmen, die Muskeln zu lockern oder einfach nur die Blase zu erleichtern, war bis Falkensee nicht in Sicht. Die Schmerzen in den Beinen und in den Füßen hörten einfach nicht mehr auf, ein Dauerschmerz setzte ein. Wie Zombies liefen wir durch die Straßen, die jetzt zu eisigen Waldwegen entlang der Havel wurden. Das Passieren der Wanderstrecke erschwerte der unebene und stark vereiste Untergrund. Nicht nur körperliche, sondern auch volle geistige Aufmerksamkeit verlangte die Wanderstrecke von jedem ab. Wir versuchten uns im Team gegenseitig zu motivieren, es wurde still, da jeder mit sich und seiner eigenen körperlichen Verfassung zu kämpfen hatte.

Endlich in Schönwalde an einer Kreuzung angekommen, mussten wir im Team eine schwere Entscheidung treffen: entweder weitere 8 km Richtung Eiskeller mit der Gruppe zu laufen, eine riesige Schleife für eine kurze Pause im Freien, oder aber in unserem Dreierteam auf dem direkten Weg sich Richtung Ziel zu bewegen. Wir entschieden uns für die 5 Kilometer auf dem direkten Weg zum Bäcker in Falkensee.

Schon auf dem Zahnfleisch kriechend, erreichten wir die große Chaussee. Die letzten Kilometer auf der Straße zogen sich wie ein zäher und endloser Kaugummi. Die Verzweiflung war uns ins Gesicht geschrieben. In einem tranceartigen Zustand humpelten wir Schritt für Schritt die Chaussee entlang und konnten komischerweise für einige Augenblicke lachen. Die aussichtslose Lage und die gewöhnungsbedürftige Art unserer Fortbewegung ließen uns albern über unsere Situation scherzen. Nach ca. einem unendlich wirkenden Kilometer entschieden wir uns, um uns den Zusammenbruch aller körperlichen Kräfte zu ersparen, unsere Taktik zu ändern und vierrädrige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir versuchten vorbeifahrende Autos anzuhalten, die uns eventuell die letzten 2 Kilometer bis nach Falkensee mitnehmen würden. Damit die Fahrzeugführer uns im Dunkeln des Waldes wahrnehmen konnten, ließen wir uns eine listige Methode einfallen. Immer wenn sich ein Auto näherte, riss mit letzter Kraft eine von uns die Hände kräftig in die Höhe, die andere leuchtete sie mit der Stirnlampe an und die dritte Wanderin unseres kleinen Teams probiere ebenfalls mit Winken auf uns aufmerksam zu machen. Das ganze Spektakel absolvierten wir Auto für Auto, doch niemand wollte uns mitnehmen. Kein Wunder! Es war 5:30 Uhr am Samstagmorgen auf einer einsamen Landstraße zwischen Schönwalde und Falkensee. Zudem machte unser lahmende und hinkende Laufstil eine bedenken freie Beurteilung unserer Personen für den potenziellen netten Lebensretter schwierig.

Plötzlich bremste ein PKW mit bulgarischem Kennzeichen, fuhr Schritttempo, überlegte kurz uns mitzunehmen. Ein kurzer Augenblick der Freude doch es fuhr dann einfach weiter. Wir gaben nicht auf und wiederholten die einstudierte Performance bis sich wie durch ein Wunder ein weißer Transporter erbarmte anzuhalten. Wir mobilisierten die letzte Energie und rannten zum Transporter. Dem Mann mit polnischem Akzent schilderten wir unsere missliche Lage. Er hatte erkennbar Mitleid, öffnete umgehend die Tür und wir durften einsteigen. Wir erzählten ihm von unseren Erlebnissen der Nacht. Dankbarkeit, Freude, das Gefühl war unbeschreiblich und nur wenige Minuten später setzte er uns am Zielort ab.

Gesichtsausdruck nach 47 Kilometer

Wir kehrten erschöpft aber glücklich beim Bäcker ein, gönnten uns einen großen heißen Kaffee und einen kleinen Snack. Die wohlverdiente Auszeichnung in Form einer Urkunde nahmen wir stolz in Empfang. Auf den gemütlich weichen Stühlen verschnauften wir kurz, bis wir dann humpelnd den Weg Richtung Bahnhof, wohlgemerkt zu Fuß, antraten. Jeder verdammte Kilometer machte mich ersichtlich stolz diese weitere Herausforderung angenommen zu haben.

Mal schauen was für ein nächstes Abenteuer wartet! Änn & Fränn

 


Zusammenfassung vom Veranstalter
Wanderteilnehmer: 97
Streckenlänge (100 km): 18 Wanderer erfolgreich absolviert
Streckenlänge (50 km): 63 Wanderer erfolgreich absolviert
Durchschnittliche Streckenlänge: 56 km


Meine persönlichen Daten (Runtastic)
Kilometer: 47,09 (bis zur Urkunde, ohne Nachhauseweg)
Dauer: 9:13:23 Stunden
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 5,1 km/h
Pausenzeit: 56 Minuten

 

 

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Mein ganz persönlicher Rückblick 2016 (#1)

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Ab diesem Jahr habe ich mir fest vorgenommen nun jedes Jahr einen persönlichen Rückblick zu schreiben und meine positiven als auch negativen Erlebnisse in dieser Zeit zu reflektieren sowie meine Erfolge und Misserfolge zu analysieren.
Es ist wichtig mir meine Fehler bewusst zu machen, sie zu akzeptieren, aus den Erfahrungen zu lernen und mich auf neue Dinge einzulassen. Aus Misserfolgen lernt man am meisten, um neue positive Sachen zu erleben und neue Geschichte zu schreiben. Also fange ich an!

 

Es war ein Jahr voller Ereignisse. Bei den meisten wird das Jahr 2016 in keiner guten Erinnerung bleiben. Die Wahl von Donald Trump, Panama Papers, AfD, der BER ist immer noch nicht fertig, Terroranschläge in Brüssel und Nizza, die Strafaffäre Böhmermann, Brexit, Flüchtlingskrise, viele berühmte Persönlichkeiten verließen uns und zum Schluss noch der Anschlag in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt. Doch es war nicht alles schlecht. WhatsApp verschlüsselt seine Nachrichten, endlich kein Flash mehr, YouTube einigt sich mit der Gema, Pokemon Go und das iPhone7.

Heute schaue ich auf die letzten 12 Monate zurück und fasse in meinem Jahresrückblick die wichtigsten Ereignisse zusammen. Für mich war es ein sehr spannendes Jahr. Nach über 8 Jahren Selbstständigkeit, die ich ausschließlich der Arbeit widmete, war ich komplett ausgebrannt. Erst Ausbildung dann Studium, Freelancer Tätigkeit in den unterschiedlichsten Agenturen und dann zwei Stipendien mit eigenem Büro und Startup. Mein Startup „votingLAB“ und die damit verbundene Verantwortung als „CEO & FOUNDER“ hatten sichtliche Spuren bei mir hinterlassen. Die Rakete wollte einfach nicht fliegen und somit stand dann Ende des letzten Jahres fest mit „votingLAB“ abzuschließen. Diese Entscheidung fiel mir sehr schwer. Wer beerdigt schon gerne seinen Traum, an dem er hart gearbeitet hat.
Ich war auf der Suche nach meinem persönlichen Sinn im Leben – weniger Arbeit und mehr Bewusstsein, um sich wieder auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentrieren.


War ich ein Idiot, der etwas riskiert hat?
Niemand hat Bock zu verlieren. Wo gehobelt wird, fallen auch Spänne. Fuck Up – egal und im Nachhinein war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

 

Ab dem 28. Dezember 2015 nahm ich mir eine Auszeit von zwei Monaten, um nach Asien aufzubrechen. Heute vor genau einem Jahr saß ich mit meiner besten Freundin Änn in Bangkok mit zwei thailändischen Männern am Straßenrand. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Anschließend reisten wir in den nächsten 60 Tagen als Backpacker quer durch Südostasien. Es entstand ein wundervoller Blog (www.rucksackblog.de), in dem wir unsere Reisegeschichten verewigten. In dieser wundervollen Zeit konnte ich endlich neue Kraft tanken und mich nach Jahren der Anstrengung von beruflichen Höhen und Tiefen wieder erden. Thailand, Vietnam, Kambodscha, Singapur, IndonesienMalaysia, viele neue Kulturen und Eindrücke, welche immer in meinen Erinnerungen bleiben werden. Die Reise hat mich nicht nur mental, sondern auch geistig sehr weit gebracht. Für diese Entscheidung bin ich sehr dankbar.

Ende Februar wieder in Berlin angekommen, ging es dann weiter mit Yoga, Meditation und der Persönlichkeitsentwicklung, die einen festen Bestandteil meines alltäglichen Lebens geworden sind. Statt die große Freiheit überwog auf einmal das Sicherheitsgefühl und ich hatte die Chance mich ausgiebig mit meinen Zukunftsplänen auseinander zu setzen. Selbstoptimierung durch Sport, Meditation, dem Verzicht und Reduktion auf das Wesentliche wurden wichtige Dinge in meinem Leben. Habe ich die Jahre zuvor nur den Körper optimiert, folgte nun Yoga und Meditation, die mich auf ein ganz neues Level gebracht haben. Durch die Achtsamkeit und Meditation kann ich meine Gedanken besser kontrollieren, bin gelassener, kann Dinge bewusster wahrnehmen und ich habe eine höhere emotionale Ausgeglichenheit. Für mich ist es mehr als nur ein flüchtiger Trend. Es gibt mir Raum für neue Impulse, um mich und meinen Geist besser kennenzulernen. Es hat mich und meine Persönlichkeit beeinflusst und ist aus meinen Leben nicht mehr wegzudenken.

Im März und April folgten zwei beruflich träge Monate, in denen ich meine Gedanken nun in Taten umsetzen musste. In Asien wurde mir klar, dass ich wieder fest in ein Team arbeiten möchte und mich voll und ganz auf den Bereich UX/UI Design spezialisieren will. Somit entschloss ich mich klassisch zu bewerben. Wie der Zufall es wollte, kam das Angebot bei Testberichte in der Produktentwicklung, als UX/UI Designerin zu arbeiten. Das Projekt ist äußerst spannend, die Kollegen sehr nett und wie das Schicksal es wollte, bin ich seit Mai nun fest angestellt. Letztendlich wollte ich mehr Zeit in die Dinge investieren, die mir Spaß machen. Dies ist mir durch den neuen Job gelungen. Immerhin reduziere ich mich von einer 60+ auf eine 40 Stundenwoche und habe seitdem auch wieder mehr Zeit für mich.

 

 

Im Mai stand mein erstes großes sportliches Ereignis 2016 bevor. Beim Mammutmarsch haben wir im Team über 52 km am Stück absolviert. Innerhalb nur weniger Monaten hatten wir uns auf das Event vorbereitet und es mit Bravour gemeistert. Eine Erfahrung, die ich definitiv nicht vergessen werde und vielleicht schaffe ich irgendwann auch die 100 km am Stück.

Der Festival Sommer verlief relativ unspektakulär. Aus zeitlichen Gründen hatte ich es nur auf die Nation und auf das Feel Festival geschafft. So wenige Festivalbesuche wie noch nie in meinem Leben. Dafür schenkte ich dem Berghain meine volle Aufmerksamkeit. Die regelmäßigen Besuche stellten sich als guter Ausgleich dar. Viele tolle Stunden verbrachte ich im Garten und im Rüdersdorfer Biergarten und konnte den Sommer genießen.

Durch den neuen Job und die damit verbundene Anmeldung beim Firmenlauf, dem B2RUN im September, kam eine weitere Challenge auf mich zu und ab Juli begann ich mit dem Lauftraining. Die Folge ist, dass das regelmäßige Joggen aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

 

 

Im Spätsommer kündigte sich als Nächstes mein privates Highlight an, eine Segeltour mit meinem Vater. Im hohen Alter von 79 Jahren stand nun endlich der jahrzehntelang versprochene Segelausflug an. Über Monate hatte er das über fünfzig Jahre alte Boot restauriert. Wir ließen das Boot gemeinsam zu Wasser. Es ging für mich das erste Mal auf See. Ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

 

 

Im Herbst ging es dann weiter mit einer neuen Tätowierung am rechten Unterarm. Auch dieser Lebensabschnitt sollte verewigt werden und eine bestimmte Bedeutung bekommen. Ein Phönix, ein mythischen Vogel, der von der Bedeutung nicht besser hätte passen können. Er gilt als Sinnbild der Wiederauferstehung – aus der eigenen Asche und verkörpert die Leidenschaft für Dinge zu brennen, zu kämpfen und immer wieder aufzustehen. Hoffentlich wird dieses Projekt im Frühjahr 2017 vollendet sein. 

Zum Abschluss des Jahres trat ich noch einmal eine große Reise an, um neue Kraft für 2017 zu tanken. Es ging für 17 Tage an die Westküste der USA. Wir starteten in Los Angeles und reisten bis nach San Francisco und wieder zurück. Ein perfekter Roadtrip, um das alte Jahr abzuschließen.

 

Für das neue Jahr wünsche ich mir weniger Angst Sachen falsch zu machen, Sachen anzupacken, einfach machen und mein Leben so zu leben, dass ich es jeden Tag liebe.
Niemanden geht es so gut wie mir (uns) und dafür bin ich sehr dankbar!

 

Wie war Euer Jahr 2016?

 

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Service Design (Human-Centered Design)

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Die NEUE Revolution

Die Grenze zwischen physischen Produkten und digitalen Dienstleistungen verschwimmt zunehmend durch die digitale Transformation. Unternehmen müssen umdenken, um sich langfristig am Markt zu positionieren. Es gibt viele neue zunehmend digitale Berührungspunkte mit den Kunden, die es aufeinander abzustimmen gilt. Vom Onlineshop zur Auktionsplattform bis hin zur komplexen Applikation. Die Kunden nutzen immer mehr Endgeräte und erwarten heutzutage ein einheitliches und ansprechendes Kundenerlebnis auf den unterschiedlichen Geräten. Mobile Versionen für Smartphone, Tablet und Touchscreen sind Pflicht!
Service Design eröffnet dabei neue Möglichkeiten für Dienstleistungen und Innovation. Es fordert die Unternehmen heraus die unterschiedlichen Kanäle zielgruppengerecht zu bedienen. Service Design ist nutzerzentriert und analytisch.

 

Nutzerbedürfnisse und interdisziplinäre Teamkraft

Immer mehr Unternehmen entdecken Service Design als Methode, um Kundenzufriedenheit und Innovationspotenziale zu erkennen und zu optimieren. Nutzerorientiertes Denken und Handeln kann durch Service Design in den Alltag eines jeden Unternehmen integriert werden. In diesem Zusammenhang bietet Service Design ein nutzerzentriertes Vorgehen an, um Dienstleistungen bedürfnisorientiert zu gestalten. Regelmäßige kurze Interviews mit Verbrauchern und Nutzern helfen Einblicke in bestehende Probleme zu bekommen. Service Designer denken Produkt- und Service-Ideen konsequent, betriebswirtschaftlich und nutzerzentriert und ermitteln aus den daraus ableitbaren Konzepten neue Geschäftsmodelle. Die Dienstleistungen werden stets aus Nutzersicht konzipiert, um ein einzigartiges Kundenerlebnis zu erzielen. Nur wer seinen Nutzer (Kunden) kennt, kann eine optimale Dienstleistung entwickeln. Nutzerbedürfnisse verstehen, Bedürfnisse aufspüren, Kundenzufriedenheit steigern, Innovationspotentiale erkennen und Verhaltensänderung einfacher machen.
Die Einbindung von Methoden aus dieser Disziplin helfen dabei enorm, den Nutzer bzw. Kunden tief gehend zu verstehen und ein innovatives Produkt zu kreieren, das Nutzerinteressen und Unternehmensziele in Balance hält. Sinn und Zweck ist es, dass irrelevante Funktionen implementiert oder Interaktionen konzipiert werden, die für den Nutzer nicht relevant sind. Dieses schafft man durch Nutzerbefragung, Interviews und ein interdisziplinäres Team aus Designern, Programmierern, Konzeptern und Projektmanagern die eng zusammenarbeiten und die Probleme aus den unterschiedlichen Fachrichtungen beurteilen, bearbeiten und ganzheitlich betrachten.

Die iterativen Phasen des Service-Designs

  • Exploration (wie tickt der Nutzer und wie interagiert er)

    Methoden: Personas, User Journeys, Interviews und Umfragen
  • Kreation (Storyboards, Scribbles, Mock-up, erste Klickdummys und Prototypen verschiedener Sichtweisen – Mitarbeiter und Kunde/Nutzer)
  • Reflektion und Nutzertest (AB-Test, Interviews, Card-Sorting, Validierung)
  • Implementierung (Prototyp)

… Optimieren! Testen! Optimieren! Testen!

 

Fazit: Durch die steigende Komplexität der Kundenbeziehungen reicht die Ästhetik und die technischen Merkmale eines Produktes allein nicht mehr aus. Erst das Erlebnis am und mit dem Produkt schafft eine nachhaltige Kundenbindung und somit zum nachhaltigen Erfolg. Service Design macht Unternehmen zukunftsfähig und dient nicht nur dazu, neue Dienstleistungen zu entwickeln, sondern hat auch grundlegende Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Service Design umfasst komplette Prozesse innerhalb eines Organisationsmodell und bildet die Schnittstelle zwischen Marketing, Design und Technologie und verbindet viele unterschiedliche Disziplinen wie Produktdesign, Grafikdesign, Datenanalyse, Experience Design und viele weitere.

 

Die Prinzipien von Service Design von Yosef Shuman

Podcast zum Thema: Service Design Thinking
Abends in der Kreativwirtschaft (AKW)
Von: Jan Jura (Teamleiter Konzeption und User Interface Design)

Zum Podcast

 

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UX/UI-Design? Wo liegt der Unterschied?

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ui-ux
Entwickeln, testen, verbessern und wiederholen …

Die meisten, die diesen Artikel lesen, surfen täglich etliche Stunden berufsbedingt oder in ihrer Freizeit auf den unterschiedlichsten Internetseiten oder nutzen gelegentlich Apps, um sich das Wetter oder die nächste Verbindung auf ihrem Smartphone anzeigen zu lassen. Egal ob Tablet, PC, Laptop oder Handy. Die Herausforderung ist es für die unterschiedlichen Geräte und Anwendungen die passenden Lösungen zu entwickeln. Waren es vor ein paar Jahren noch einfache Informationsseiten, so sind es heutzutage komplexe Applikationen, Oberflächen oder aber Chatboots, die dem Nutzer Echtzeitfeedback geben und unser Leben verändern.

Lange Zeit bestand die Aufgabe von Designern darin grafische Oberflächen zu gestalten. Schön musste es sein, doch haben sich im Laufe der Jahre die Anforderungen stark geändert und es kamen immer neue Aufgaben und damit verbundene Berufsbezeichnungen hinzu. Wie im Wilden Westen verwendet jeder nach Lust und Laune die unterschiedlichsten Job Definitionen. Webdesign, Screendesign, Motion Design, Visual Design, UX-Design, UI-Design, Interaktionsdesign, Interfacedesign, User Interface Design, Human Interface Design und noch viele weitere.

Als Kommunikationsdesignerin kann man sich der digitalen Transformationen nicht verschließen und muss viele Dinge ausprobieren und sich immer weiterentwickeln. Die gelernten gestalterischen Ansätze sind dabei von enormer Bedeutung bei der Konzeption. Im Grundsatz geht es aber immer um die reibungslose Interaktion zwischen Mensch und Maschine, die sogenannte UX (User Experience – das Nutzererlebnis). Es ist eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen und Verstehen von Prozessen und die damit verbundene Umsetzung.
 

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hat der amerikanische Architekt Louis Sullivan einen Begriff geprägt. Dieser bringt die Entwicklung vom UI- zum UX-Design gut auf den Punkt: Form folgt Funktion. „Form follows function“

 

Wie die digitale Transformation ändern sich, wie oben schon beschrieben, die Aufgabenbereiche im Bereich Kommunikationsdesign. Aktuell arbeite ich hauptberuflich als Interactionsdesignerin (UX- und UI-Designerin) und gestalte Interaktionsabläufe für Software-, Internet- und mobile Applikationen. Das oberstes Ziel ist es, dass der Nutzer das Konzept versteht und reibungslos agieren kann, wobei der Fokus der Gestaltung ganz klar auf der Interaktion und den Bedürfnissen der Nutzer liegt. Meine Aufgabe ist es die Bedürfnisse und das Verhalten menschlicher Interaktion (Nutzerführung) mit dem Computer (human-computer interaction) zu analysieren und diese dann auf eine intuitive und verständliche Benutzeroberfläche zu transferieren. Jeder der sich bei der Bedienung eines Deutsche Bahn Ticketautomaten am Bahnsteig schon mal geärgert hat wird, sicherlich verstehen was ich meine.

In der Praxis unterscheidet man zwischen dem User Interface (UI), das Schnittstellendesign, und der User Experience (UX). Beim UI sorgt der Designer dafür, dass die User Interface Elemente einer Applikation, nämlich Interaktionshelfer wie z. B. Buttons, Schieberegler, Formulare etc., in einem erfassbaren Zusammenhang stehen und vom Nutzer verstanden werden.
Die User Experience (UX) ist für das Nutzererlebnis einer Applikation verantwortlich, damit die Erwartungen des Nutzers erfüllt werden und eine reibungslose Bedienung gegeben ist. Hierbei geht es zum Beispiel um die Animation, die das Erlebnis der Benutzerführung unterstützen soll. Wie zum Beispiel ein Fortschrittsbalken (Ladebalken), ein Eingabefeld mit Hilfetext beim Ausfüllen eines Formulars oder einer Kontaktanfrage. Die Frage ist dabei immer die gleiche:

„Wie kann man eine dezente Animation hinterlegen, die dem Nutzer hilft die Oberfläche einfach zu bedienen und keine Fragen offen lässt?“

Ein einfaches Beispiel: Eine Person nutzt eine App oder Plattform und muss aufgrund von Ladezeiten warten bis sich eine neue Seite oder ein Prozess aufbaut. Die meisten Personen brechen nach nur wenigen Sekunden ohne Rückmeldung ab. Die Lösung: Den Nutzer durch kleine Interaktionen (Microinteractions) wie zum Beispiel ein Zahnrad oder ein Ladebalken abholen damit dieser eine unmittelbare Rückmeldung bekommt, dass es einen kurzen Moment dauern kann.

ladebalken

Wobei man beide Bereiche UX (Verhalten und die Zufriedenheit der Nutzer) und das UI (User Interface) nur schwer voneinander trennen kann. Beide Bereiche müssen immer zusammen betrachtet werden. Die User Experience entscheidet über Erfolg und Misserfolg eines Produktes. Nur durch die Kombination beider Bereiche schafft man es seine Zielgruppe zu begeistern.

 

Zum Schluss noch ein schönes Zitat von Steve Jobs:
If the user is having a problem, it’s our problem”

 

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Der Mammutmarsch 2016: 100 km in 24 Stunden. Zu Fuß

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Alles begann mit diesen Zeilen …

Am 14. Mai 2016 findet in Berlin der fünfte Mammutmarsch statt. 100 Kilometer müssen in weniger als 24 Stunden zu Fuß zurückgelegt werden. Der Körper stößt an seine Grenzen, aber der Marsch ist für jede normal sportliche Person machbar. Der wahre Kampf findet im Kopf statt. Und selbst 30 Kilometer sind eine respektable Leistung, die die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht schaffen. Quelle: http://www.mammutmarsch.de

Das hörte sich für uns nach einem großartigen Abenteuer an. Diesem vermutlich erlebnisreichen Event konnten wir uns nicht verweigern und entschlossen uns bereits im Frühherbst 2015 dem Ruf des Mammuts zu folgen. Sofort fanden sich Sportbegeisterte in unserem Freundeskreis, die sich diesem Vorhaben anschließen wollten.

 

Die Vorbereitung

Zuvor waren wir noch keine größere Strecke ab 20 km+ am Stück gewandert, aber es war in der Vorstellung sehr interessant einen solchen Weg einfach einmal anzutreten. Wir dachten‚ es ist ja nur Wandern, langsames Laufen oder schnelleres Gehen! Das kann ja nicht so schwer sein. Am 15. September stand das erste gemeinsame Training der Neugegründeten Trainingswandergruppe an.

Der Bericht zum ersten Training: Hier klicken

 

Nach über fünf Stunden und zurückgelegten 24 km konnten wir unsere erste Meinung zu dem zukünftigen Vorhaben bilden. Das erste Mal hatten wir einen Eindruck welche Aufgaben uns bei dem Mammutmarsch erwarten werden. Schon nach 24 km schmerzten die Füße und die Beinmuskulatur. Der ein oder andere hatte Blasen an den Füßen zu beklagen. Der in Hinblick auf den Mammutmarsch relativ kurze Wandereinsatz raubte uns insgesamt viele Kräfte und hatte unsere Körper doch sichtlich in Mitleidenschaft gezogen. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir sehr großen Respekt vor den angestrebten 100 km. Es sollten weitere Trainings folgen, denn Übung macht bekanntlich den Meister.Die größte Trainingsdistanz, die wir in unserer Trainingsgruppe zurücklegten, zählte 35 abgespulte Kilometer. Leider schafften wir keine darüber hinausgehende Weglänge, da für solche Trainingsmärsche viel Zeit nötig ist. Wenn man berufstätig ist, bleiben dann auch nur die Wochenenden, welche rar übers Jahr gesät sind, zum Trainieren übrig. Aber gut, viele Teilnehmer werden eine ähnliche Ausgangslage haben. Ein kurzer zweimonatiger Asienaufenthalt, um den kalten Winter in Berlin zu überbrücken, machte uns Trainings-technisch einen weiteren Strich durch die Kilometerrechnung. Insgesamt knackten wir dreimal die 30 km Grenze. Dabei kamen wir mal schleichend und schmerzverzerrt ins Ziel, ein anderes Mal erreichten wir das Ziel glücklich, zufrieden und aufrecht gehend. Zwischenzeitlich kam immer wieder die Frage auf: „Warum machen wir das überhaupt?“ 100 km fährt man mit dem Auto oder mit dem Zug aber geht sie nicht zu Fuß. Und wer kam bitte schön auf diese seltsame Idee? Wir wissen es nicht. Und werden es auch nicht mehr erfahren. Nein, die Sehnsucht nach Abenteuer und die Möglichkeit seine Grenzen zu testen, das war der verlockende Ruf.
Aufgrund der Erfahrung der letzten Monate setzten wir uns die 50 km als persönliches Ziel am Tag des großen Marsches. Alles andere empfanden wir für uns als nahezu unmöglich und eine Überschätzung unserer körperlichen Kräfte.

 

Die letzten Tage vor den Mammutmarsch

Mittlerweile war das Wettkampfschuhwerk so einige Mal gewechselt worden. Beim letzten Trainingslauf versagte das Schuhwerk und die schnelle Suche nach einem geeigneten „Wanderschuh“ stand als schwierigkeitsgraderhöhende Zusatzaufgabe auf unserem Vorbereitungsplan. Wir gaben je ein Paar Salomon XA Pro 3D nach ca. 60 km und dem Versuch sie einzulaufen wieder zurück. Der Schuh drückte und machte das Antreten mit ihnen beim Mammutmarsch unmöglich. Schnell musste neues Schuhwerk her. „Die Qual der Wahl“- besser konnte man die Schuh-Situation nicht beschreiben. Die Aufgabe „Wanderschuh“ wurde zufriedenstellend gelöst. Wir hielten den Salomon X-ULTRA für unsere Zwecke als geeignet. Zwar hatten wir nur wenig Gelegenheit die neuen Schuhe einzulaufen, aber letztendlich schenkten wir ihm unser Vertrauen.


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Den Tag vor einem solchen Wettkampf sollte man bekanntlich nutzen, um dem Körper noch einmal die bestmöglichen Nähstoffe zuzuführen und ihm erholsamen Schlaf zu gönnen. Das letzte Abendmahl vor dem großen Marsch stand an. Wir dachten uns es wäre eine gute Idee unserem Körper eine ausgewogene und würzige Mahlzeit zu gönnen. Eine ungewöhnlich scharfe thailändische Spezialität stand auf dem abendlichen Speiseplan und brachte unseren Kreislauf in Wallung. Das Essen war so scharf, dass man es kaum genießen konnte. Als der Schwindel einsetzte, wurde uns so langsam bewusst, dass die Idee möglicherweise doch nicht so gut war, wie anfangs gedacht. Die Quittung für diese leichtsinnige Essenswahl bekamen wir mit nächtlichem Durchfall auf der Toilettenschüssel präsentiert. Die Entscheidung als letzte Speise vor dem Wettkampf ein feuriges Thai Gericht einzunehmen, kam der Idee gleich einen Trainingslauf barfuß über Scherben oder glühenden Kohlen zu absolvieren. Getreu dem Motto: was uns nicht umbringt, macht uns stark. Das war aber der falsche Weg, wie wir jetzt wissen. Eine bekömmliche Speise, die die Kohlenhydrat Speicher auffüllt und nicht künstlich entleert, wäre durchaus sinnvoller gewesen.

 

Der große Tag war gekommen

Am 14. Mai war es dann soweit und der Mammutmarsch konnte beginnen. Angekommen am Sportzentrum Erkner ging es nach einer kurzen und schmerzlosen Anmeldung auch gleich los. Wir traten als Team, bestehend aus drei wanderlustigen Mädels, in der zweiten Startgruppe um 16 Uhr Ortszeit an.

Zuvor entschieden wir uns unsere Pausen und Verpflegungsübergaben selber zu koordinieren, da die erste Übergabe mit den selbst gepackten Verpflegungsbeutel im Rahmen des Gepäcktransportes des Veranstalters erst bei 44 km veranschlagt war. Das war uns zu weit. Wir benötigten schon vorher unseren Verpflegungsnachschub, um die verbrauchte Energie wieder aufzufüllen.Unsere Pauseneinteilung lag bei 15 km – 30 km – 40 km – 44 km (Streckenposten 2) – 50 km – 59 km (Streckenposten 3) Die Koordination der übrigen Pausen ließen wir erst einmal offen.Los ging es! Die ersten Kilometer machten großen Spaß. Wir waren super motiviert und das Wetter spielte auch mit. Obwohl wir wussten, was uns in einigen Kilometern erwarten würde, dachten wir nicht an die bevorstehenden Qualen und versuchten frohen Mutes Schritt vor Schritt zu setzen. 

In der ersten Pause bei Kilometer 15 hatte das erste Teammitglied leider schon mit den ersten Blasen am Fuß zu kämpfen. Dank der mitgeführten Blasenpflaster alles kein Problem, da diese unerwünschten Blessuren damit richtig versorgt und so wunderbar der Lauf fortgesetzt werden konnte. Ab Kilometer 16 erreichten wir dann den ersten offiziellen Versorgungsposten vom Veranstalter. Es gab kaltes Wasser, Milchbrötchen, Salzstangen, Bananen und Müsliriegel als kleinen Snack, um die Reserven wieder aufzutanken. Wir füllten unsere Wasserflaschen auf, griffen uns die dort angebotenen Snacks und setzten den Marsch in Richtung Kilometer 30 fort.

Bei Kilometer 30 angekommen, gab es von unserem treuen Begleiter Ryco, der mit dem Auto zu den ausgemachten Pausenpunkten kam, einen heißen Kaffee zum Aufwärmen. Frische Socken plus weitere Blasenpflaster für die Füße gönnten wir uns zur Linderung der Schmerzen. Nach kurzer Stärkung und Lockerung der Muskulatur ging es weiter. Das nächste Etappen Ziel, die 40 Kilometer, ganz fest im Wesir. Mittlerweile hatte die Nacht mit ihrem treuen Begleiter der Dunkelheit den Tag abgelöst. Es wurde Zeit für unsere Stirnlampen, denn ohne diese wäre die Wanderung über die dunkeln Feld- und Waldpfade nicht möglich gewesen. Auch durch Dörfer und schmale Gassen ging es beim nächsten Streckenabschnitt. Wir durchquerten einen sandigen Feldweg. Der aufgewirbelte Staub der Vorderleute erschwerte das Weiterlaufen. Die einsetzenden Schmerzen an Fuß, Rücken und Oberschenkeln rückten sich langsam aber sicher in den Vordergrund. Es fiel uns schwer nicht an die körperlichen Leiden zu denken. Man musste zudem aufpassen, dass man aus Unachtsamkeit nicht mit den Füßen umknickte. Es war ein Drahtseilakt sich auf das Laufen zu konzentrieren aber wiederum nicht ans Laufen zu denken. Kilometer für Kilometer spulten wir ab. Die nächste Pause war in Sicht. Das Auto stand am vereinbarten Treffpunkt bei Kilometer 40 bereit. Auf einer Decke nahmen wir am Straßenrand Platz und streckten die Füße in die Höhe. Wie die Käfer lagen wir auf dem Rücken. Die Schmerzen waren das erste Mal fast unerträglich und auch die Kälte machte uns sehr zu schaffen. Wir wussten, wir müssten noch ein wenige durchhalten. Ein wenig mehr. Der zweite von vier Streckenposten war aber nicht mehr weit entfernt. Unser gemeinsamer Wille war stark. Weiter!

 

Der erste große Streckenposten: 44 km

Nach 44 km kamen wir mehr oder weniger an die körperlichen Grenzen. Am zweiten Streckenposten musste unser Team eine Entscheidung fällen. Aufgeben und die Urkunde mit den dokumentierten 44 absolvierten Kilometern entgegennehmen oder sich bis 59 km zum nächsten Ausstiegspunkt schleppen? Jetzt auszusteigen wäre keine Schande gewesen. Hunderte andere Wanderer täten uns dies gleich, denn die Haltestelle für den Busshuttle zum nächsten Bahnhof war bereits überfüllt. Oder eben doch einfach weiter laufen? Der dritte Versorgungspunkt lag bei 59 km, diese müssten wir auch erst einmal erreichen. Wir liefen weiter.


Die folgenden acht Kilometer waren eine Qual. Unsere Schritte wurden immer kleiner und langsamer. Die Kälte bohrte sich in unsere Gelenke. Keine Bewegung war jetzt mehr schmerzfrei. Wir benötigten für das Zurücklegen dieser Distanz fast zwei Stunden. Hinzu kam, dass wir unterwegs über Facebook erfuhren, dass der Mammutmarsch angeblich abgebrochen sei. Was? Wieso? Warum?

Das offizielle Statement des Veranstalters auf Facebook:„Es tut uns sehr leid euch mitteilen zu müssen, dass wir den Mammutmarsch letzte Nacht aus Sicherheitsgründen abbrechen mussten. Am Posten in Bruchmühle sind mehrere Teilnehmer wegen Kreislaufproblemen behandelt worden und es kam zu mehreren Rettungseinsätzen und einer dadurch ausgelösten Zusammenziehung der Rettungskräfte der Region. Als unser Sanitätsdienst in Rehfelde dann nicht erschienen ist, haben wir beschlossen zur Sicherheit aller Teilnehmer den Mammutmarsch abzubrechen. Es tut uns unglaublich leid, aber wir hoffen, dass wir die verantwortungsvollste und sicherste Entscheidung für unsere Teilnehmer getroffen haben.“ 

 

Ein glücklicher und zufriedener Abbruch

Nach 52 km zu Fuß und der Einstellung unserer persönlichen Bestleistung sammelte uns Ryco mit dem Auto in der Nähe vom Bahnhof Straußberg ein. Wir beschlossen zum naheliegenden dritten Streckenposten zu fahren und uns die Urkunde als kleine Erinnerung abzuholen. Dort angekommen informierte man uns über den Abbruch der Veranstaltung. Oh je! 

Sehr schade für die Teilnehmer, die sich Monate lang auf diesen Tag vorbereitet hatten. Sie standen nun vor der Entscheidung: Abbruch oder auf eigene Gefahr weiter laufen. Zu viele Teilnehmer mussten ärztlich versorgt werden, es gab nicht ausreichend Rettungskräfte.Für uns haben wir den Lauf im Team erfolgreich abgeschlossen und wir sind stolz auf unsere Leistung und das Körpergefühl, das zuvor richtig eingeschätzt wurde.Im Vorfeld haben wir einige Trainingsmärsche bestritten und spätestens nach dem zweiten Trainingsmarsch war klar, dass man die 100 Kilometer nicht so einfach aus dem Hut schütteln kann. Eventuell hätten wir aus eigener Kraft den dritten Streckenposten noch erreicht aber die Signale des Körpers mit Schwindel und Schlechtsein wollten wir nicht einfach überhören.

Wir hatten das große Glück, dass Ryco uns die ganze Zeit parallel mit dem Auto folgte und uns super versorgte. Zwar hatten wir aus Unwissenheit den Gepäcktransport zuvor gebucht aber durch die Erfahrungen im Training entschieden, dass uns die offiziellen Verpflegungsbeutelübergabepunkte bei 44, 59 und 75 km eindeutig zu weit voneinander entfernt waren und wir schon vorher und zwischendurch unsere persönlichen Sachen und Essen Pakete benötigen.

Man benötigt viel Zeit und Willensstärke, die man nicht von heut auf morgen trainiert.
 Jedenfalls war uns dies nicht in die Wiege gelegt. Unsportlichkeit kann man uns auch nicht zu unseren Lasten legen. Wir sind zwar keine Marathonläufer aber Trainingseinheiten im Fitnessstudio liegen auf unserem regelmäßigen Sportplan. Das Fahrrad wird täglich genutzt und trägt uns bei Wind und Wetter zu allen Zielen dieser Stadt. Aber wir haben uns die 100 km nicht zugetraut. Vielleicht lag uns die Gesundheit mehr am Herzen als das Austesten über seine Grenzen hinauszugehen.
 Wir ziehen den Hut vor all die Wanderer, die die 100 km schafften, eine großartige Leistung. Die Entscheidung den Lauf abzubrechen war aus der Sicht des Veranstalters völlig richtig.

 

Der Tag danach

Kurz war die Nacht oder der Morgen danach. Gegen sechs Uhr morgens erreichten wir unsere heimischen Quartiere. So richtig schlafen konnten wir nicht, der Adrenalinspiegel war noch einfach zu hoch. Wir beschlossen gegen Mittag den Schlafversuch abzubrechen. Es wartete ein weiteres Abenteuer auf uns. Der Karneval der Kulturen in Berlin. Bevor wir mit den Fahrrädern zum Straßenfest fuhren, gönnten wir uns eine sehr schmackhafte Pizza. Unsere Körper waren noch ganz gierig auf nahrhaftes Essen. In wenigen Minuten verschlungen wir die runde italienische Teigscheibe. Auf dem Festgeländer trafen wir uns mit Freunden und ließen den Abend heiter ausklingen. Sogar einige Kilometer zu Fuß absolvierten wir bei diesen Feierlichkeiten. Muskelkater oder sonstige Beschwerden hatten wir nicht. Die Beine funktionierten wieder ganz gut und die Schritte waren unbeschwert. Vielleicht waren wir ja doch noch nicht an die hintersten Grenzen unseres Körpers gelangt? Oder hatten wir einfach nur rechtzeitig die richtige Entscheidung getroffen?

Änn & Fränn

 

 

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Der Geist der das Netz spaltet! Snapchat

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snapchat

Kaum ein Medienhaus hat noch nicht über die Foto- und Video-Messenger App mit dem kleinen Geist berichtet. Der Social Media Trend der aktuellen Stunde heißt Snapchat. Das neue große Ding oder doch nur eine Blase?


Seit einigen Jahren besuche ich mehr oder weniger systematisch Veranstaltungen der digitalen Szene und habe ein Gespür dafür, wie analoge und digitale Welt noch viel zu sehr getrennt voneinander betrachtet werden.

In der letzten Woche folgte ich der Veranstaltung mit dem Titel: „Snapchat, Instagram & Co. – die Rolle des Bildes in der digitalen Kommunikation“. Auch hier konnte man dieses Phänomen sehr gut beobachten. Es herrschte Ausnahmezustand im Telefónica BASECAMP. Berghain-ähnliche Zustände spielten sich in der Mittelstraße in Berlin ab. Mit etwas Glück hatten wir es kurz nach 18 Uhr geschafft die Räumlichkeiten zu betreten. Vor Ort tummelte sich so fast jeder, der in der Agentur- oder Marketingwelt etwas zu sagen hat. Jeder wollte dabei sein und filmte mit seinem Smartphone das Szenario und manche veröffentlichten einen sogenannten „Snap“ auf Snapchat. Viele von den anwesenden Ü25 waren keine aktiven Nutzer der App und hatten scheinbar überhaupt keinen Plan was man mit Snapchat überhaupt machen kann. Viel zu laut und nicht wirklich interessant folgten wir der Veranstaltung tapfer bis zum Ende.

Der Mitschnitt der Veranstaltung (26.04.2016): https://www.youtube.com/watch?v=GXQkYhCkSKU

 

 

Eine Woche später folgte das zweite Snapchat Event Happy Snapping am Dienstagabend parallel zur größten digital Messe der re:publica in den Räumlichkeiten von Einhorn, OriginalUnverpackt, und Buzzbird in Kreuzberg. Vielen Dank an der Stelle für die tolle Organisation und die schnelle Antwort von Philip von einhorn auf Snapchat. Die Moderation übernahm Philipp Steuer, Onlineredakteur, Blogger für Internettrends, Berater für Onlinemarketing und selbsternannter Snapchat Experte, der extra aus Köln anreiste. Wer sich näher für Snapchat interessiert der kann sich das kostenfreie Buch „SNAP ME IF YOU CAN“, in dem Philipp (Snapchat: philippsteuer) die Entwicklung von Snapchat genau erklärt und Nachhilfe gibt herunterladen.

 


Im Gegenzug zu der Veranstaltung in der letzten Woche hatten die meisten Anwesenden einen ungefähren Plan davon was man mit der App machen kann. Der größte Teil war scheinbar auch aktiv auf Snapchat. Dies konnte man zum Ende der Veranstaltung an der „In der Nähe“ adden Funktion in der App bemerken. Man konnte unzählige Personen zu seinem Snapchat Netzwerk hinzufügen. Die meisten, wie auch ich, fügten ohne jeglichen Sinn einfach jeden hinzu. Meine Aufgabe ist es nun alle Profile in Ruhe zu sichten und abzuwägen, wer für mich persönlich interessant ist und wer nicht.

Kurz vor halb neun ging es dann endlich los. Die Speaker waren bunt gemischt und wir fühlten uns sehr unterhalten. Wir folgten dem tollen Beispiel zum Thema Stadtmarketing von Ninia LaGrande, Autorin und Moderatorin aus Hannover (Snapchat: ninialagrande). Sie berichtet über Hannover, welches man durch ihr Snapchat Profil neu entdecken kann und welche Orte man in Hannover gesehen haben sollte, fernab des Touristenführers.

Manuel Lorenz, Journalist (Snapchat: hellobild) berichtet für die Bild Zeitung in kleinen persönlichen Geschichten und zeigt, dass die Bild auch anders kann. Abgerundet wurde das Programm von Richard Gutjahr, Journalist und Ü25 (1973 geboren). Er präsentierte vor Ort ein paar beeindruckende Beispiele (Snapchat: richardgutjahr) und machte den älteren Anwesenden Mut, dass es nicht zu spät sei mit Snapchat anzufangen. Noch ist alles neu und man hat die Möglichkeit viel auszuprobieren.

Eigene kleine Geschichten, Public Placement, Skeptiker, Bildungsinhalte per Snapchat aber auch der gehobene Marketingzeigefinger von der Agentur Brandpunkt waren dabei – eine durchaus gelungene Veranstaltungsreihe die ich nur jedem einzelnen, der sich mit Social Media beschäftigt, empfehlen kann.

 

Meine persönlichen Snaps an dem Abend

 

Welche Relevanz hat Snapchat in Deutschland und warum kommt der Hype erst jetzt zu uns?

Kurz zur Geschichte und ein paar Zahlen. Die erste Version von Snapchat erschien 2011 und wurde von drei Studenten der Stanford University gegründet. Kurze Zeit später bot Facebook dem jungen Startup mehr als 3 Milliarden US-Dollar für die Übernahme, doch die Gründer lehnten ab – mutig. Aktuell zählt das Unternehmen mit einer Firmenbewertung von 16 Milliarden US-Dollar zu den wertvollsten Startups der Welt. In den USA gilt Snapchat schon lange als „the next big thing“. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer belief sich im Jahr 2014 auf 200 Millionen. Mehr als die Hälfte der Snapchat-Nutzer ist zwischen 16 und 24 Jahre alt. Snapchat belegte in einem Ranking der Apps mit dem höchsten Wachstum der Nutzerzahl den dritten Platz. Solche Zahlen kann man nicht außer Betracht lassen und sprechen für sich.

Allgemeine Skepsis und digitale Faulheit herrschen nach wie vor an. Typisch Deutsch! Wir sind wie immer vorsichtig und schauen uns Bewegungen erst an bevor wir uns einlassen. Bloß nicht eine App sofort laden und seine E-Mail-Adresse angeben, erstmal abwarten. Bestes Beispiel die Einführung von Google Streetview. Viele hatten Angst und waren sehr skeptisch. Die Folge waren verpixelte Häuser Fronten. Heute ist Streetview nicht mehr wegzudenken.

 

Warum nutzen so viele junge Menschen Snapchat und warum versteht die Generation Ü25 diese App nicht?

Heutzutage herrscht ein Umfeld von faktisch unendlich viel Content. Immer und überall online und immer auf dem aktuellen Stand. Doch gleichzeitig verringert sich aufgrund der Masse an Inhalt unsere Aufmerksamkeitsspanne. Das heißt für den Nutzer, dass er sehr bedacht entscheidet, welche Art von Inhalt er konsumiert. Niemand will etwas verpassen, Snapchat macht es möglich, live dabei zu sein egal wo man sich gerade auf der Welt aufhält und ist im Gegensatz zu Facebook oder Twitter ein viel intimeres Netzwerk, in dem sich die User sicherer und weniger beobachtet fühlen. Somit genau richtig, um neue Sachen zu entdecken.

Hinzu kommt die Benutzerführung der App. Auf den ersten Blick ist die Bedienung für viele Menschen ungewohnt, da es bestehende Verhaltensmuster bricht. Die meisten öffnen die App und sind komplett überfordert. Du machst ein Foto, sendest es an einen Freund und entscheidest, wie lange dein Freund das Bild sehen kann. Danach ist das Bild weg. Für immer! Das ist natürlich auch etwas nervig gerade bei Videos mit Ton – auch das muss man erst lernen. Die Bilder und Videos sind bei Snapchat nicht perfekt, sie zeigen den Nutzer oder die Marke hinter den Kulissen. Lustige immer wechselnde Filter mit Temperatur- oder Geschwindigkeitsanzeige kommen hinzu. Ein absoluter Spaßfaktor und die kurze Haltbarkeit des Contents senkt die Hemmschwelle zur Veröffentlichung.

In sogenannten „Stories“ eine Art Video-Tagebuch, die 2013 eingeführt worden sind, kann man Bilder und Videos präsentieren die nach 24 Stunden automatisch gelöscht werden. Snapchat macht Millionen Nutzer zu Hauptdarstellern und Regisseuren ihrer eigenen Big-Brother Sendung. Die Nutzer werden zu ihren eigenen Paparazzi und entscheiden was sie teilen möchten und was nicht. Die Menschen zeigen sich wie sie wirklich sind und man kann selber entscheiden, wer was sehen darf.

 

Macht es Sinn Snapchat für ein Unternehmen zu nutzen?

Auf jeden Fall! Neben den Beispielen am Dienstag bei der Veranstaltung gibt es viele weitere tolle und informative Profile. Zum Beispiel der Snapchat Account von ProSieben (Snapchat: pro7official). Sechs Tage lang snapchatten aktuell sechs Mitarbeiter aus sechs ProSieben-Abteilungen. Man bekommt Hintergrundgeschichten und interessante Liveberichte in Echtzeit von den unterschiedlichen Produktionen. Sogar das Europäische Parlament hat einen Accout (Snapchat: europarl) mit dem Ziel, den Nutzern einen Blick hinter die Kulissen des EU-Parlaments zu liefern. Jeden Freitag gibt es einen Wochenrückblick, der die Themen der vergangenen sieben Tage auf kreative und unterhaltsame Weise zusammenfasst. Daumen hoch und losgeht es!

Gerade als Unternehmen sollte man sich auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen und sich neuen Kommunikationskanälen nicht verschließen. Natürlich sollte auch klar sein, dass man hierfür Zeit und eine gewisse Strategie benötigt, die nicht sofort ersichtlich ist. Was möchte ich präsentieren und wie? Nur so kann ich meine Zielgruppe bei Laune halten.

Die Mechanik von Snapchat stellt viele Nutzer und Unternehmen vor neuen Herausforderungen, da die Herangehensweise neu ist. Im Gegenzug zu Facebook, Instagram, YouTube und Co können nur die Ersteller die Abrufzahlen der Stories selbst sehen. Es gibt keine für alle sichtbaren Likes und Kommentare und du selbst rückst in den Fokus. Es geht nicht um die Kontrolle, sondern die Bereitschaft Dinge zu teilen.

Des Weiteren gibt es einen Discover Bereich, bei dem beispielsweise National Geographic, Vice, Yahoo, People, Daily Mail, Cosmopolitan oder aber CNN extra für Snapchat aufbereitete Inhalte präsentieren und somit neue Leser gewinnen. Die Qualität unterscheidet sich deutlich von den normalen Stories, da sie viel aufwendiger produziert wurden und äußerst unterhaltsam sind.

 

Was funktioniert am besten?

Natürlich reicht es nicht Inhalte zu kopieren. Jeder einzelne Marketingkanal muss individuell angepasst werden. Muss bei Facebook oder Instagram das Bild und der Text perfekt sein, so zählt bei Snapchat der Moment. Je authentischer, umso besser und größer die Reichweite. Dieses ist kein Trend, sondern eine Entwicklung, die man nicht außer Bedacht lassen kann. Ein spontanes Foto mit einem Filter, eine Zeichnung oder aber ein kurzes Video der Kreativität ist keine Grenze gesetzt und genau das macht es auch spannend.

Persönlich nutze ich die Social Media Kanäle schon seit Jahren sehr aktiv. Kundenpflege und Neukundenakquise passiert bei franzidesign zu 90 Prozent über die neuen Kanäle. Mit Snapchat habe ich die Möglichkeit mich und meine Arbeit authentisch zu präsentieren und mit Kunden überall auf der Welt in Kontakt zu treten. Räumliche Distanz behindert Kreativität. Menschen lieben Geschichten und folgen Menschen. Steifer gesellschaftlicher Umgang oder soziale Konventionen sind in der heutigen Zeit absolut überholt. Jeder kann frei entscheiden, wem er folgt und was er an Inhalt konsumiert. Ich kann selber selektieren, was für mich persönlich Sinn macht und was nicht. Dieser Trend ist absolut spannend und hat mir schon sehr viele Aufträge, die ich sonst nie bekommen hätte, ermöglicht. Je mehr ich mich in Snapchat vertiefe, umso mehr begreife ich meinen persönlichen Nutzen. Snapchat steht für eine neue Generation und ihr Kommunikationsverhalten, der man sich nicht verschließen sollte.

Persönlich folge ich auf Snapchat Fotografen, Künstler und Journalisten, die mir einen Einblick in ihren Alltag gewähren und von denen ich neue Dinge lernen kann. Gerne teile ich auch ein Stück meiner persönlichen Geschichte.

 

Add mich unter dem Namen (Snapchat: franzidesignbln) oder fotografiere meinen Snapcode. Noch bin ich am Anfang, aber ich lerne Tag für Tag dazu und mal schauen, wo die Reise hingeht.

 

 

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2D Logo-Relaunch bei AUDI

Comments (3) Blog, Design, Flat Design, Grafikdesign, Logodesign

Die Automarke MINI hat es im letzten Jahr vorgemacht und setzt auf Minimalismus mit schwarz-weißer Zweidimensionalität. Nach 2001 wurde das Logo von der Digitalagentur KKLD aus Berlin überarbeitet und AUDI zieht nun nach.

 

Quelle: www.bmwblog.com

 

Da offenbar gerade eine gute Zeit für frische Designs ist, hat nun auch AUDI eine Überarbeitung vollzogen. Die letzte Logo Überarbeitung ist noch gar nicht so lange her als AUDI zur IAA 2009 seinen letzten Relaunch vollzogen hat. Das Logo bekam eine dreidimensionale Darstellung (Chrom-Effekt) mit neuem Markenclaim: „Vorsprung durch Technik“ womit AUDI moderner wirken wollte. Die Typografie und die vier Ringe in der Bildmarke wurden von der Agentur MetaDesign überarbeitet.

 

 

Audi_Logo

 

 

Nach nun sieben Jahren gibt es eine Überarbeitung der Vorgängerversion. Bereits im letzten Jahr holte AUDI die Agentur Strichpunkt als neue CI/CD Agentur an Bord. AUDI setzt aktuell auf Flat Design und verabschiedet sich von seinem 3D Effekt. Aus dem bestehenden 3D Logo wurde ein 2D Logo. Die vorherige Komplexität wurde reduziert und das neue Logo wird nun einfarbig dargestellt. Auch hier gilt das Prinzip »weniger ist mehr«.


 

Audi_Logo_neu

 

In Hinsicht auf die ansteigende digitale Entwicklung und die damit verbundene mobile Nutzung von Handy, Smartwatch und weiteren Displays ist die Strategie von AUDI genau der richtige Weg aus der grafisch überladenen Gegenwart in eine funktionale Zukunft. Die Flächen im Logo lassen sich stufenlos auf allen unterschiedlichen Geräten skalieren was sich zum einen positiv auf die Ladezeiten (Ressourcen sparend) und zum anderen auf die einwandfreie mobile Darstellung auswirkt. Im Gegensatz zum alten Logo wirkt das neue Logo sehr klar und reduziert. Flat Design hip oder nicht hip. Minimalismus ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

 

Philipp Brune, Geschäftsführer Strichpunkt: „Im Zuge der digitalen Transformation der Automobilbranche, wird das Interface zum zentralen Träger der Marke. Wir freuen uns sehr, für und mit Audi an der umfassenden Gestaltung des Markenauftritts für alle digitalen Medien von Audi-Apps bis zur Smartwatch, von Displays bis zum Dashboard, arbeiten zu dürfen.“

 

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Was heißt glücklich sein?

Comments (3) Blog, Generation Y, Startup

Quelle: YouTube

Der Anlass meines neusten Blogbeitrags ist das Video von Ben Paul, über den sehr viele große Medien berichteten. Ben ist gerade einmal 24 Jahre alt und ein Studienabbrecher. Er betitelt sich selber als angeblichen Fürsprecher der Generation Y, der auch ich angehöre. Ben vertritt die Meinung, dass man auch ohne Studium beruflich erfolgreich sein kann. Dafür wirbt er in seinem Blog und auf Konferenzen als Sprecher. Er setzt sich für alternative Bildungswege ein und ist Befürworter autodidaktisches Lernen. Doch ist Ben glücklicher als ich mit klassischer Ausbildung und Studium?

Ich tat das, was meine Eltern von mir erwarteten – Abitur, Studium und erste Praktika in Werbeagenturen dann die Selbstständigkeit als freie Gestalterin und zu guter Letzt noch mein eigenes Startup mit Stipendium. Ziemlich beeindruckend sagen jetzt viele. Doch war oder bin ich glücklicher als jemand der fest angestellt ist? Erfahrung habe ich in der Zeit viele gesammelt. Ich arbeitete als freie aber auch feste Mitarbeiterin in Agenturen und kenne somit beide Seiten. Aktuell stehe ich wieder vor der Entscheidung – selber machen oder in ein Unternehmen gehen und sich in ein bestehendes Team integrieren?

Faszinierend an der Startup Welt und das selbstbestimmte Arbeiten ist ganz klar die Dynamik, die an den Tag gelegt wird. Keine stundenlangen Meetings oder Abstimmungen, flache Hierarchien und schnelle Ziele. Man sollte meinen das ideale Ökosystem, um glücklich zu werden. Doch was heißt es glücklich zu sein? Ist glücklich sein nur die selbstbestimmte Entscheidungsgewalt über sich selber zu haben und keine festen Bindungen einzugehen?

Ich bin 32 Jahre und frage mich jeden Tag auf ein Neues, wie meine Zukunft aussieht und wie ich diese lenken kann. Jeden Tag kämpfe ich mit Existenzängsten und muss mir oft anhören, wie einfach und toll es doch sei selbstständig zu arbeiten und sich seine Zeit frei einzuteilen. Hinzu kommen diese vielen Berichte von jungen Menschen wie zum Beispiel auch Ben, die von der grenzenlosen Unabhängigkeit und einem selbst bestimmten Leben predigen. Die absolute Idealvorstellung und Norm von glücklich sein. Was braucht man schon um zu arbeiten? Ein paar Programme und einen leistungsfähigen Rechner und schon geht es los. Egal ob Berlin, Bangkok oder New York, einfach unabhängig machen was man will. Ein Leben im absoluten Minimalismus, ohne Besitz aber mit der Freiheit jeden Tag zu entscheiden was als Nächstes kommt, ohne jede Grenze. Doch ist das so? Ist man wirklich glücklicher, wenn man sich an keinen festen Arbeitgeber bindet? Arbeitet man im Winter mit dem Laptop am Strand besser als vielleicht im kalten Berlin? Ist es heute uncool eine 5-Tage-Woche zu absolvieren und sich an ein festes Team zu binden?

In meinem eigenen Startup votingLAB sind wir durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Wir haben uns riesig gefreut, wenn wir im Unternehmen Fortschritte gemacht haben. Das Team war klein, doch die Fortschritte waren riesig und die Geschwindigkeit war beeindruckend. War ich glücklicher?

In Reflexion auf meine Erfahrung aus dieser Zeit kann ich sagen, dass es bis zu einem gewissen Level funktioniert und ich sehr glücklich war und diese Euphorie von Ben zum Teil nachvollziehen kann! Doch können gerade junge Unternehmer nur schwer mit Stillstand umgehen und das Unglücklich Sein ist somit vorprogrammiert. Aufgrund der Schnelligkeit und des fehlenden Wissens passieren oft Fehlentscheidungen und man wird automatisch unglücklich. Man befindet sich in einem Rauschzustand, der aber irgendwann vorbei ist, wenn die Normalität eintritt.

Gerade als junger Mensch fehlt einem die nötige Erfahrung und Ausdauer. Diese Erfahrung lernt man zum einen durch die Praxis und zum anderen aber durch das nötige Durchhaltevermögen und nicht durch irgendwelche Ratgeberblogs im Internet, die von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit als Wundermittel predigen. Nicht nur Fordern, sondern auch Durchhaltevermögen an den Tag legen und es sich selber beweisen.

Auch ich war oft an dem Punkt in meinem Leben, ab dem ich mich gefragt habe: WIESO, WESHALB und WARUM mache ich dies und jenes? Ich war sehr oft unglücklich und dem Burnout nahe. Mein Durchhaltevermögen hat mich mein Ziel erreichen lassen und ich war danach sehr glücklich. Doch ist das Glück auch nur ein Moment und kein Dauerzustand. Nach einem Tief kommt auch wieder ein Hoch und ohne Tief gäbe es womöglich auch kein Hoch. Sicherlich gibt es Menschen, die kein Studium brauchen, um erfolgreich zu sein und Ihren Weg von allein gehen. Doch pauschalisieren sollte man dieses auf keinen Fall und somit sehe ich viele Aussagen von Ben Paul eher kritisch. Ist man glücklicher, wenn man in einem kleinem Zimmer auf einer Matratze schläft nur, weil man flexibler ist als jemand mit eventuell einem Kind und Hund? Ist jemand mit Festanstellung und fester Struktur unglücklicher?

Das mag ich wohl bezweifeln, denn ich möchte mit Mitte dreißig nicht in einem kleinen Zimmer auf einer Matratze schlafen. Ist man hingegen mit einem eigenen Haus mit Grundstück und Familie glücklicher? Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht, denn jeder Mensch ist anders und der eine braucht Struktur und der andere nicht.

Es gibt eine Person, die mich in den letzten Monaten inspiriert hat. Reiseblogger Patrick Hundt von 101places. Dieser hat im Sommer den Reiseblog (101places.de) gestartet, als er zu seiner persönlichen Weltreise aufbrach. Der Blog zählt zu einem der größten Reiseblogs in Deutschland. Patrick reist seit mehreren Jahren um die ganze Welt und berichtet über seine Erfahrungen und gibt nützliche Reisetipps an seine Leser. Er hatte zwischenzeitlich keine feste Wohnung, er hatte alles aufgelöst. Mit seinem Bog und seinen Berichten ist er sehr erfolgreich.

Am 20. März 2016 kam dann plötzlich der Beitrag „Vom Ende einer Reise“. In diesem Beitrag schildert Patrick seine Erfahrungen. Selbst schreibt er: „Ich wollte nicht zum einsamen Wolf werden, der heimatlos um die Welt zieht.“ Die vielen Reisen veränderten ihn und er hat gemerkt, dass er viele Sachen einfach nur tat, um andere Menschen durch seine Berichte glücklich zu machen. Er wurde trotz der großen Freiheit und finanzieller Unabhängigkeit unglücklich. Es gab eine Erwartungshaltung seiner Leser, die er erfüllen musste. Immer wieder auf ein Neues neue Orte entdecken und berichten. Zum einen war er frei aber zum andern waren viele Beziehungen zu seinen Lesern unbeständig.

Hinzu kommt eine weitere Vorzeige Digitale Nomadin namens Conni Biesalski (planetbackpack.de), die sehr erfolgreich ortsunabhängig lebt und arbeitet. Conni ist Anfang dreißig, wie ich, reist um die Welt und arbeiten dort, wo sie gerade ist. Sie kann von ihrem Business durch ein passives Einkommen sehr gut leben und verdient das Geld fast im Schlaf.

Zuhauf tauschen sich Leute auf ihrem Blog über Erfahrungen und Zukunftspläne des ortunabhängigen Arbeiten und Leben aus und bewundern diese Lebenseinstellung. Doch vergessen viele, dass Conny eine absolute Ausnahme ist. Conny hat im Gegensatz zu Paul das Studium beendet und geht einen Schritt weiter und teilt das Verhalten von Digitale Nomaden in Phasen ein. Jahre lang hat sie Durchhaltevermögen bewiesen und ist durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Sie befindet sich ihrer Meinung nach in der fünften und letzten Phase. Seit dem letzten Jahr lebt und arbeitet sie nun bewusster und kann sich durch ihr passives Einkommen einfach die Zeit nehmen Sachen zu probieren. Ist Conny glücklich?

Mit Interesse verfolge ich die weiteren Stationen und bin gespannt, wo und wie Conny in zehn Jahren lebt.

Doch was macht mich glücklich? Nicht jeder hat das Glück erfolgreich zu werden, da auch harte Arbeit oft nicht ausreicht. Bis zum heutigen Tag bin ich ein absoluter Workaholic. Meine eigenen vier Wände, wo ich zur Ruhe komme, und Sport geben mir die nötige Kraft. Bin ich glücklich mit dem was ich mache?

Ben, Patrick, Conny und noch viele weitere Personen waren der Auslöser für mein persönliches Experiment. Im letzten Jahr entwickelte sich die Vision von einer Asientour mit meiner besten Freundin „Änn“. Mein Stipendium für votingLAB war im Sommer beendet und von Asien aus konnte ich ohne Probleme meine freien Projekte mit dem Laptop im Gepäck erledigen. Änn hingegen konnte sich von der Arbeit freistellen lassen und war von der Idee begeistert. Geplant war somit den Winter 2015/2016 für zwei volle Monate in Asien zu verbringen und digital und frei von dort aus zu arbeiten. Scheinbar einfach, wenn man den vielen Berichten von jungen Menschen im Internet folgt. Somit stand das Ziel fest und wir recherchierten in mühevoller Arbeit über Wochen Reiseziele und planten unsere Asientour, die wir uns fest in den Kopf gesetzt hatten. Thailand – Vietnam – Kambodscha – Malaysia – Singapur und Indonesien standen auf dem Plan.

Ziel war es über kulinarische Erlebnisse zu bloggen, Freunde und Familie an unserem Reiseleben teilhaben zu lassen und parallel von dort aus zu arbeiten. Einfach raus und glücklich sein!

Der Blog (rucksackblog.de) kam super an, wir bekamen Mails, SMS und Nachrichten auf Facebook, die zum Ausdruck brachten, dass den Lesern der Blog gefällt und dass sie den nächsten Beitrag kaum abwarten konnten. Voller Elan nutzen wir jede Stunde, schliefen wenig und besichtigen so viele Attraktionen wie möglich, nur um davon zu berichten und die Erwartungshaltung unserer Leser zu erfüllen. Ein Tempel hier und ein Tempel dort, wir konnten Tempel kaum noch sehen. Entstanden ist ein wundervoller Blog (www.rucksackblog.de), der eine große Resonanz erzielte. Wir konzentrierten uns voll und ganz auf den Blog und berichteten von allen unseren Abenteuern. Doch waren wir glücklich?

In Reflexion kam ich schlussendlich an den gleichen Punkt wie Patrick von 101places. Wir machten andere Leute glücklich, aber unser Glück war oft schwer zu fassen, da wir viele Abendteuer einfach nicht genießen konnten. Nach zwei vollen Monaten kamen wir wieder in Berlin an und alle freuten sich riesig „Änn & Fränn“ live zu sehen. Doch ein paar Wochen später war alles wieder vorbei und der Alltag ging von vorne los.

 

Eins kann ich aktuell sagen: Alleine Arbeiten und die ständigen Existenzängste machen auf Dauer niemanden glücklich. Beständigkeit, Routine und Minimalismus sind für mich elementar, um zu meiner inneren Ruhe zu kommen. Somit möchte ich mich in Zukunft wieder komplett auf die Gestaltung konzentrieren und das in einem festen Netzwerk mit positiv denkenden Menschen um mich herum.
Die eigentliche Reise beginnt erst jetzt! Seit gespannt wie es weiter geht.

 

Was heißt für Dich glücklich sein?
 Teile Deine Gedanken mit mir in den Kommentaren!

 

Zum Abschluss noch ein grandioser Song von Rio Reiser


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Vom Gründen und Scheitern

Comments (2) Blog, Generation Y, Startup

Quelle: Harry G über Start-Up Gschaftler


Meine 10 persönlichen Learnings

Um franzidesign war es die letzten zwei Jahre etwas ruhiger geworden. Der Grund dafür war meine abenteuerliche Reise in die Entrepreneurwelt als CEO und Founder 😉 in Deutsch auch Geschäftsführerin und Gründerin von votingLAB ein IT Startup. In meinen Blogbeitrag Mein erstes STARTUP“ votingLAB (Alpha) hatte ich die ersten Erfahrungen geschildert. Nach genau 12 Monaten Gründungserfahrung an der TU Berlin am Zentrum für Entrepreneurship mit EXIST-Gründerstipendium folgte nach erfolgreichem Pitch (Präsentation) und Businessplan ein Anschlussstipendium an der Beuth Hochschule in Berlin.

Im Januar 2014 begann die Anschlussfinanzierung an der Gründerwerkstatt der Beuth. Die anfängliche Mission war klar, einen geeigneten Ersatz für meinen ehemaligen Mitgründer Martin (CTO, zu Deutsch technischer Leiter oder technischer Geschäftsführer) zu finden, der das Team perfekt ergänzt und den fehlenden Posten ersetzen kann. Alle möglichen Quellen, Kontakte und Veranstaltungen wurden durchsucht und besucht und wie durch ein Wunder entstand ein Kontakt, der die Zukunft von votingLAB veränderte. Ungefähr einen Monat intensives Netzwerken hatte es gedauert, bis ich einen Anruf bekam und es folgte ein Bewerbungsgespräch.

Die anfängliche Schockstarre aufgrund der ungünstigen Startbedingungen ohne Mitgründer löste sich langsam und der Alltag begann. Nach einem Monat Einarbeitungszeit und Kundenaufträgen begannen wir im Mai 2014 mit der eigentlichen Entwicklung. Das alte Konzept der Entscheidungsplattform wurde komplett überarbeitet und wir entschieden auf Grund unserer Analyse votingLAB, als Feedback App weiterzuentwickeln. Es folgten 16 Monate Stipendium mit eigenem Büro und gesichertem monatlichen Einkommen an der Gründerwerkstatt (Schöneberg). In dieser Zeit haben wir es geschafft zu zweit votingLAB komplett mobil auszurichten.

Seit Anfang 2015 ist votingLAB als App für Android und iOS (iPhone) im App Store erhältlich. Darauf sind wir sehr stolz. Doch leider blieb der große finanzielle Erfolg aus. votingLAB wird zwar weiter entwickelt und als Portfolio-App weitergeführt, doch leider können wir von der App nicht leben und somit nicht Vollzeit an der Weiterentwicklung arbeiten.

Laut Statistik kann man grob sagen, dass es nur ein Startup von zehn schafft und wir ganz klar zu den gescheiterten dazuzählen. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig und oft gibt es nicht „den“ einen Grund, sondern eine Kombination aus verschiedenen ungünstigen Faktoren. Die Folge meiner Gründungserfahrung waren unendlich viele Learnings (Erfahrungen) in dieser Zeit.

 

Meine Learnings kurz zusammengefasst:

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Learning 1: Der Markt und das Alleinstellungsmerkmal

Ein tolles Team und eine tolle Idee reichen einfach nicht aus, wenn kein geeigneter Markt vorhanden ist. In unserem Fall sind die beiden Monopolisten YELP (früher Qype) und Foursquare gnadenlos an uns vorbeigezogen, denn die schönste Idee ist vor Nachahmung nicht sicher. Wir hatten unendlich viele Ideen, doch leider waren wir oft zu langsam aufgrund fehlender Manpower. Wir haben uns von Anfang an viel zu klein fokussiert, denn ein Netzwerk nur europaweit zu denken, ist einer der größten Fehlentscheidungen, die man begehen kann.

 

 

11393272_1250535284972010_2395677629770857764_nLearning 2: Das Team

70 % der Startups scheitern schon am Team, zu dem ich mich statistisch nun auch dazu zählen kann. Bei meinem ersten (aktiv beteiligten) Startup wecide an der TU Berlin musste ich diese bittere Erfahrung erleben. Fehlendes Vertrauen, Machtgehabe und das fehlende Übertragen von Verantwortung machten es unmöglich ein Unternehmen aufzubauen. Aber auch fehlende Kompetenzen im Team sind oft Indikatoren – technisches Know-hows allein reicht nicht aus.

 

 

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Learning 3: Unausgereiftes Geschäftsmodell und fehlende Skalierbarkeit

Am Anfang ist man voller Euphorie und schiebt geeignete Modelle und Strategien für Einnahmen vor sich hin. Werbeeinblendungen sind ein schönes Zusatzgeschäft, aber sollte man diese nicht als funktionierendes Geschäftsmodell anvisieren. Die Bereitschaft für die App Geld zu bezahlen war in unserem Fall sehr gering. Spätestens wenn die Idee marktreif ist und man immer noch nicht ein geeignetes Modell gefunden hat, sollte man aufwachen.

 

 

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Learning 4: Die Finanzierung

Ein Stipendium ist wunderbar, doch geht auch dieses irgendwann zu Ende. Eine Anschlussfinanzierung dauert in der Regel mindestens 6 Monate. Auch Gründer können nicht nur von Luft und Liebe allein leben. VC (Risikokapital) macht nur Sinn, wenn man bereit ist etwas von seinem Kuchen abzugeben. Die Option einen oder mehrere Business Angels (ein erfahrener Unternehmer, der angehende Gründer mit finanziellen Mitteln und Praxiserfahrungen unterstützt) in das Team zu holen, ist nur von Vorteil, wenn diese das Team durch nötige Kompetenzen unterstützen können.

 

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Learning 5: Wir machen das neue Zalando. Kennen sie Doodle?

Viele Gründer vergleichen sich gerne mit großem Beispiel Marken oder anderen erfolgreichne Startups.
Warum vergleichen, wenn man doch innoativ und neu ist? Nein, es kennt nicht jeder Doodle! Es gibt Menschen da draußen, die nicht ständig online sind. Menschen, die nicht bei Facebook registriert und auch nicht alle 10 Minuten per Push-Nachricht die neusten Informationen auf ihr Smartphone bekommen.

 

Learning 6: Work hard – play hard.

In Berlin kann man eigentlich den ganzen Tag auf Events verbringen. Frühstücksmeetup, Mittagstalk, Tech Mettup am Abend mit Pizza und Bier oder aber ein Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“ ist eine kollaborative Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung zu einem bestimmten Thema) am Wochenende. Viele unwichtige Personen treiben sich auf diesen einschlägigen Events rum und stehlen einem oft die kostbare Zeit. Nicht jedes Event macht Sinn. Play Hard ist wohl eher die Ausnahme.

 

 

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Learning 7: Startups und die Rechtslage

Wer vertraut schon gerne einem jungen Unternehmen mit rechtlichen Grauzonen statt einer etablieren Beratungsagentur, gerade wenn es sich dann auch noch um sensible Daten handelt? Unsere erfolgreiche Implementierung einer komplexen Mitarbeiterumfrage für TUI.com lief zwar sehr gut, aber leider war das Thema Datenschutz und das Vertrauen in Onlinetools 2013 etwas schwierig. Viele Startups operieren ungewollt in juristischen Grauzonen, verursacht durch die Neuartigkeit des Angebots, das es häufig in der Form noch nicht gibt. Rechtliche Rahmen müssen oft erst gefunden und angepasst werden. Etablierte Unternehmen sollten Startups eine Chance geben mit ihnen zusammen Dinge zu entwickeln.

 

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Learning 8: Die App-Store Einreichung

Eines der größten Probleme, mit denen wir zu kämpfen hatten, war die Einreichung unserer App in den unterschiedlichen AppStores. Für Android der Google Play Store, der relativ umständlich funktioniert und nach ca. 4 Stunden ist App zum Download bereit. Für iPhone hingegen ist dieser ganze Prozess etwas komplizierter. Man reicht die App in den iTunes Store ein und muss dann auf die Prüfung der App von Apple warten. In unserem Fall bekamen wir nach ca. 20 Tagen einen Anruf aus Amerika, wo wir nun ganze 30 Minuten am Telefon Rechenschaft zu votingLAB ablegen mussten. Eine absolute Katastrophe, da wir in dieser Zeit keine Marketingmaßnahmen planen konnten. Hinzu kommen monatliche Updates mit Produktverbesserungen, die jedes Mal von neuem von Apple überprüft werden. Die Wartezeit lag bei uns im Durchschnitt zwischen 7 und 14 Tagen. Die Review-Zeit (Einreichungen von Verbesserungen oder Fehlerbehebung) hingegen bei nur wenigen Stunden. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Learning 9: Marketing

Von Anfang an war votingLAB  eher Produkt- und Funktionsgetrieben, wir wollten die perfekte App veröffentlichen. Marketingmaßnahmen haben wir nebenbei betrieben. Die Folge: Ein bisschen Facebook und Twitter reichen einfach nicht aus und können keinen professionellen Vertriebs- oder Marketingmenschen ersetzen. Marketing und Analyse muss von Anfang an Vollzeit betrieben werden. Nebenbei mögliche Marketing oder Vertriebsstrategien zu entwickeln ist nahezu unmöglich. Selbst das beste Produkt verkauft sich nicht von selbst. Das Vertrauen der Zielgruppe zu gewinnen, bedeutet viel Zeit und Arbeit.

 

 

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Learning 10: App-Entwicklung und Geld verdienen

Der App Markt ist vollkommen übersättigt und unübersichtlich. Unzählige gute Apps tummeln sich in der Appstores und warten auf einen Download. Leider gibt es nur sehr wenige Erfolgsgeschichten, die es bewiesen haben, dass man mit einer App Geld verdienen kann. Bei uns blieb der große Download Erfolg nach der Markteinführung aus. Namen wie Instagram, Snapchat, Tinder, WhatsApp kennt jeder, diese sind wachstumsorientiert und laufen klassisch sehr lange ohne Umsätze und Gewinn. Oft haben diese Unternehmen kein klares Geschäftsmodell und fangen mit den Gedanken über die Monetarisierung der Apps erst an, wenn eine bestimmte Verbreitung bereits erreicht wurde und diese sind absolute Ausnahme Unternehmen. Unsere Erfahrung der letzten zwei Jahre: es herrscht nach wie vor eine App-Müdigkeit. Die Realität sieht nämlich anders aus! Schaut man sich sein persönliches Nutzungsverhalten an, wird man sehr schnell feststellen, dass man selbst nur einige wenige Apps täglich nutzt. Hinzu kommen enorme Barrieren für Anbieter, die Apps für die unterschiedlichen Geräte (Android, Windows, Blackberry, Apple) anzupassen und in den unterschiedlichen Appstores einzureichen und zu pflegen. Und zu guter Letzt der Nutzer, der den kleinsten Bug (Fehler) nicht verzeiht und die App sofort von seinem Smartphone löscht und nie wieder installiert.


 

Niemand hängt einen Misserfolg gerne an die große Glocke. Scheitern kann aber auch gute Grundlage für den zukünftigen Erfolg sein. Meine Erfahrungswerte der letzten Jahre sind eindeutig wertvoller als so manches Masterstudium. Meine Entscheidung zu Gründen habe ich keinen einzigen Tag bereut. Viele Entscheidungen würde ich heute anders treffen, aber gründen würde ich immer wieder.


 

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