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Mein ganz persönlicher Rückblick 2017 (#2)

Comments (2) Blog, Erfahrungen, Rückblick, Rucksackblog


Hallo, ich bin Hochsensibel
Mein Leben ist eine Achterbahnfahrt. Bloß keine Pause, bloß nicht zur Ruhe kommen und bloß nicht scheitern. Schneller, höher, weiter. Das Größte ist mir nicht groß genug und das Schnellste ist mir nicht schnell genug. Ich könnte an dieser Stelle über so viele überwältigende Themen aus dem Jahr 2017 berichten, doch wo fange ich an? Was war meine größte Entwicklung? Was meine stärksten Themen? Sind es Themen wie Yoga, Persönlichkeitsentwicklung, Lauferfahrungen, Konferenzen, Seminare oder aber fachliche Themen wie meine Snapchat Spectacles, der Bitcoin Boom, KI (Künstliche Intelligenz), Google Updates, Chatbots, Voice UI oder mein Steckenpferd UX/UI?

Heute ist der 19. Dezember 2017 und ich schreibe die ersten Zeilen von meinem Jahresrückblick nieder. Drei Worte fassen mein Jahr sehr gut zusammen: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Wenn ich nicht gerade gearbeitet habe, waren Yoga, Meditation und regelmäßige Läufe meine ständigen Begleiter.
Das Jahr fing mit einem einmonatigen intensiv Coaching mit Laura Malina Seiler (Rise Up & Shine University) an, was mein Leben grundlegend veränderte. Ich beschäftigte mich seitdem ausgiebig mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung. Mein Alltag und meine Denkmuster haben sich seit dem grundlegend verändert. Doch das soll heute nicht das Hauptthema sein. Was bewegte mich 2017 und was möchte ich mit der Welt teilen?

Neben meiner Festanstellung als UX/UI Designerin arbeite ich seit fast zehn Jahren als freie Kommunikationsdesignerin unter dem Namen franzidesign. 2017 war beruflich ein bewegtes Jahr. Zwei freie Projekte mit denen ich Erfolge erzielte, vielen Dank für das Vertrauen meiner Kunden an dieser Stelle, aber auch zwei Projekte die gescheitert sind. So ist nun mal das Leben, es dreht sich immer weiter und auf jeden Fall eine weitere Lektion für das neue Jahr: „Vorsicht bei der Zusammenarbeit mit bestimmten Kundengruppen oder Dienstleistungen.“ Fazit für 2018: Endlich wieder mehr Projekte in denen ich mich und meinen eigenen Stil verwirklichen kann, Projekte die Spaß machen.
Seit Mai 2016 arbeite ich Vollzeit an einem neuen Projekt, dass im Mai dieses Jahres online gegangen ist. Es folgte die Festanstellung als Lohn und Vertrauen in meine Arbeit. Das aktuelle Projekt war nach meinem Startup votingLAB das nächste große Projekt, was durch die Decke gehen sollte. Doch alles kam wieder anders als geplant. Das Projekt wurde im Herbst auf Eis gelegt. Aktuell will und kann ich an dieser Stelle nicht näher auf das Thema eingehen, da es zu komplex und nicht öffentlich geteilt werden darf.
2017 war ein Jahr mit vielen Hürden die ich mit Bravur gemeistert habe und auf die ich stolz bin. Egal ob fachliche Qualifikation oder privat war es ein herausragendes Jahr.
Im November gab es die verdiente Auszeit für meine Mühen. Vier Wochen Rundreise durch Myanmar, um an meinem Herzensprojekt dem Rucksackblog (www.rucksackblog.de) weiter zu arbeiten und neue Kraft für das kommende Jahr zu tanken. Grandiose Eindrücke, die ich nie vergessen werde.

Nach vier Wochen reisen kam ich nach Berlin zurück. Ich funktionierte von Null auf Hundert, alles war beim Alten. Neues Projekt mit einem neuem Team, doch irgendetwas war anders bei mir.
Im Dezember kam dann die Abrechnung und mein Körper streikte. Beim IKEA Besuch nach dem Büro überkam mich ein plötzlicher Panikanfall. Von einer Sekunde auf die nächste stand ich mit meinem Einkaufskorb mitten in der Menge. Mir war alles zu viel, die Geräusche wurden immer lauter und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und musste das Gebäude verlassen. Ich hatte panische Angst nicht mehr zu funktionieren. Ich hatte die Kontrolle über mich verloren – alles war mir zu viel.
Trotz Anfall bin ich weiter ins Büro gegangen, alles funktionierte tadellos und niemand bemerkte etwas doch die Situation verschlimmerte sich. Ab diesem Zeitpunkt habe ich in vielen Situationen Geräusche intensiver wahrgenommen, war gestresst, konnte keinen klaren Gedanken fassen und war gereizt. Ich hatte panische Angst jeden Moment umzukippen und die Kontrolle über mich zu verlieren. Es gab keinen anderen Ausweg, ich musste zum Arzt. Die Diagnose: F-48.O.G. In der Gesellschaft auch verbreitet unter dem Namen „Burnout“ Syndrom. Blutbild, EKG und drei Wochen Büroverbot und Abstand von der Arbeit.
Ich wurde in meinem Leben noch nie, so lange krankgeschrieben. Mit 34zig mein zweites Burnout? Wo ist meine Lebensfreude geblieben? Hatte ich im November doch erst vier Wochen Jahresurlaub und bin nach zwei Wochen Büro ausgebrannt? Die Worte der Ärztin: „Ihr Zustand ist aktuell nicht tragbar!“ Ich war fassungslos und brach zusammen.

Die Reaktionen aus meinem Umfeld: Burnout?

… aber wo hast du den Stress?
… aber hast du etwa private Probleme?
… aber du hast doch eine Festanstellung.
… aber du hast doch Geld für deine Leistung bekommen.
… aber du hast doch kein Risiko.
… aber du bist doch noch jung.
… aber du arbeitest doch nicht schwer körperlich.
… aber, aber, aber…

Niemand versteht mich. Wirklich niemand? In der heutigen Leistungsgesellschaft hat doch jeder Zweite Burnout. Ein Trend, eine Modeerscheinung. Dabei arbeite ich in meinem absoluten Traumberuf, der mich erfüllt. Nicht eine Sekunde würde ich über einen anderen Beruf nachdenken. Jeden Monat ein geregeltes Einkommen, keine privaten oder familiären Probleme, kein Risiko.
Warum Burnout und warum gerade ich? Ich habe lange überlegt, ob ich das Thema mit der Welt teilen und die Schwäche zugeben sollte. Doch warum soll der Mensch nicht Mensch sein und seine Schwächen zeigen und seine Erfahrungen teilen? Vielleicht gibt es Menschen denen ich helfen kann. In meinem Studium und der parallelen Selbstständigkeit hatte ich zuvor schon Mal ein Burnout. Aus dem letzten Burnout hatte ich viel gelernt, ich wurde achtsamer zu mir und habe mich wieder auf meine wirklichen Ziele fokussiert. Mein Körper zog die Notbremse und ich lernte aus meinen Fehlern.
Diesmal steckte ich wieder im Arbeitsmodus fest und ich hatte alles andere um mich vergessen. Eine Aufgabe nach der nächsten, einfach funktionieren dabei hatte ich vergessen, worauf es wirklich im Leben ankommt – nämlich mich selbst. Entweder mache ich so weiter wie zuvor bis ich irgendwann wieder zusammen breche oder ich höre auf meinen Körper, nehme die Signale ernst und bin endlich achtsamer mit mir.


Was war der Auslöser?
Vor über 1,5 Jahren habe ich mich nach meiner langjährigen Selbstständigkeit für eine Festanstellung entschieden. Warum? Weil mich das aktuelle Thema begeistert. Ich hatte mit meinem Startup votingLAB an der TU Berlin und danach an der Beuth Hochschule an einer ähnlichen Thematik gearbeitet. In dem Projekt hatte ich nun endlich ein großes Team mit ganz anderen Möglichkeiten, als wir uns es damals in unserm Team erträumt hätten. Am Anfang war es eine große Umstellung von der permanenten Erreichbarkeit, ohne geregelten Urlaub und Krankheit in die Festanstellung mit geregelten Arbeitszeiten – ein Traum. Ich hatte wieder Zeit für mich doch mit dem Druck wuchs auch mein Fokus. Ich konnte an nichts anderes außer Arbeit denken.

Im Mai diesen Jahres wurde das neue Produkt der Welt präsentiert, der große Erfolg blieb aus. Es war ein beruflichen Rückschlag. Das Projekt war mein Lebensfokus und nun wurde es auf Eis gelegt. Gehen sie zurück auf Los. Die Situation war ein Rückschlag für meine Arbeit des letzten Jahres. Projekt „Zurück auf Los“ scheiterte, ich war machtlos. Ich hatte mich für eine andere Vision anstellen lassen und nun ist alles vorbei? Wie eine bunte Seifenblase, die platzt. Festplatte gelöscht.


Hochsensibel und Burnout

Voller Herzblut steckte ich all meine Energie in das neue Projekt doch es scheiterte. Auf meiner einmonatigen Reise durch Myanmar hat mein Körper das Jahr verarbeitet. Er ist durch die Ablenkung runtergefahren. Stopp! Bis hier hin und nicht weiter. Er hat sich gegen die Situation gewährt. Die Ampel schaltete auf Rot.
Durch die Persönlichkeitsentwicklung habe ich dieses Jahr den Grund gefunden. Warum ist mein Leben eine Achterbahnfahrt? Warum komme ich einfach nicht zur Ruhe und muss immer nach der Perfektion streben? Aufmerksam bin ich durch unzählige Artikel, Blogs und Videos im Internet geworden. Im Laufe des Jahres habe ich durch Workshops und Seminare festgestellt, dass ich Hochsensibel bin und eine andere Wahrnehmung auf die Umwelt habe als die meisten anderen Menschen um mich herum. Ich beschäftigte mich immer tiefer mit dem Thema. Die Beschreibungen und Erfahrungen von betroffenen Personen sind wie ein Spiegel meiner Seele. Endlich Menschen die mich verstehen. In den letzten Monaten wurde sehr viel über das Thema hochsensible Menschen berichtet. Nein, dass ist kein Trend Thema und auch keine neue Modekrankheit. Laut Statistik sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel. Es ist eine angeborene, geschlechtsunabhängige und genetisch bedingte Form von Intelligenz, also eine spezifische Ausprägung von Hochbegabung. Hochsensible Menschen sind besonders kreativ, empathisch und innovativ. Ich nehme mich und meine Umwelt intensiver wahr. Hochsensible Personen grübeln viel und weinen häufiger. Ich erkenne Fehler häufig schneller als andere und habe eine hohe soziale Kompetenz, die vielen manchmal auch einfach zu viel ist. Ich kann mich gut in andere hineinversetzen, reflektiere öfter als andere. In bestimmten Fällen kann es hinderlich aber auch förderlich sein, wenn man weiß, dass jemand diese Eigenschaft besitzt. Wird das Potenzial erkannt, ist es sehr effizient, wenn nicht dann leiden hochsensible Menschen stark. Kreative Personen benötige Freiraum, um frei zu denken und kreativ zu sein. In meinem Berufsfeld ist das noch relativ einfach, da mein Beruf von den meisten Menschen als kreativ wahrgenommen wird. Viele andere hochsensible Personen haben es da schwerer.


Video: Hochsensible Menschen – Fühlen ohne Filter

Dauer: 5 Minuten, 
https://www.zdf.de/verbraucher/volle-kanne/hochsensible-menschen-102.html


Hochsensibel? Wie wirkt sich das auf das Umfeld aus?
Hochsensibilität ist schwer erkennbar. Viele Betroffene sind sich der Eigenschaft nicht bewusst und auch gern verdrängt wird. Bis vor ein paar Monaten wusste ich auch noch nicht, dass ich hochsensibel bin.


Es gibt verschiedene Indizien, die auf Hochsensibilität hinweisen können: 

  • Besonders kreatives Potenzial
  • Unkonventionelles Denken
  • Blick über den Tellerrand
  • Differenzierte Aussagen
  • Erhöhter Zeitaufwand zur Aufgabenlösung
  • Ausgeprägter Blick für Feinheiten und Details
  • Tendenz zu Perfektionismus
  • Ausgeprägte Intuition
  • Vermögen sich in das Gegenüber hineinzuversetzen
  • Scheinbar schüchternes, zurückhaltendes Verhalten 
  • Häufige Gedankensprünge, Nervosität, Unsicherheit
  • Verstärkte Reaktionen auf Veränderungen

Quelle: https://www.perso-net.de/rkw/Hochsensible_Mitarbeiter


Personen die mich kennen, können das wahrscheinlich so unterschreiben. Seitdem ich es weiß, sehe ich es auch nicht mehr als Schwäche, sondern als Stärke. Es ist eine besondere Wahrnehmungsbegabung. Bilder und Emotionen gehen bei mir schneller in das Unterbewusstsein. Ich nehme die Informationen und Reize intensiver wahr als andere, verarbeite diese tiefer und stellen den Informationsgehalt automatisch in den Kontext ihrer bisherigen Erfahrungen was beruflich von Vorteil ist und den Erfolg von nun fast zehn Jahren franzidesign bestätigt.

Immer komplexer werdende Märkte erfordern dynamische Teams. Hochsensible Mitarbeiter besitzen ein ausgeprägtes Vermögen, Komplexität in einzelnen Facetten zu erfassen, sowie innovative und kreative Ideen zu entwickeln. Wir haben eine ausgeprägte Intuition, mit der wir frühzeitig Strömungen und Trends erkennen können. Wir lesen zwischen den Zeilen und können die unterschiedlichen Perspektiven synchronisieren wodurch neue Produkte und Lösungen entstehen. Wir spüren Defizite schneller auf und können durch unsere Einfühlsamkeit einen großen Beitrag leisten.
Problem nur, dass Empathie und Sensibilität in unseren Breitengraden noch Neuland für Unternehmen ist. Google und Apple haben es schon heute erkannt und fördern hochsensible Mitarbeiter, sie haben das Potenzial für interdisziplinäre Teams erkannt, denn hochsensible Menschen sind besonders kreativ, produktiv und innovativ im Handeln.

Das Jahr 2017 ist nun vollendet so wie die Phönix Tätowierung auf meinem rechten Arm. Ein mythischer Vogel – ein Sinnbild der Wiederauferstehung aus der eigenen Asche. Er verkörpert die Leidenschaft für Dinge zu brennen, zu kämpfen und immer wieder aufzustehen. Ich schätze meine besondere Gabe und sehe das letzte Jahr als große Chance und werde ab jetzt achtsamer mit mir umgehen. Gerade in diesen schweren Phasen lernt man am meisten und wächst über sich hinaus. Nach jedem Tief kommt ein Hoch. Umso größer das Problem oder die Konfrontation, umso größer die Lernkurve. Ich liebe die Herausforderung, ich liebe meine Berufung, ich will mich wieder selbst spüren und freue mich riesig auf die neuen Herausforderungen und das neue Jahr! Ich bin gespannt…

Was sind deine Ziele und Wünsche für das Jahr 2018?

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Mein ganz persönlicher Rückblick 2016 (#1)

Comments (4) Beruf, Blog, Rückblick

 

Ab diesem Jahr habe ich mir fest vorgenommen nun jedes Jahr einen persönlichen Rückblick zu schreiben und meine positiven als auch negativen Erlebnisse in dieser Zeit zu reflektieren sowie meine Erfolge und Misserfolge zu analysieren.
Es ist wichtig mir meine Fehler bewusst zu machen, sie zu akzeptieren, aus den Erfahrungen zu lernen und mich auf neue Dinge einzulassen. Aus Misserfolgen lernt man am meisten, um neue positive Sachen zu erleben und neue Geschichte zu schreiben. Also fange ich an!

 

Es war ein Jahr voller Ereignisse. Bei den meisten wird das Jahr 2016 in keiner guten Erinnerung bleiben. Die Wahl von Donald Trump, Panama Papers, AfD, der BER ist immer noch nicht fertig, Terroranschläge in Brüssel und Nizza, die Strafaffäre Böhmermann, Brexit, Flüchtlingskrise, viele berühmte Persönlichkeiten verließen uns und zum Schluss noch der Anschlag in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt. Doch es war nicht alles schlecht. WhatsApp verschlüsselt seine Nachrichten, endlich kein Flash mehr, YouTube einigt sich mit der Gema, Pokemon Go und das iPhone7.

 

Heute schaue ich auf die letzten 12 Monate zurück und fasse in meinem Jahresrückblick die wichtigsten Ereignisse zusammen. Für mich war es ein sehr spannendes Jahr. Nach über 8 Jahren Selbstständigkeit, die ich ausschließlich der Arbeit widmete, war ich komplett ausgebrannt. Erst Ausbildung dann Studium, Freelancer Tätigkeit in den unterschiedlichsten Agenturen und dann zwei Stipendien mit eigenem Büro und Startup.

Mein Startup „votingLAB“ und die damit verbundene Verantwortung als „CEO & FOUNDER“ hatten sichtliche Spuren bei mir hinterlassen. Die Rakete wollte einfach nicht fliegen und somit stand dann Ende des letzten Jahres fest mit „votingLAB“ abzuschließen. Diese Entscheidung fiel mir sehr schwer. Wer beerdigt schon gerne seinen Traum an dem er hart gearbeitet hat.
Ich war auf der Suche nach meinem persönlichen Sinn im Leben – weniger Arbeit und mehr Bewusstsein, um sich wieder auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentrieren.


War ich ein Idiot, der etwas riskiert hat?
Niemand hat Bock zu verlieren. Wo gehobelt wird, fallen auch Spänne. 
Fuck Up – egal und im Nachhinein war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

 

Ab dem 28. Dezember 2015 nahm ich mir eine Auszeit von zwei Monaten, um nach Asien aufzubrechen. Heute vor genau einem Jahr saß ich mit meiner besten Freundin Änn in Bangkok mit zwei thailändischen Männern am Straßenrand. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Anschließend reisten wir in den nächsten 60 Tagen als Backpacker quer durch Südostasien. Es entstand ein wundervoller Blog (www.rucksackblog.de), in dem wir unsere Reisegeschichten verewigten. In dieser wundervollen Zeit konnte ich endlich neue Kraft tanken und mich nach Jahren der Anstrengung von beruflichen Höhen und Tiefen wieder erden. Thailand, Vietnam, Kambodscha, Singapur, IndonesienMalaysia, viele neue Kulturen und Eindrücke, welche immer in meinen Erinnerungen bleiben werden. Die Reise hat mich nicht nur mental sondern auch geistig sehr weit gebracht. Für diese Entscheidung bin ich sehr dankbar.

Ende Februar wieder in Berlin angekommen, ging es dann weiter mit Yoga, Meditation und der Persönlichkeitsentwicklung, die einen festen Bestandteil meines alltäglichen Lebens geworden sind. Statt die große Freiheit überwiegte auf einmal das Sicherheitsgefühl und ich hatte die Chance mich ausgiebig mit meinen Zukunftsplänen auseinander zu setzen. Selbstoptimierung durch Sport, Meditation, dem Verzicht und Reduktion auf das Wesentliche wurden wichtige Dinge in meinem Leben. Habe ich die Jahre zuvor nur den Körper optimiert, folgte nun Yoga und Meditation, die mich auf ein ganz neues Level gebracht haben. Durch die Achtsamkeit und Meditation kann ich meine Gedanken besser kontrollieren, bin gelassener, kann Dinge bewusster wahrnehmen und ich habe eine höhere emotionale Ausgeglichenheit. Für mich ist es mehr als nur ein flüchtiger Trend. Es gibt mir Raum für neue Impulse, um mich und meinen Geist besser kennenzulernen. Es hat mich und meine Persönlichkeit beeinflusst und ist aus meinen Leben nicht mehr wegzudenken.

Im März und April folgten zwei beruflich träge Monate in denen ich meine Gedanken nun in Taten umsetzen musste. In Asien wurde mir klar, dass ich wieder fest in ein Team arbeiten möchte und mich voll und ganz auf den Bereich UX/UI Design spezialisieren will. Somit entschloss ich mich klassisch zu bewerben. Wie der Zufall es wollte, kam das Angebot bei Testberichte in der Produktentwicklung als UX/UI Designerin zu arbeiten. Das Projekt ist äußerst spannend, die Kollegen sehr nett und wie das Schicksal es wollte, bin ich seit Mai nun fest angestellt. Letztendlich wollte ich mehr Zeit in die Dinge investieren, die mir Spaß machen. Dies ist mir durch den neuen Job gelungen. Immerhin reduziere ich mich von einer 60+ auf eine 40 Stundenwoche und habe seitdem auch wieder mehr Zeit für mich.

 

 

Im Mai stand mein erstes großes sportliches Ereignis 2016 bevor. Beim Mammutmarsch haben wir im Team über 52 km am Stück absolviert. Innerhalb nur weniger Monaten hatten wir uns auf das Event vorbereitet und es mit Bravur gemeistert. Eine Erfahrung, die ich definitiv nicht vergessen werde und vielleicht schaffe ich irgendwann auch die 100 km am Stück.

Der Festival Sommer verlief relativ unspektakulär. Aus zeitlichen Gründen hatte ich es nur auf die Nation und auf das Feel Festival geschafft. So wenige Festivalbesuche wie noch nie in meinem Leben. Dafür schenkte ich dem Berghain meine volle Aufmerksamkeit. Die regelmäßigen Besuche stellten sich als guter Ausgleich dar. Viele tolle Stunden verbrachte ich im Garten und im Rüdersdorfer Biergarten und konnte den Sommer genießen.

Durch den neuen Job und die damit verbundene Anmeldung beim Firmenlauf, dem B2RUN im September, kam eine weitere Challenge auf mich zu und ab Juli begann ich mit dem Lauftraining. Die Folge ist, dass das regelmäßige Joggen aus meinem Leben nicht mehr weg zu denken ist.

 

 

Im Spätsommer kündigte sich als nächstes mein privates Highlight an, eine Segeltour mit meinem Vater. Im hohen Alter von 79 Jahren stand nun endlich der jahrzehntelang versprochene Segelausflug an. Über Monate hatte er das über fünfzig Jahre alte Boot restauriert. Wir ließen das Boot gemeinsam zu Wasser. Es ging für mich das erste Mal auf See. Ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

 

 

Im Herbst ging es dann weiter mit einer neuen Tätowierung am rechten Unterarm. Auch dieser Lebensabschnitt sollte verewigt werden und eine bestimmte Bedeutung bekommen. Ein Phönix, ein mythischen Vogel, der von der Bedeutung nicht besser hätte passen können. Er gilt als Sinnbild der Wiederauferstehung – aus der eigenen Asche und verkörpert die Leidenschaft für Dinge zu brennen, zu kämpfen und immer wieder aufzustehen. Hoffentlich wird dieses Projekt im Frühjahr 2017 vollendet sein. 

Zum Abschluss des Jahres trat ich noch einmal eine große Reise an, um neue Kraft für 2017 zu tanken. Es ging für 17 Tage an die Westküste der USA. Wir starteten in Los Angeles und reisten bis nach San Francisco und wieder zurück. Ein perfekter Roadtrip, um das alte Jahr abzuschließen.

 

Für das neue Jahr wünsche ich mir weniger Angst Sachen falsch zu machen, Sachen anzupacken, einfach machen und mein Leben so zu leben, dass ich es jeden Tag liebe.
Niemanden geht es so gut wie mir (uns) und dafür bin ich sehr dankbar!

 

Wie war Euer Jahr 2016?

 

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Was heißt glücklich sein?

Comments (3) Blog, Generation Y, Startup

Quelle: YouTube

Der Anlass meines neusten Blogbeitrags ist das Video von Ben Paul, über den sehr viele große Medien berichteten. Ben ist gerade einmal 24 Jahre alt und ein Studienabbrecher. Er betitelt sich selber als angeblichen Fürsprecher der Generation Y, der auch ich angehöre. Ben vertritt die Meinung, dass man auch ohne Studium beruflich erfolgreich sein kann. Dafür wirbt er in seinem Blog und auf Konferenzen als Sprecher. Er setzt sich für alternative Bildungswege ein und ist Befürworter autodidaktisches Lernen. Doch ist Ben glücklicher als ich mit klassischer Ausbildung und Studium?

Ich tat das, was meine Eltern von mir erwarteten – Abitur, Studium und erste Praktika in Werbeagenturen dann die Selbstständigkeit als freie Gestalterin und zu guter Letzt noch mein eigenes Startup mit Stipendium. Ziemlich beeindruckend sagen jetzt viele. Doch war oder bin ich glücklicher als jemand der fest angestellt ist? Erfahrung habe ich in der Zeit viele gesammelt. Ich arbeitete als freie aber auch feste Mitarbeiterin in Agenturen und kenne somit beide Seiten. Aktuell stehe ich wieder vor der Entscheidung – selber machen oder in ein Unternehmen gehen und sich in ein bestehendes Team integrieren?

Faszinierend an der Startup Welt und das selbstbestimmte Arbeiten ist ganz klar die Dynamik, die an den Tag gelegt wird. Keine stundenlangen Meetings oder Abstimmungen, flache Hierarchien und schnelle Ziele. Man sollte meinen das ideale Ökosystem um glücklich zu werden. Doch was heißt es glücklich zu sein? Ist glücklich sein nur die selbstbestimmte Entscheidungsgewalt über sich selber zu haben und keine festen Bindungen einzugehen?

Ich bin 32 Jahre und frage mich jeden Tag auf ein Neues wie meine Zukunft aussieht und wie ich diese lenken kann. Jeden Tag kämpfe ich mit Existenzängsten und muss mir oft anhören, wie einfach und toll es doch sei selbstständig zu arbeiten und sich seine Zeit frei einzuteilen. Hinzu kommen diese vielen Berichte von jungen Menschen wie zum Beispiel auch Ben, die von der grenzenlosen Unabhängigkeit und einem selbst bestimmten Leben predigen. Die absolute Idealvorstellung und Norm von glücklich sein. Was braucht man schon um zu arbeiten? Ein paar Programme und einen leistungsfähigen Rechner und schon geht es los. Egal ob Berlin, Bangkok oder New York, einfach unabhängig machen was man will. Ein Leben im absoluten Minimalismus, ohne Besitz aber mit der Freiheit jeden Tag zu entscheiden was als Nächstes kommt, ohne jede Grenze. Doch ist das so? Ist man wirklich glücklicher, wenn man sich an keinen festen Arbeitgeber bindet? Arbeitet man im Winter mit dem Laptop am Strand besser als vielleicht im kalten Berlin? Ist es heute uncool eine 5-Tage-Woche zu absolvieren und sich an ein festes Team zu binden?

In meinem eigenen Startup votingLAB sind wir durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Wir haben uns riesig gefreut, wenn wir im Unternehmen Fortschritte gemacht haben. Das Team war klein, doch die Fortschritte waren riesig und die Geschwindigkeit war beeindruckend. War ich glücklicher?

In Reflektion auf meine Erfahrung aus dieser Zeit kann ich sagen, dass es bis zu einem gewissen Level funktioniert und ich sehr glücklich war und diese Euphorie von Ben zum Teil nachvollziehen kann! Doch können gerade junge Unternehmer nur schwer mit Stillstand umgehen und das Unglücklichsein ist somit vorprogrammiert. Auf Grund der Schnelligkeit und des fehlenden Wissens passieren oft Fehlentscheidungen und man wird automatisch unglücklich. Man befindet sich in einem Rauschzustand, der aber irgendwann vorbei ist, wenn die Normalität eintritt.

Gerade als junger Mensch fehlt einem die nötige Erfahrung und Ausdauer. Diese Erfahrung lernt man zum einen durch die Praxis und zum anderen aber durch das nötige Durchhaltevermögen und nicht durch irgendwelche Ratgeberblogs im Internet, die von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit als Wundermittel predigen. Nicht nur Fordern sondern auch Durchhaltevermögen an den Tag legen und es sich selber beweisen.

Auch ich war oft an dem Punkt in meinem Leben, ab dem ich mich gefragt habe: WIESO, WESHALB und WARUM mache ich dies und jenes? Ich war sehr oft unglücklich und dem Burnout nahe. Mein Durchhaltevermögen hat mich mein Ziel erreichen lassen und ich war danach sehr glücklich. Doch ist das Glück auch nur ein Moment und kein Dauerzustand. Nach einem Tief kommt auch wieder ein Hoch und ohne Tief gäbe es womöglich auch kein Hoch. Sicherlich gibt es Menschen, die kein Studium brauchen, um erfolgreich zu sein und Ihren Weg von allein gehen. Doch pauschalisieren sollte man dieses auf keinen Fall und somit sehe ich viele Aussagen von Ben Paul eher kritisch. Ist man glücklicher wenn man in einem kleinem Zimmer auf einer Matratze schläft nur weil man flexibler ist als jemand mit eventuell einem Kind und Hund? Ist jemand mit Festanstellung und fester Struktur unglücklicher?

Das mag ich wohl bezweifeln, denn ich möchte mit Mitte dreißig nicht in einem kleinen Zimmer auf einer Matratze schlafen. Ist man hingegen mit einem eigenen Haus mit Grundstück und Familie glücklicher? Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht, denn jeder Mensch ist anders und der eine braucht Struktur und der andere nicht.

Es gibt eine Person, die mich in den letzten Monaten inspiriert hat. Reiseblogger Patrick Hundt von 101places. Dieser hat im Sommer den Reiseblog (101places.de) gestartet, als er zu seiner persönlichen Weltreise aufbrach. Der Blog zählt zu einen der größten Reiseblogs in Deutschland. Patrick reist seit mehreren Jahren um die ganze Welt und berichtet über seine Erfahrungen und gibt nützliche Reisetipps an seine Leser. Er hatte zwischenzeitlich keine feste Wohnung, er hatte alles aufgelöst. Mit seinem Bog und seinen Berichten ist er sehr erfolgreich.

Am 20. März 2016 kam dann plötzlich der Beitrag „Vom Ende einer Reise“. In diesem Beitrag schildert Patrick seine Erfahrungen. Selbst schreibt er: „Ich wollte nicht zum einsamen Wolf werden der heimatlos um die Welt zieht.“ Die vielen Reisen veränderten ihn und er hat gemerkt, dass er viele Sachen einfach nur tat, um andere Menschen durch seine Berichte glücklich zu machen. Er wurde trotz der großen Freiheit und finanzieller Unabhängigkeit unglücklich. Es gab eine Erwartungshaltung seiner Leser, die er erfüllen musste. Immer wieder auf ein Neues neue Orte entdecken und berichten. Zum einen war er frei aber zum andern waren viele Beziehungen zu seinen Lesern unbeständig.

Hinzu kommt eine weitere Vorzeige Digitale Nomadin namens Conni Biesalski (planetbackpack.de), die sehr erfolgreich ortsunabhängig lebt und arbeitet. Conni ist Anfang dreißig, wie ich, reist um die Welt und arbeiten dort, wo sie gerade ist. Sie kann von ihrem Business durch ein passives Einkommen sehr gut leben und verdient das Geld fast im Schlaf.

Zuhauf tauschen sich Leute auf ihrem Blog über Erfahrungen und Zukunftspläne des ortunabhängigen Arbeiten und Leben aus und bewundern diese Lebenseinstellung. Doch vergessen viele, dass Conny eine absolute Ausnahme ist. Conny hat im Gegensatz zu Paul das Studium beendet und geht einen Schritt weiter und teilt das Verhalten von Digitale Nomaden in Phasen ein. Jahre lang hat sie Durchhaltevermögen bewiesen und ist durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Sie befindet sich ihrer Meinung nach in der fünften und letzten Phase. Seit dem letzten Jahr lebt und arbeitet sie nun bewusster und kann sich durch ihr passives Einkommen einfach die Zeit nehmen Sachen zu probieren. Ist Conny glücklich?

Mit Interesse verfolge ich die weiteren Stationen und bin gespannt wo und wie Conny in zehn Jahren lebt.

Doch was macht mich glücklich? Nicht jeder hat das Glück erfolgreich zu werden, da auch harte Arbeit oft nicht ausreicht. Bis zum heutigen Tag bin ich ein absoluter Workaholic. Meine eigenen vier Wände, wo ich zur Ruhe komme, und Sport geben mir die nötige Kraft. Bin ich glücklich mit dem was ich mache?

Ben, Patrick, Conny und noch viele weitere Personen waren der Auslöser für mein persönliches Experiment. Im letzten Jahr entwickelte sich die Vision von einer Asientour mit meiner besten Freundin „Änn“. Mein Stipendium für votingLAB war im Sommer beendet und von Asien aus konnte ich ohne Probleme meine freien Projekte mit dem Laptop im Gepäck erledigen. Änn hingegen konnte sich von der Arbeit freistellen lassen und war von der Idee begeistert. Geplant war somit den Winter 2015/2016 für zwei volle Monate in Asien zu verbringen und digital und frei von dort aus zu arbeiten. Scheinbar einfach, wenn man den vielen Berichten von jungen Menschen im Internet folgt. Somit stand das Ziel fest und wir recherchierten in mühevoller Arbeit über Wochen Reiseziele und planten unsere Asientour, die wir uns fest in den Kopf gesetzt hatten. Thailand – Vietnam – Kambodscha – Malaysia – Singapur und Indonesien standen auf dem Plan.

Ziel war es über kulinarische Erlebnisse zu bloggen, Freunde und Familie an unserem Reiseleben teilhaben zu lassen und parallel von dort aus zu arbeiten. Einfach raus und glücklich sein!

Der Blog (rucksackblog.de) kam super an, wir bekamen Mails, SMS und Nachrichten auf Facebook, die zum Ausdruck brachten, dass den Lesern der Blog gefällt und dass sie den nächsten Beitrag kaum abwarten konnten. Voller Elan nutzen wir jede Stunde, schliefen wenig und besichtigen so viele Attraktionen wie möglich, nur um davon zu berichten und die Erwartungshaltung unserer Leser zu erfüllen. Ein Tempel hier und ein Tempel dort, wir konnten Tempel kaum noch sehen. Entstanden ist ein wundervoller Blog (www.rucksackblog.de), der eine große Resonanz erzielte. Wir konzentrierten uns voll uns ganz auf den Blog und berichteten von allen unseren Abenteuern. Doch waren wir glücklich?

In Reflektion kam ich schlussendlich an den gleichen Punkt wie Patrick von 101places. Wir machten andere Leute glücklich, aber unser Glück war oft schwer zu fassen, da wir viele Abendteuer einfach nicht genießen konnten. Nach zwei vollen Monaten kamen wir wieder in Berlin an und alle freuten sich riesig „Änn & Fränn“ live zu sehen. Doch ein paar Wochen später war alles wieder vorbei und der Alltag ging von vorne los.

 

Eins kann ich aktuell sagen: Alleine Arbeiten und die ständigen Existenzängste machen auf Dauer niemanden glücklich. Beständigkeit, Routine und Minimalismus sind für mich elementar, um zu meiner inneren Ruhe zu kommen. Somit möchte ich mich in Zukunft wieder komplett auf die Gestaltung konzentrieren und das in einem festen Netzwerk mit positiv denkenden Menschen um mich herum.
Die eigentliche Reise beginnt erst jetzt! Seit gespannt wie es weiter geht.

 

Was heißt für dich glücklich sein?
Teile deine Gedanken mit mir in den Kommentaren!

 

Zum Abschluss noch ein grandioser Song von Rio Reiser


Das E.I.N. – Prinzip

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Vom Gründen und Scheitern

Comments (2) Blog, Generation Y, Startup

Quelle: Harry G über Start-Up Gschaftler


Meine 10 persönlichen Learnings

Um franzidesign war es die letzten zwei Jahre etwas ruhiger geworden. Der Grund dafür war meine abenteuerliche Reise in die Entrepreneurwelt als CEO und Founder 😉 in deutsch auch Geschäftsführerin und Gründerin von votingLAB ein IT Startup. In meinen Blogbeitrag Mein erstes STARTUP“ votingLAB (Alpha) hatte ich die ersten Erfahrungen geschildert. Nach genau 12 Monaten Gründungserfahrung an der TU Berlin am Zentrum für Entrepreneurship mit EXIST-Gründerstipendium folgte nach erfolgreichem Pitch (Präsentation) und Businessplan ein Anschlussstipendium an der Beuth Hochschule in Berlin.

Im Januar 2014 begann die Anschlussfinanzierung an der Gründerwerkstatt der Beuth. Die anfängliche Mission war klar, einen geeigneten Ersatz für meinen ehemaligen Mitgründer Martin (CTO, zu Deutsch Technischer Leiter oder Technischer Geschäftsführer) zu finden, der das Team perfekt ergänzt und den fehlenden Posten ersetzen kann. Alle möglichen Quellen, Kontakte und Veranstaltungen wurden durchsucht und besucht und wie durch ein Wunder entstand ein Kontakt, der die Zukunft von votingLAB veränderte. Ungefähr einen Monat intensives Netzwerken hatte es gedauert bis ich einen Anruf bekam und es folgte ein Bewerbungsgespräch.

Die anfängliche Schockstarre auf Grund der ungünstigen Startbedingungen ohne Mitgründer löste sich langsam und der Alltag begann. Nach einem Monat Einarbeitungszeit und Kundenaufträgen begannen wir im Mai 2014 mit der eigentlichen Entwicklung. Das alte Konzept der Entscheidungsplattform wurde komplett überarbeitet und wir entschieden auf Grund unserer Analyse votingLAB als Feedback App weiterzuentwickeln. Es folgten 16 Monate Stipendium mit eigenem Büro und gesichertem monatlichen Einkommen an der Gründerwerkstatt (Schöneberg). In dieser Zeit haben wir es geschafft zu zweit votingLAB komplett mobil auszurichten.

Seit Anfang 2015 ist votingLAB als App für Android und iOS (iPhone) im App Store erhältlich. Darauf sind wir sehr stolz. Doch leider blieb der große finanzielle Erfolg aus. votingLAB wird zwar weiter entwickelt und als Portfolio-App weitergeführt, doch leider können wir von der App nicht leben und somit nicht Vollzeit an der Weiterentwicklung arbeiten.

Laut Statistik kann man grob sagen, dass es nur ein Startup von zehn schafft und wir ganz klar zu den gescheiterten dazuzählen. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig und oft gibt es nicht „den“ einen Grund, sondern eine Kombination aus verschiedenen ungünstigen Faktoren. Die Folge meiner Gründungserfahrung waren unendlich viele Learnings (Erfahrungen) in dieser Zeit.

 

Meine Learnings kurz zusammengefasst:

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Learning 1: Der Markt und das Alleinstellungsmerkmal

Ein tolles Team und eine tolle Idee reichen einfach nicht aus wenn kein geeigneter Markt vorhanden ist. In unserem Fall sind die beiden Monopolisten YELP (früher Qype) und Foursquare gnadenlos an uns vorbeigezogen, denn die schönste Idee ist vor Nachahmung nicht sicher. Wir hatten unendlich viele Ideen, doch leider waren wir oft zu langsam auf Grund fehlender Manpower. Wir haben uns von Anfang an viel zu klein fokussiert, denn ein Netzwerk nur europaweit zu denken, ist einer der größten Fehlentscheidungen, die man begehen kann.

 

 

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70 % der Startups scheitern schon am Team, zu dem ich mich statistisch nun auch dazu zählen kann. Bei meinem ersten (aktiv beteiligten) Startup wecide an der TU Berlin musste ich diese bittere Erfahrung erleben. Fehlendes Vertrauen, Machtgehabe und das fehlende Übertragen von Verantwortung machten es unmöglich ein Unternehmen aufzubauen. Aber auch fehlende Kompetenzen im Team sind oft Indikatoren – den technisches Know-hows allein reicht nicht aus.

 

 

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Learning 3: Unausgereiftes Geschäftsmodell und fehlende Skalierbarkeit

Am Anfang ist man voller Euphorie und schiebt geeignete Modelle und Strategien für Einnahmen vor sich hin. Werbeeinblendungen sind ein schönes Zusatzgeschäft aber sollte man diese nicht als funktionierendes Geschäftsmodell anversieren. Die Bereitschaft für die App Geld zu bezahlen war in unserem Fall sehr gering. Spätestens wenn die Idee marktreif ist und man immer noch nicht ein geeignetes Modell gefunden hat, sollte man aufwachen.

 

 

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Learning 4: Die Finanzierung

Ein Stipendium ist wunderbar, doch geht auch dieses irgendwann zu Ende. Eine Anschlussfinanzierung dauert in der Regel mindestens 6 Monate. Auch Gründer können nicht nur von Luft und Liebe allein leben.
VC (Risikokapital) macht nur Sinn, wenn man auch bereit ist etwas von seinem Kuchen abzugeben oder aber die Option einen oder mehrere Business Angels (ein erfahrener Unternehmer, der angehende Entrepreneure mit finanziellen Mitteln und Praxiserfahrungen unterstützt) in das Team zu holen, macht nur wirklich Sinn wenn diese das Team durch nötigen Kompetenzen unterstützen kann.

 

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Learning 5: Wir machen das neue Zalando. Kennen sie Doodle?

Viele Gründer vergleichen sich gerne mit großen Beispiel Marken oder anderen erfolgreichne Startups.
Warum vergleichen, wenn man doch innoativ und neu ist? Nein, es kennt nicht jeder Doodle! Es gibt Menschen da draußen, die nicht ständig online sind. Menschen, die nicht bei Facebook registriert und auch nicht alle 10 Minuten per Push-Nachricht die neusten Informationen auf ihr Smartphone bekommen.

 

Learning 6: Work hard – play hard.

In Berlin kann man eigentlich den ganzen Tag auf Events verbringen. Frühstücksmeetup, Mittagstalk, Tech Mettup am Abend mit Pizza und Bier oder aber ein Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“ ist eine kollaborative Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung zu einem bestimmten Thema) am Wochenende. Viele unwichtige Personen treiben sich auf diesen einschlägigen Events rum und stehlen einem oft die kostbare Zeit. Nicht jedes Event macht Sinn. Play Hard ist wohl eher die Ausnahme.

 

 

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Learning 7: Startups und die Rechtslage

Wer vertraut schon gerne einem jungen Unternehmen mit rechtlichen Grauzonen statt einer etablieren Beratungsagentur, gerade wenn es sich dann auch noch um sensible Daten handelt? Unsere erfolgreiche Implementierung einer komplexen Mitarbeiterumfrage für TUI.com lief zwar sehr gut aber leider war das Thema Datenschutz und das Vertrauen in Onlinetools 2013 etwas schwierig. Viele Startups operieren ungewollt in juristischen Grauzonen, verursacht durch die Neuartigkeit des Angebots, das es häufig in der Form noch nicht gibt. Rechtliche Rahmen müssen oft erst gefunden und angepasst werden. Etablierte Unternehmen sollten Startups eine Chance geben mit ihnen zusammen Dinge zu entwickeln.

 

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Learning 8: Die App-Store Einreichung

Eines der größten Probleme mit denen wir zu kämpfen hatten, war die Einreichung unserer App in den unterschiedlichen AppStores. Für Android der Google Play Store, der relativ unumständlich funktioniert und nach ca. 4 Stunden ist App zum Download bereit. Für iPhone hingegen ist dieser ganze Prozess etwas komplizierter. Man reicht die App in den iTunes Store ein und muss dann auf die Prüfung der App von Apple warten. In unserem Fall bekamen wir nach ca. 20 Tagen einen Anruf aus Amerika, wo wir nun ganze 30 Minuten am Telefon Rechenschaft zu votingLAB ablegen mussten. Eine absolute Katastrophe, da wir in dieser Zeit keine Marketingmaßnahmen planen konnten. Hinzu kommen monatliche Updates mit Produktverbesserungen, die jedes Mal von neuem von Apple überprüft werden. Die Wartezeit lag bei uns im Durchschnitt zwischen 7 bis 14 Tagen. Die Review-Zeit (Einreichungen von Verbesserungen oder Fehlerbehebung) hingegen bei nur wenigen Stunden. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Learning 9: Marketing

Von Anfang an war votingLAB  eher produkt- und funktionsgetrieben, wir wollten die perfekte App veröffentlichen. Marketingmaßnahmen haben wir nebenbei betrieben. Die Folge: Ein bisschen Facebook und Twitter reichen einfach nicht aus und können keinen professionellen Vertriebs- oder Marketingmenschen ersetzen. Marketing und Analyse muss von Anfang an Vollzeit betrieben werden. Nebenbei mögliche Marketing oder Vertriebsstrategien zu entwickeln ist nahezu unmöglich. Selbst das beste Produkt verkauft sich nicht von selbst. Das Vertrauen der Zielgruppe zu gewinnen, bedeutet viel Zeit und Arbeit.

 

 

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Learning 10: App-Entwicklung und Geld verdienen

Der App Markt ist vollkommen übersättigt und unübersichtlich. Unzählige gute Apps tummeln sich in der Appstores und warten auf einen Download. Leider gibt es nur sehr wenige Erfolgsgeschichten, die es bewiesen haben, dass man mit einer App Geld verdienen kann. Bei uns blieb der große Downloaderfolg nach der Markteinführung aus. Namen wie Instagram, Snapchat, Tinder, WhatsApp kennt jeder, diese sind wachstumsorientiert und laufen klassisch sehr lange ohne Umsätze und Gewinn. Oft haben diese Unternehmen kein klares Geschäftsmodell und fangen mit den Gedanken über die Monetarisierung der Apps erst an wenn eine bestimmte Verbreitung bereits erreicht wurde und diese sind absolute Ausnahme Unternehmen. Unsere Erfahrung der letzten zwei Jahre: es herrscht nach wie vor eine App-Müdigkeit. Die Realität sieht nämlich anders aus! Schaut man sich sein persönliches Nutzungsverhalten an wird man sehr schnell feststellen, dass man selbst nur einige wenige Apps täglich nutzt. Hinzu kommen enorme Barrieren für Anbieter, die Apps für die unterschiedlichen Geräte (Android, Windows, Blackberry, Apple) anzupassen und in den unterschiedlichen Appstores einzureichen und zu pflegen. Und zu guter Letzt der Nutzer, der den kleinsten Bug (Fehler) nicht verzeiht und die App sofort von seinem Smartphone löscht und nie wieder installiert.


 

Niemand hängt einen Misserfolg gern an die große Glocke. Scheitern kann aber auch gute Grundlage für den zukünftigen Erfolg sein. Meine Erfahrungswerte der letzten Jahren sind eindeutig wertvoller als so manches Masterstudium. Meine Entscheidung zu Gründen habe ich keinen einzigen Tag bereut. Viele Entscheidungen würde ich heute anders treffen, aber gründen würde ich immer wieder.


 

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Mein erstes STARTUP! votingLAB (Alpha)

Comments (0) Beruf, Blog, Generation Y


Nach dem Studium folgten Praktika im Bereich Grafikdesign in Werbeagenturen in Berlin bei denen ich viel lernte aber auch schnell merkte – das ist nicht meins. Es entwickelte sich in Berlin eine neue Szene der Arbeitskultur. Startup war der neue Trend 2010 der mich in den Bann zog. Unzählige Freelancer Tätigkeiten in solchen jungen und kreativen Unternehmen (die es heute nicht mehr gibt) waren die Folge. Der Spirit und die Visionen der unterschiedlichen Gründer faszinierten mich. So viel Herzblut und Willen und diese unglaubliche Schnelligkeit Konzepte zu entwickeln die es zuvor noch nicht gab.

Die logische Schlussfolgerung – diesen Weg selbst zu beschreiten.

Durch eine Ausschreibung meiner ehemaligen Uni wurde ich auf ein IT Projekt von einem Absolventen der TU Berlin aufmerksam. Es ging um das Thema Entscheidungsfindung durch Argumente. Nach dem ersten Treffen an Universitätsbibliothek der TU war klar das wir diesen Weg gemeinsam beschreiten wollen. Das Team war auf den ersten Blick perfekt, wir verstanden uns gut. Ein Ingenieur, ein Physiker und meine Wenigkeit als Kommunikationsdesignerin. Der erste Antrag für ein EXIST Stipendium wurde eingereicht doch es folgte eine Absage.

Nach der zweiten Einreichung und Verbesserungen gab es die frohe Botschaft, eine Zusage und wir konnten im Oktober 2012 in die Gründerwerkstatt der TU Berlin einziehen. Leider verließ uns kurz vorher unser Mitgründer Sebastian auf Grund einer Doktorantenstelle in Heidelberg. Die neue Herausforderung war es nun die fehlende Position zu besetzen. Durch viel Glück und Einsatz fanden wir einen geeigneten Mitgründer und Programmierer, Martin.

Endlich, es konnte es losgehen. Erstes eigenes Büro an der Gründerwerkstatt in Charlottenburg und die volle Unterstützung der TU Berlin mit persönlicher Betreuung (danke an Frau Bauer an dieser Stelle). Doch was lehrt uns das Leben, es kommt immer anders als vorher geplant.

Kurz nach dem Beginn des Stipendiums folgten die ersten Unstimmigkeiten im Team. Gesellschaftsanteile, Konkurrenzverhalten und viele kleine Faktoren die es unmöglich machten ein gutes Produkt zu entwickeln. Selbst Coachingmaßnahmen und die persönliche Betreuung durch fachkundige Personen konnten uns im Team nicht helfen. Die Folge war eine Anhörung vor dem Projektträger Jülich. Das Fazit: Entweder wird die Förderung beendet oder das Projekt wird getrennt.

Im April 2013 bekam Martin und ich ein separates Büro in der Ackerstraße in Berlin (Mitte). Dort arbeiteten wir mit vollem Einsatz an der neuen Plattform. Schnell war ein neuer Name gefunden „votingLAB“ war geboren, die Marke angemeldet und Domains registriert. Es war unser Baby. Wir fingen bei Null an und opferten jede freie Minute in das Konzept. Im Sommer stand die Plattform und wir konnten TUI.com als namenhaften Kunden gewinnen doch leider lief die Förderung aus und es fehlte das nötige Geld für Miete und alle weiteren Kosten zu decken. Martin bekam ein Angebot bei einer namenhaften Agentur in Berlin und unterschrieb den Vertrag.

Im Alleingang koordinierte ich weitere Maßnahmen um votingLAB weiter nach vorne zu bringen. Der Businessplan wurde komplett überarbeitet und ein Antrag für ein weiteres Stipendium wurde eingereicht. Leider lies die Antwort auf sich warten.

Wie durch ein Wunder folgte im Dezember 2013 die frohe Botschaft – Glückwunsch zum Stipendium, sie können am 6. Januar 2014 in die Gründerwerkstatt einziehen!

Die Freude war am Anfang getrübt da ich nun ohne Team da stand. Man würde meinen, blöd gelaufen. Doch es kommt noch schlimmer. Es folgte der erste Tag des Stipendiums. Ich betrat allein den Raum der Gründerwerkstatt der Beuth Hochschule und musste feststellen, dass unser ehemaliger Mitgründer sich auch auf das Stipendium beworben hatte. Schlimmer hätte es mich wohl nicht treffen können. Beide Teams wurden angenommen.

In schockstarre verfallen musste ich nun auch noch an der Vorstellungsrunde teilnehmen. Wenn ich etwas gelernt habe, es geht immer weiter. Es folgten die ersten Wochen, allein im Büro. Meine neue Challenge war es nun einen geeigneten Mitgründer zu finden der ins Team passt und die Position von Martin ersetzen konnte.

Weiter geht es mit votingLAB Beta!

 

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