info@franzidesign.de 0160 / 94 46 91 00

Rucksackblog
Tag Archive

Mein ganz persönlicher Rückblick 2017 (#2)

Comments (3) Blog, Erfahrungen, Rückblick, Rucksackblog


Hallo, ich bin Hochsensibel
Mein Leben ist eine Achterbahnfahrt. Bloß keine Pause, bloß nicht zur Ruhe kommen und bloß nicht scheitern. Schneller, höher, weiter. Das Größte ist mir nicht groß genug und das Schnellste ist mir nicht schnell genug. Ich könnte an dieser Stelle über so viele überwältigende Themen aus dem Jahr 2017 berichten, doch wo fange ich an? Was war meine größte Entwicklung? Was meine stärksten Themen? Sind es Themen wie Yoga, Persönlichkeitsentwicklung, Lauferfahrungen, Konferenzen, Seminare oder aber fachliche Themen wie meine Snapchat Spectacles, der Bitcoin Boom, KI (Künstliche Intelligenz), Google Updates, Chatbots, Voice UI oder mein Steckenpferd UX/UI?

Heute ist der 19. Dezember 2017 und ich schreibe die ersten Zeilen von meinem Jahresrückblick nieder. Drei Worte fassen mein Jahr sehr gut zusammen: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Wenn ich nicht gerade gearbeitet habe, waren Yoga, Meditation und regelmäßige Läufe meine ständigen Begleiter.
Das Jahr fing mit einem einmonatigen intensiv Coaching mit Laura Malina Seiler (Rise Up & Shine University) an, was mein Leben grundlegend veränderte. Ich beschäftigte mich seitdem ausgiebig mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung. Mein Alltag und meine Denkmuster haben sich seit dem grundlegend verändert. Doch das soll heute nicht das Hauptthema sein. Was bewegte mich 2017 und was möchte ich mit der Welt teilen?

Neben meiner Festanstellung als UX/UI Designerin arbeite ich seit fast zehn Jahren als freie Kommunikationsdesignerin unter dem Namen franzidesign. 2017 war beruflich ein sehr bewegtes Jahr. Zwei freie Projekte mit denen ich Erfolge erzielte, vielen Dank für das Vertrauen meiner Kunden an dieser Stelle, aber auch zwei Projekte die gescheitert sind. So ist nun mal das Leben, es dreht sich immer weiter und auf jeden Fall eine weitere Lektion für das neue Jahr:


„Vorsicht bei der Zusammenarbeit mit bestimmten Kundengruppen oder Dienstleistungen.“


Fazit für 2018: Endlich wieder mehr Projekte in denen ich mich und meinen eigenen Stil verwirklichen kann, Projekte die Spaß machen.

Seit Mai 2016 arbeite ich Vollzeit an einem neuen Projekt, dass im Mai dieses Jahres online gegangen ist. Es folgte die Festanstellung als Lohn und Vertrauen in meine Arbeit. Das aktuelle Projekt war nach meinem Startup votingLAB das nächste große Projekt, was durch die Decke gehen sollte. Doch alles kam wieder anders als geplant. Das Projekt wurde im Herbst auf Eis gelegt. Aktuell will und kann ich an dieser Stelle nicht näher auf das Thema eingehen, da es zu komplex und nicht öffentlich geteilt werden darf.
2017 war ein Jahr mit vielen Hürden die ich mit Bravur gemeistert habe und auf die ich stolz bin. Egal ob fachliche Qualifikation oder privat war es ein herausragendes Jahr.
Im November gab es die verdiente Auszeit für meine Mühen. Vier Wochen Rundreise durch Myanmar, um an meinem Herzensprojekt dem Rucksackblog (www.rucksackblog.de) weiter zu arbeiten und neue Kraft für das kommende Jahr zu tanken. Grandiose Eindrücke, die ich nie vergessen werde.

Nach vier Wochen reisen kam ich nach Berlin zurück. Ich funktionierte von Null auf Hundert, alles war beim Alten. Neues Projekt mit einem neuem Team, doch irgendetwas war anders bei mir.
Im Dezember kam dann die Abrechnung und mein Körper streikte. Beim IKEA Besuch nach dem Büro überkam mich ein plötzlicher Panikanfall. Von einer Sekunde auf die nächste stand ich mit meinem Einkaufskorb mitten in der Menge. Mir war alles zu viel, die Geräusche wurden immer lauter und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und musste das Gebäude verlassen. Ich hatte panische Angst nicht mehr zu funktionieren. Ich hatte die Kontrolle über mich verloren – alles war mir zu viel.
Trotz Anfall bin ich weiter ins Büro gegangen, alles funktionierte tadellos und niemand bemerkte etwas doch die Situation verschlimmerte sich. Ab diesem Zeitpunkt habe ich in vielen Situationen Geräusche intensiver wahrgenommen, war gestresst, konnte keinen klaren Gedanken fassen und war gereizt. Ich hatte panische Angst jeden Moment umzukippen und die Kontrolle über mich zu verlieren. Es gab keinen anderen Ausweg, ich musste zum Arzt. Die Diagnose: F-48.O.G. In der Gesellschaft auch verbreitet unter dem Namen „Burnout“ Syndrom. Blutbild, EKG und drei Wochen Büroverbot und Abstand von der Arbeit.
Ich wurde in meinem Leben noch nie, so lange krankgeschrieben. Mit 34zig mein zweites Burnout? Wo ist meine Lebensfreude geblieben? Hatte ich im November doch erst vier Wochen Jahresurlaub und bin nach zwei Wochen Büro ausgebrannt? Die Worte der Ärztin: „Ihr Zustand ist aktuell nicht tragbar!“ Ich war fassungslos und brach zusammen.

Die Reaktionen aus meinem Umfeld: Burnout?

… aber wo hast du den Stress?
… aber hast du etwa private Probleme?
… aber du hast doch eine Festanstellung.
… aber du hast doch Geld für deine Leistung bekommen.
… aber du hast doch kein Risiko.
… aber du bist doch noch jung.
… aber du arbeitest doch nicht schwer körperlich.
… aber, aber, aber…

Niemand versteht mich. Wirklich niemand? In der heutigen Leistungsgesellschaft hat doch jeder Zweite Burnout. Ein Trend, eine Modeerscheinung. Dabei arbeite ich in meinem absoluten Traumberuf, der mich erfüllt. Nicht eine Sekunde würde ich über einen anderen Beruf nachdenken. Jeden Monat ein geregeltes Einkommen, keine privaten oder familiären Probleme, kein Risiko.
Warum Burnout und warum gerade ich? Ich habe lange überlegt, ob ich das Thema mit der Welt teilen und die Schwäche zugeben sollte. Doch warum soll der Mensch nicht Mensch sein und seine Schwächen zeigen und seine Erfahrungen teilen? Vielleicht gibt es Menschen denen ich helfen kann. In meinem Studium und der parallelen Selbstständigkeit hatte ich zuvor schon Mal ein Burnout. Aus dem letzten Burnout hatte ich viel gelernt, ich wurde achtsamer zu mir und habe mich wieder auf meine wirklichen Ziele fokussiert. Mein Körper zog die Notbremse und ich lernte aus meinen Fehlern.
Diesmal steckte ich wieder im Arbeitsmodus fest und ich hatte alles andere um mich vergessen. Eine Aufgabe nach der nächsten, einfach funktionieren dabei hatte ich vergessen, worauf es wirklich im Leben ankommt – nämlich mich selbst. Entweder mache ich so weiter wie zuvor bis ich irgendwann wieder zusammen breche oder ich höre auf meinen Körper, nehme die Signale ernst und bin endlich achtsamer mit mir.


Was war der Auslöser?
Vor über 1,5 Jahren habe ich mich nach meiner langjährigen Selbstständigkeit für eine Festanstellung entschieden. Warum? Weil mich das aktuelle Thema begeistert. Ich hatte mit meinem Startup votingLAB an der TU Berlin und danach an der Beuth Hochschule an einer ähnlichen Thematik gearbeitet. In dem Projekt hatte ich nun endlich ein großes Team mit ganz anderen Möglichkeiten, als wir uns es damals in unserm Team erträumt hätten. Am Anfang war es eine große Umstellung von der permanenten Erreichbarkeit, ohne geregelten Urlaub und Krankheit in die Festanstellung mit geregelten Arbeitszeiten – ein Traum. Ich hatte wieder Zeit für mich doch mit dem Druck wuchs auch mein Fokus. Ich konnte an nichts anderes außer Arbeit denken.

Im Mai diesen Jahres wurde das neue Produkt der Welt präsentiert, der große Erfolg blieb aus. Es war ein beruflichen Rückschlag. Das Projekt war mein Lebensfokus und nun wurde es auf Eis gelegt. Gehen sie zurück auf Los. Die Situation war ein Rückschlag für meine Arbeit des letzten Jahres. Projekt „Zurück auf Los“ scheiterte, ich war machtlos. Ich hatte mich für eine andere Vision anstellen lassen und nun ist alles vorbei? Wie eine bunte Seifenblase, die platzt. Festplatte gelöscht.


Hochsensibel und Burnout

Voller Herzblut steckte ich all meine Energie in das neue Projekt doch es scheiterte. Auf meiner einmonatigen Reise durch Myanmar hat mein Körper das Jahr verarbeitet. Er ist durch die Ablenkung runtergefahren. Stopp! Bis hier hin und nicht weiter. Er hat sich gegen die Situation gewährt. Die Ampel schaltete auf Rot.
Durch die Persönlichkeitsentwicklung habe ich dieses Jahr den Grund gefunden. Warum ist mein Leben eine Achterbahnfahrt? Warum komme ich einfach nicht zur Ruhe und muss immer nach der Perfektion streben? Aufmerksam bin ich durch unzählige Artikel, Blogs und Videos im Internet geworden. Im Laufe des Jahres habe ich durch Workshops und Seminare festgestellt, dass ich Hochsensibel bin und eine andere Wahrnehmung auf die Umwelt habe als die meisten anderen Menschen um mich herum. Ich beschäftigte mich immer tiefer mit dem Thema. Die Beschreibungen und Erfahrungen von betroffenen Personen sind wie ein Spiegel meiner Seele. Endlich Menschen die mich verstehen. In den letzten Monaten wurde sehr viel über das Thema hochsensible Menschen berichtet. Nein, dass ist kein Trend Thema und auch keine neue Modekrankheit. Laut Statistik sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel. Es ist eine angeborene, geschlechtsunabhängige und genetisch bedingte Form von Intelligenz, also eine spezifische Ausprägung von Hochbegabung. Hochsensible Menschen sind besonders kreativ, empathisch und innovativ. Ich nehme mich und meine Umwelt intensiver wahr. Hochsensible Personen grübeln viel und weinen häufiger. Ich erkenne Fehler häufig schneller als andere und habe eine hohe soziale Kompetenz, die vielen manchmal auch einfach zu viel ist. Ich kann mich gut in andere hineinversetzen, reflektiere öfter als andere. In bestimmten Fällen kann es hinderlich aber auch förderlich sein, wenn man weiß, dass jemand diese Eigenschaft besitzt. Wird das Potenzial erkannt, ist es sehr effizient, wenn nicht dann leiden hochsensible Menschen stark. Kreative Personen benötige Freiraum, um frei zu denken und kreativ zu sein. In meinem Berufsfeld ist das noch relativ einfach, da mein Beruf von den meisten Menschen als kreativ wahrgenommen wird. Viele andere hochsensible Personen haben es da schwerer.


Video: Hochsensible Menschen – Fühlen ohne Filter

Dauer: 5 Minuten, 
https://www.zdf.de/verbraucher/volle-kanne/hochsensible-menschen-102.html


Hochsensibel? Wie wirkt sich das auf das Umfeld aus?
Hochsensibilität ist schwer erkennbar. Viele Betroffene sind sich der Eigenschaft nicht bewusst und auch gern verdrängt wird. Bis vor ein paar Monaten wusste ich auch noch nicht, dass ich hochsensibel bin.


Es gibt verschiedene Indizien, die auf Hochsensibilität hinweisen können: 

  • Besonders kreatives Potenzial
  • Unkonventionelles Denken
  • Blick über den Tellerrand
  • Differenzierte Aussagen
  • Erhöhter Zeitaufwand zur Aufgabenlösung
  • Ausgeprägter Blick für Feinheiten und Details
  • Tendenz zu Perfektionismus
  • Ausgeprägte Intuition
  • Vermögen sich in das Gegenüber hineinzuversetzen
  • Scheinbar schüchternes, zurückhaltendes Verhalten 
  • Häufige Gedankensprünge, Nervosität, Unsicherheit
  • Verstärkte Reaktionen auf Veränderungen

Quelle: https://www.perso-net.de/rkw/Hochsensible_Mitarbeiter


Personen die mich kennen, können das wahrscheinlich so unterschreiben. Seitdem ich es weiß, sehe ich es auch nicht mehr als Schwäche, sondern als Stärke. Es ist eine besondere Wahrnehmungsbegabung. Bilder und Emotionen gehen bei mir schneller in das Unterbewusstsein. Ich nehme die Informationen und Reize intensiver wahr als andere, verarbeite diese tiefer und stellen den Informationsgehalt automatisch in den Kontext ihrer bisherigen Erfahrungen was beruflich von Vorteil ist und den Erfolg von nun fast zehn Jahren franzidesign bestätigt.

Immer komplexer werdende Märkte erfordern dynamische Teams. Hochsensible Mitarbeiter besitzen ein ausgeprägtes Vermögen, Komplexität in einzelnen Facetten zu erfassen, sowie innovative und kreative Ideen zu entwickeln. Wir haben eine ausgeprägte Intuition, mit der wir frühzeitig Strömungen und Trends erkennen können. Wir lesen zwischen den Zeilen und können die unterschiedlichen Perspektiven synchronisieren wodurch neue Produkte und Lösungen entstehen. Wir spüren Defizite schneller auf und können durch unsere Einfühlsamkeit einen großen Beitrag leisten.
Problem nur, dass Empathie und Sensibilität in unseren Breitengraden noch Neuland für Unternehmen ist. Google und Apple haben es schon heute erkannt und fördern hochsensible Mitarbeiter, sie haben das Potenzial für interdisziplinäre Teams erkannt, denn hochsensible Menschen sind besonders kreativ, produktiv und innovativ im Handeln.

Das Jahr 2017 ist nun vollendet so wie die Phönix Tätowierung auf meinem rechten Arm. Ein mythischer Vogel – ein Sinnbild der Wiederauferstehung aus der eigenen Asche. Er verkörpert die Leidenschaft für Dinge zu brennen, zu kämpfen und immer wieder aufzustehen. Ich schätze meine besondere Gabe und sehe das letzte Jahr als große Chance und werde ab jetzt achtsamer mit mir umgehen. Gerade in diesen schweren Phasen lernt man am meisten und wächst über sich hinaus. Nach jedem Tief kommt ein Hoch. Umso größer das Problem oder die Konfrontation, umso größer die Lernkurve. Ich liebe die Herausforderung, ich liebe meine Berufung, ich will mich wieder selbst spüren und freue mich riesig auf die neuen Herausforderungen und das neue Jahr! Ich bin gespannt…

Was sind deine Ziele und Wünsche für das Jahr 2018?

Read more

Was heißt glücklich sein?

Comments (3) Blog, Generation Y, Startup

Quelle: YouTube

Der Anlass meines neusten Blogbeitrags ist das Video von Ben Paul, über den sehr viele große Medien berichteten. Ben ist gerade einmal 24 Jahre alt und ein Studienabbrecher. Er betitelt sich selber als angeblichen Fürsprecher der Generation Y, der auch ich angehöre. Ben vertritt die Meinung, dass man auch ohne Studium beruflich erfolgreich sein kann. Dafür wirbt er in seinem Blog und auf Konferenzen als Sprecher. Er setzt sich für alternative Bildungswege ein und ist Befürworter autodidaktisches Lernen. Doch ist Ben glücklicher als ich mit klassischer Ausbildung und Studium?

Ich tat das, was meine Eltern von mir erwarteten – Abitur, Studium und erste Praktika in Werbeagenturen dann die Selbstständigkeit als freie Gestalterin und zu guter Letzt noch mein eigenes Startup mit Stipendium. Ziemlich beeindruckend sagen jetzt viele. Doch war oder bin ich glücklicher als jemand der fest angestellt ist? Erfahrung habe ich in der Zeit viele gesammelt. Ich arbeitete als freie aber auch feste Mitarbeiterin in Agenturen und kenne somit beide Seiten. Aktuell stehe ich wieder vor der Entscheidung – selber machen oder in ein Unternehmen gehen und sich in ein bestehendes Team integrieren?

Faszinierend an der Startup Welt und das selbstbestimmte Arbeiten ist ganz klar die Dynamik, die an den Tag gelegt wird. Keine stundenlangen Meetings oder Abstimmungen, flache Hierarchien und schnelle Ziele. Man sollte meinen das ideale Ökosystem um glücklich zu werden. Doch was heißt es glücklich zu sein? Ist glücklich sein nur die selbstbestimmte Entscheidungsgewalt über sich selber zu haben und keine festen Bindungen einzugehen?

Ich bin 32 Jahre und frage mich jeden Tag auf ein Neues wie meine Zukunft aussieht und wie ich diese lenken kann. Jeden Tag kämpfe ich mit Existenzängsten und muss mir oft anhören, wie einfach und toll es doch sei selbstständig zu arbeiten und sich seine Zeit frei einzuteilen. Hinzu kommen diese vielen Berichte von jungen Menschen wie zum Beispiel auch Ben, die von der grenzenlosen Unabhängigkeit und einem selbst bestimmten Leben predigen. Die absolute Idealvorstellung und Norm von glücklich sein. Was braucht man schon um zu arbeiten? Ein paar Programme und einen leistungsfähigen Rechner und schon geht es los. Egal ob Berlin, Bangkok oder New York, einfach unabhängig machen was man will. Ein Leben im absoluten Minimalismus, ohne Besitz aber mit der Freiheit jeden Tag zu entscheiden was als Nächstes kommt, ohne jede Grenze. Doch ist das so? Ist man wirklich glücklicher, wenn man sich an keinen festen Arbeitgeber bindet? Arbeitet man im Winter mit dem Laptop am Strand besser als vielleicht im kalten Berlin? Ist es heute uncool eine 5-Tage-Woche zu absolvieren und sich an ein festes Team zu binden?

In meinem eigenen Startup votingLAB sind wir durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Wir haben uns riesig gefreut, wenn wir im Unternehmen Fortschritte gemacht haben. Das Team war klein, doch die Fortschritte waren riesig und die Geschwindigkeit war beeindruckend. War ich glücklicher?

In Reflektion auf meine Erfahrung aus dieser Zeit kann ich sagen, dass es bis zu einem gewissen Level funktioniert und ich sehr glücklich war und diese Euphorie von Ben zum Teil nachvollziehen kann! Doch können gerade junge Unternehmer nur schwer mit Stillstand umgehen und das Unglücklichsein ist somit vorprogrammiert. Auf Grund der Schnelligkeit und des fehlenden Wissens passieren oft Fehlentscheidungen und man wird automatisch unglücklich. Man befindet sich in einem Rauschzustand, der aber irgendwann vorbei ist, wenn die Normalität eintritt.

Gerade als junger Mensch fehlt einem die nötige Erfahrung und Ausdauer. Diese Erfahrung lernt man zum einen durch die Praxis und zum anderen aber durch das nötige Durchhaltevermögen und nicht durch irgendwelche Ratgeberblogs im Internet, die von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit als Wundermittel predigen. Nicht nur Fordern sondern auch Durchhaltevermögen an den Tag legen und es sich selber beweisen.

Auch ich war oft an dem Punkt in meinem Leben, ab dem ich mich gefragt habe: WIESO, WESHALB und WARUM mache ich dies und jenes? Ich war sehr oft unglücklich und dem Burnout nahe. Mein Durchhaltevermögen hat mich mein Ziel erreichen lassen und ich war danach sehr glücklich. Doch ist das Glück auch nur ein Moment und kein Dauerzustand. Nach einem Tief kommt auch wieder ein Hoch und ohne Tief gäbe es womöglich auch kein Hoch. Sicherlich gibt es Menschen, die kein Studium brauchen, um erfolgreich zu sein und Ihren Weg von allein gehen. Doch pauschalisieren sollte man dieses auf keinen Fall und somit sehe ich viele Aussagen von Ben Paul eher kritisch. Ist man glücklicher wenn man in einem kleinem Zimmer auf einer Matratze schläft nur weil man flexibler ist als jemand mit eventuell einem Kind und Hund? Ist jemand mit Festanstellung und fester Struktur unglücklicher?

Das mag ich wohl bezweifeln, denn ich möchte mit Mitte dreißig nicht in einem kleinen Zimmer auf einer Matratze schlafen. Ist man hingegen mit einem eigenen Haus mit Grundstück und Familie glücklicher? Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht, denn jeder Mensch ist anders und der eine braucht Struktur und der andere nicht.

Es gibt eine Person, die mich in den letzten Monaten inspiriert hat. Reiseblogger Patrick Hundt von 101places. Dieser hat im Sommer den Reiseblog (101places.de) gestartet, als er zu seiner persönlichen Weltreise aufbrach. Der Blog zählt zu einen der größten Reiseblogs in Deutschland. Patrick reist seit mehreren Jahren um die ganze Welt und berichtet über seine Erfahrungen und gibt nützliche Reisetipps an seine Leser. Er hatte zwischenzeitlich keine feste Wohnung, er hatte alles aufgelöst. Mit seinem Bog und seinen Berichten ist er sehr erfolgreich.

Am 20. März 2016 kam dann plötzlich der Beitrag „Vom Ende einer Reise“. In diesem Beitrag schildert Patrick seine Erfahrungen. Selbst schreibt er: „Ich wollte nicht zum einsamen Wolf werden der heimatlos um die Welt zieht.“ Die vielen Reisen veränderten ihn und er hat gemerkt, dass er viele Sachen einfach nur tat, um andere Menschen durch seine Berichte glücklich zu machen. Er wurde trotz der großen Freiheit und finanzieller Unabhängigkeit unglücklich. Es gab eine Erwartungshaltung seiner Leser, die er erfüllen musste. Immer wieder auf ein Neues neue Orte entdecken und berichten. Zum einen war er frei aber zum andern waren viele Beziehungen zu seinen Lesern unbeständig.

Hinzu kommt eine weitere Vorzeige Digitale Nomadin namens Conni Biesalski (planetbackpack.de), die sehr erfolgreich ortsunabhängig lebt und arbeitet. Conni ist Anfang dreißig, wie ich, reist um die Welt und arbeiten dort, wo sie gerade ist. Sie kann von ihrem Business durch ein passives Einkommen sehr gut leben und verdient das Geld fast im Schlaf.

Zuhauf tauschen sich Leute auf ihrem Blog über Erfahrungen und Zukunftspläne des ortunabhängigen Arbeiten und Leben aus und bewundern diese Lebenseinstellung. Doch vergessen viele, dass Conny eine absolute Ausnahme ist. Conny hat im Gegensatz zu Paul das Studium beendet und geht einen Schritt weiter und teilt das Verhalten von Digitale Nomaden in Phasen ein. Jahre lang hat sie Durchhaltevermögen bewiesen und ist durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Sie befindet sich ihrer Meinung nach in der fünften und letzten Phase. Seit dem letzten Jahr lebt und arbeitet sie nun bewusster und kann sich durch ihr passives Einkommen einfach die Zeit nehmen Sachen zu probieren. Ist Conny glücklich?

Mit Interesse verfolge ich die weiteren Stationen und bin gespannt wo und wie Conny in zehn Jahren lebt.

Doch was macht mich glücklich? Nicht jeder hat das Glück erfolgreich zu werden, da auch harte Arbeit oft nicht ausreicht. Bis zum heutigen Tag bin ich ein absoluter Workaholic. Meine eigenen vier Wände, wo ich zur Ruhe komme, und Sport geben mir die nötige Kraft. Bin ich glücklich mit dem was ich mache?

Ben, Patrick, Conny und noch viele weitere Personen waren der Auslöser für mein persönliches Experiment. Im letzten Jahr entwickelte sich die Vision von einer Asientour mit meiner besten Freundin „Änn“. Mein Stipendium für votingLAB war im Sommer beendet und von Asien aus konnte ich ohne Probleme meine freien Projekte mit dem Laptop im Gepäck erledigen. Änn hingegen konnte sich von der Arbeit freistellen lassen und war von der Idee begeistert. Geplant war somit den Winter 2015/2016 für zwei volle Monate in Asien zu verbringen und digital und frei von dort aus zu arbeiten. Scheinbar einfach, wenn man den vielen Berichten von jungen Menschen im Internet folgt. Somit stand das Ziel fest und wir recherchierten in mühevoller Arbeit über Wochen Reiseziele und planten unsere Asientour, die wir uns fest in den Kopf gesetzt hatten. Thailand – Vietnam – Kambodscha – Malaysia – Singapur und Indonesien standen auf dem Plan.

Ziel war es über kulinarische Erlebnisse zu bloggen, Freunde und Familie an unserem Reiseleben teilhaben zu lassen und parallel von dort aus zu arbeiten. Einfach raus und glücklich sein!

Der Blog (rucksackblog.de) kam super an, wir bekamen Mails, SMS und Nachrichten auf Facebook, die zum Ausdruck brachten, dass den Lesern der Blog gefällt und dass sie den nächsten Beitrag kaum abwarten konnten. Voller Elan nutzen wir jede Stunde, schliefen wenig und besichtigen so viele Attraktionen wie möglich, nur um davon zu berichten und die Erwartungshaltung unserer Leser zu erfüllen. Ein Tempel hier und ein Tempel dort, wir konnten Tempel kaum noch sehen. Entstanden ist ein wundervoller Blog (www.rucksackblog.de), der eine große Resonanz erzielte. Wir konzentrierten uns voll uns ganz auf den Blog und berichteten von allen unseren Abenteuern. Doch waren wir glücklich?

In Reflektion kam ich schlussendlich an den gleichen Punkt wie Patrick von 101places. Wir machten andere Leute glücklich, aber unser Glück war oft schwer zu fassen, da wir viele Abendteuer einfach nicht genießen konnten. Nach zwei vollen Monaten kamen wir wieder in Berlin an und alle freuten sich riesig „Änn & Fränn“ live zu sehen. Doch ein paar Wochen später war alles wieder vorbei und der Alltag ging von vorne los.

 

Eins kann ich aktuell sagen: Alleine Arbeiten und die ständigen Existenzängste machen auf Dauer niemanden glücklich. Beständigkeit, Routine und Minimalismus sind für mich elementar, um zu meiner inneren Ruhe zu kommen. Somit möchte ich mich in Zukunft wieder komplett auf die Gestaltung konzentrieren und das in einem festen Netzwerk mit positiv denkenden Menschen um mich herum.
Die eigentliche Reise beginnt erst jetzt! Seit gespannt wie es weiter geht.

 

Was heißt für dich glücklich sein?
Teile deine Gedanken mit mir in den Kommentaren!

 

Zum Abschluss noch ein grandioser Song von Rio Reiser


Das E.I.N. – Prinzip

So können Sie Emotionen intelligenter nutzen.
Machen Sie den Elefantentest! Hier

 

 

Read more