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„Du bist verrückt mein Kind, du musst …

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… an der 24. Berliner Polarnacht 2017 teilnehmen.

Vor noch nicht einmal einem halben Jahr hatte ich mir geschworen keine weiteren extremen Wandertouren im Streckenbereich der 50 km oder gar mehr zu absolvieren. Aber scheinbar war der Schmerz vom Mammutmarsch im letzten Jahr schon wieder vergessen und mein innerer Ansporn einfach zu groß, dass ich erneut diese Herausforderung suchte. Übung macht bekanntlich ja den Wandermeister und da ich seit Juli 2016 regelmäßig jogge, wollte ich mich erneut dieser Herausforderung stellen.
Im November letzten Jahres wurde ich mehr oder weniger zufällig über Facebook durch die MarschgruppeEarnYourBacon“, mit der wir im letzten Jahr bereits eine Trainingswanderung absolvierten, auf die im Januar 2017 stattfindende Berliner Polarnacht aufmerksam. Diesmal war es eine geführte Wanderung vom Wandersportverein Rotation Berlin e.V. mit den Distanzen 50 oder 100 km. Für einen Geldbetrag von 3 Euro für 50 km oder aber 5 Euro für die etwas längere 100-km-Strecke sollte Muskelkater garantiert sein. Schnell fand ich ein Team von Wanderlustigen, die sich mir sofort begeistert anschlossen. Wir entschieden uns für die Nachttour durch Berlin über 50 km bis zum Zielort Falkensee.

Mit Spannung verfolgten wir Tage zuvor den Wetterbericht. Nur zwei Tage vor der Wanderung herrschte ein reger Schneesturm und niemand konnte sich vorstellen bei diesen Bedingungen durch die Nacht zu wandern.
Am Freitag den 13. Januar starten wir pünktlich um 20 Uhr vom DB Reisezentrum an der Friedrichstraße mit fast 100 Wanderfreunden. Vor der Kälte schützen, sollte mich das altbewerte Zwiebelsystem. Ausgerüstet mit den passenden Schuhen, die mir schon beim Mammutmarsch treu zur Seite standen, einer Stirnlampe gegen die Dunkelheit und ausreichend Verpflegung im Rucksack konnte die neue herausfordernde Mission beginnen. Eis, Schnee und Glätte? Man muss wohl verrückt sein! Es hätte eigentlich nur noch Regen gefehlt, um den Albtraum perfekt zu gestalten.

 

 

Bei 3 Grad ging es im schnellen Laufschritt quer durch die Stadt. Die Wege waren teilweise vereist, dies verlangte uns zusätzlich sehr viel Kraft ab. Bis zur ersten Pausenstation nach 21 km bei McDonald´s an der Zitadelle gestaltete sich die Wanderung noch relativ entspannt. Die ersten Blasen wurden versorgt und nach ca. 40 Minuten setzten wir den Marsch mit dem Zwischenziel Eiskeller fort.

 

 

Der Vollmond schien hell und leuchtete uns den Weg. Die Gruppe legte ein strammes Marschtempo an den Tag bzw. an die Nacht. Die Streckenführung gleich einem Hindernislauf, der Weg war übersät mit bedrohlichen Stolperfallen. Es war stellenweise gefährlich glatt und nicht nur die Muskeln, sondern auch die Stimmung war sichtbar angespannt. Alle Wanderer waren sehr gefasst von der Situation und setzten bedacht Schritt vor Schritt. Niemand wollte stürzen und auch wollte keiner die anderen mit seinen Ängsten anstecken. Nach und nach setzen die Schmerzen ein und jeder hatte mit sich zu kämpfen. Bei Kilometer 30 hatte ich mein erstes gravierendes Tief, welches ungefähr eine halbe Stunde andauerte. Um meine Gefühlslage in dieser Tiefphase passend zu beschreiben, würde ich formulieren, ich hegte für einen Augenblick den Wunsch meine Mitstreiter aus der Wanderung zu entfernen, kurz gesagt, ich hätte sie töten können, hätten sie mich angesprochen. Immer und immer wieder stellte man sich die Frage:


Warum nimmt man an solchen Veranstaltungen teil?
Warum quält man sich an einem Freitag bei Nacht durch die glattesten Straßen des eisig kalten Berlins?

 

Es war die Sehnsucht nach Abenteuer und die Möglichkeit an seine Grenzen zu gelangen. Diese Begründung schien angesichts des Tiefs absurd. Mit dem Wissen, dass auf dem Tief für gewöhnlich ein Hoch folgt, läuft man einfach weiter und erträgt die schlechten Gedanken bis der Willen sich wieder gefangen hat. Schritt für Schritt, getragen von der Gruppe und immer mit dem Ziel vor Augen. Doch nur kurze Zeit später kündigte sich das nächste Tief an. Wir zählten Kilometer 35, noch 15 km bis zum Ziel. Eine weitere Pause, um uns aufzuwärmen, die Muskeln zu lockern oder einfach nur die Blase zu erleichtern, war bis Falkensee nicht in Sicht. Die Schmerzen in den Beinen und in den Füßen hörten einfach nicht mehr auf, ein Dauerschmerz setzte ein. Wie Zombies liefen wir durch die Straßen, die jetzt zu eisigen Waldwegen entlang der Havel wurden. Das Passieren der Wanderstrecke erschwerte der unebene und stark vereiste Untergrund. Nicht nur körperliche sondern auch volle geistige Aufmerksamkeit verlangte die Wanderstrecke von jedem ab. Wir versuchten uns im Team gegenseitig zu motivieren, es wurde still, da jeder mit sich und seiner eigenen körperlichen Verfassung zu kämpfen hatte.

Endlich in Schönwalde an einer Kreuzung angekommen, mussten wir im Team eine schwere Entscheidung treffen: entweder weitere 8 km Richtung Eiskeller mit der Gruppe zu laufen, eine riesige Schleife für eine kurze Pause im Freien, oder aber in unserem Dreierteam auf dem direkten Weg sich Richtung Ziel zu bewegen. Wir entschieden uns für die 5 Kilometer auf dem direkten Weg zum Bäcker in Falkensee.

Schon auf dem Zahnfleisch kriechend, erreichten wie die große Chaussee. Die letzten Kilometer auf der Straße zogen sich wie ein zäher und endloser Kaugummi. Die Verzweiflung war uns ins Gesicht geschrieben. In einem tranceartigen Zustand humpelten wir Schritt für Schritt die Chaussee entlang und konnten komischerweise für einige Augenblicke lachen. Die aussichtslose Lage und die gewöhnungsbedürftige Art unserer Fortbewegung ließen uns albern über unsere Situation scherzen. Nach ca. einem unendlich wirkenden Kilometer entschieden wir uns, um uns den Zusammenbruch aller körperlichen Kräfte zu ersparen, unsere Taktik zu ändern und vierrädrige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir versuchten vorbeifahrende Autos anzuhalten, die uns eventuell die letzten 2 Kilometer bis nach Falkensee mitnehmen würden. Damit die Fahrzeugführer uns im Dunkeln des Waldes wahrnehmen konnten, ließen wir uns eine listige Methode einfallen. Immer wenn sich ein Auto näherte, riss mit letzter Kraft eine von uns die Hände kräftig in die Höhe, die andere leuchtete sie mit der Stirnlampe an und die dritte Wanderin unseres kleinen Teams probiere ebenfalls mit Winken auf uns aufmerksam zu machen. Das ganze Spektakel absolvierten wir Auto für Auto, doch niemand wollte uns mitnehmen. Kein Wunder! Es war 5:30 Uhr am Samstagmorgen auf einer einsamen Landstraße zwischen Schönwalde und Falkensee. Zudem machte unser lahmende und hinkende Laufstil eine bedenkenfreie Beurteilung unserer Personen für den potentiellen netten Lebensretter schwierig.

Plötzlich bremste ein PKW mit bulgarischem Kennzeichen, fuhr Schritttempo, überlegte kurz uns mitzunehmen. Ein kurzer Augenblick der Freude, doch es fuhr dann einfach weiter. Wir gaben nicht auf und wiederholten die einstudierte Performance bis sich wie durch ein Wunder ein weißer Transporter erbarmte anzuhalten. Wir mobilisierten die letzte Energie und rannten zum Transporter. Dem Mann mit polnischem Akzent schilderten wir unsere missliche Lage. Er hatte erkennbar Mitleid, öffnete umgehend die Tür und wir durften einsteigen. Wir erzählten ihm von unseren Erlebnissen der Nacht. Dankbarkeit, Freude, das Gefühl war unbeschreiblich und nur wenige Minuten später setzte er uns am Zielort ab.

 

Gesichtsausdruck nach 47 Kilometer

 

Wir kehrten erschöpft aber glücklich beim Bäcker ein, gönnten uns einen großen heißen Kaffee und einen kleinen Snack. Die wohlverdiente Auszeichnung in Form einer Urkunde nahmen wir stolz in Empfang. Auf den gemütlich weichen Stühlen verschnauften wir kurz, bis wir dann humpelnd den Weg Richtung Bahnhof, wohlgemerkt zu Fuß, antraten. Jeder verdammte Kilometer machte mich ersichtlich stolz diese weitere Herausforderung angenommen zu haben.

 

 

Mal schauen was für ein nächstes Abenteuer wartet!

Änn & Fränn

 


Zusammenfassung vom Veranstalter
Wanderteilnehmer: 97
Streckenlänge (100 km): 18 Wanderer erfolgreich absolviert
Streckenlänge (50 km): 63 Wanderer erfolgreich absolviert
Durchschnittliche Streckenlänge: 56 km

 


Meine persönlichen Daten (Runtastic)
Kilometer: 47,09 (bis zur Urkunde, ohne Nachhauseweg)
Dauer: 9:13:23 Stunden
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 5,1 km/h
Pausenzeit: 56 Minuten

 

 

 

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Der Mammutmarsch 2016: 100 km in 24 Stunden. Zu Fuß

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Alles begann mit diesen Zeilen …

Am 14. Mai 2016 findet in Berlin der fünfte Mammutmarsch statt. 100 Kilometer müssen in weniger als 24 Stunden zu Fuß zurückgelegt werden. Der Körper stößt an seine Grenzen, aber der Marsch ist für jede normalsportliche Person machbar. Der wahre Kampf findet im Kopf statt. Und selbst 30 Kilometer sind eine respektable Leistung, die die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht schaffen.

Quelle: http://www.mammutmarsch.de

 

Das hörte sich für uns nach einem großartigen Abenteuer an. Diesem vermutlich erlebnisreichen Event konnten wir uns nicht verweigern und entschlossen uns bereits im Frühherbst 2015 dem Ruf des Mammuts zu folgen. Sofort fanden sich Sportbegeisterte in unserem Freundeskreis, die sich diesem Vorhaben anschließen wollten.

 

Die Vorbereitung

Zuvor waren wir noch keine größere Strecke ab 20 km+ am Stück gewandert aber es war in der Vorstellung sehr interessant einen solchen Weg einfach einmal anzutreten. Wir dachten‚ es ist ja nur Wandern, langsames Laufen oder schnelleres Gehen! Das kann ja nicht so schwer sein. Am 15. September stand das erste gemeinsame Training der neugegründeten Trainingswandergruppe an.

Der Bericht zum ersten Training: Hier klicken

 


Nach über fünf Stunden und zurückgelegten 24 km konnten wir unsere erste Meinung zu dem zukünftigen Vorhaben bilden. Das erste Mal hatten wir einen Eindruck welche Aufgaben uns bei dem Mammutmarsch erwarten werden. Schon nach 24 km schmerzten die Füße und die Beinmuskulatur. Der ein oder andere hatte Blasen an den Füßen zu beklagen. Der in Hinblick auf den Mammutmarsch relativ kurze Wandereinsatz raubte uns insgesamt viele Kräfte und hatte unsere Körper doch sichtlich in Mitleidenschaft gezogen. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir sehr großen Respekt vor den angestrebten 100 km. Es sollten weitere Trainings folgen, denn Übung macht bekanntlich den Meister.Die größte Trainingsdistanz, die wir in unserer Trainingsgruppe zurücklegten, zählte 35 abgespulte Kilometer. Leider schafften wir keine darüber hinausgehende Weglänge, da für solche Trainingsmärsche viel Zeit nötig ist. Wenn man berufstätig ist, bleiben dann auch nur die Wochenenden, welche rar übers Jahr gesät sind, zum Trainieren übrig. Aber gut, viele Teilnehmer werden eine ähnliche Ausgangslage haben. Ein kurzer zweimonatiger Asienaufenthalt, um den kalten Winter in Berlin zu überbrücken, machte uns trainingstechnisch einen weiteren Strich durch die Kilometerrechnung. Insgesamt knackten wir dreimal die 30 km Grenze. Dabei kamen wir mal schleichend und schmerzverzerrt ins Ziel, ein anderes Mal erreichten wir das Ziel glücklich, zufrieden und aufrecht gehend. Zwischenzeitlich kam immer wieder die Frage auf: „Warum machen wir das überhaupt?“ 100 km fährt man mit dem Auto oder mit dem Zug aber geht sie nicht zu Fuß. Und wer kam bitte schön auf diese seltsame Idee? Wir wissen es nicht. Und werden es auch nicht mehr erfahren. Nein, die Sehnsucht nach Abenteuer und die Möglichkeit seine Grenzen zu testen, das war der verlockende Ruf.
Auf Grund der Erfahrung der letzten Monate setzten wir uns die 50 km als persönliches Ziel am Tag des großen Marsches. Alles andere empfanden wir für uns als nahezu unmöglich und eine Überschätzung unserer körperlichen Kräfte.

 

Die Vorbereitung Die letzten Tage vor den Mammutmarsch

Mittlerweile war das Wettkampfschuhwerk so einige Mal gewechselt worden. Beim letzten Trainingslauf versagte das Schuhwerk und die schnelle Suche nach einem geeigneten „Wanderschuh“ stand als schwierigkeitsgraderhöhende Zusatzaufgabe auf unserem Vorbereitungsplan. Wir gaben je ein Paar Salomon XA Pro 3D nach ca. 60 km und dem Versuch sie einzulaufen wieder zurück. Der Schuh drückte und machte das Antreten mit ihnen beim Mammutmarsch unmöglich. Schnell musste neues Schuhwerk her. „Die Qual der Wahl“- besser konnte man die Schuhsituation nicht beschreiben. Die Aufgabe „Wanderschuh“ wurde zufriedenstellend gelöst. Wir hielten den Salomon X-ULTRA für unsere Zwecke als geeignet. Zwar hatten wir nur wenig Gelegenheit die neuen sportlichen Treter einzulaufen aber letztendlich schenkten wir ihm unser Vertrauen.

 


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Salomon XA PRO 3D Trail Laufschuh Damen 4.5 UK – 37.1/3 EU

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Den Tag vor einem solchen Wettkampf sollte man bekanntlich nutzen um dem Körper noch einmal die bestmöglichen Nähstoffe zuzuführen und ihm erholsamen Schlaf zu gönnen. Das letzte Abendmahl vor dem großen Marsch stand an. Wir dachten uns es wäre eine gute Idee unserem Körper eine ausgewogene und würzige Mahlzeit zu gönnen. Eine ungewöhnlich scharfe thailändische Spezialität stand auf dem abendlichen Speiseplan und brachte unseren Kreislauf in Wallung. Das Essen war so scharf, dass man es kaum genießen konnte. Als der Schwindel einsetzte, wurde uns so langsam bewusst, dass die Idee möglicherweise doch nicht so gut war, wie anfangs gedacht. Die Quittung für diese leichtsinnige Essenswahl bekamen wir mit nächtlichem Durchfall auf der Toilettenschüssel präsentiert. Die Entscheidung als letzte Speise vor dem Wettkampf ein feuriges Thaigericht einzunehmen, kam der Idee gleich einen Trainingslauf barfuß über Scherben oder glühenden Kohlen zu absolvieren. Getreu dem Motto: was uns nicht umbringt, macht uns stark. Das war aber der falsche Weg, wie wir jetzt wissen. Eine bekömmliche Speise, die die Kohlenhydratspeicher auffüllt und nicht künstlich entleert, wäre durchaus sinnvoller gewesen.

 

Der große Tag war gekommen

Am 14. Mai war es dann soweit und der Mammutmarsch konnte beginnen. Angekommen am Sportzentrum Erkner ging es nach einer kurzen und schmerzlosen Anmeldung auch gleich los. Wir traten als Team, bestehend aus drei wanderlustigen Mädels, in der zweiten Startgruppe um 16 Uhr Ortszeit an.

 


Zuvor entschieden wir uns unsere Pausen und Verpflegungsübergaben selber zu koordinieren, da die erste Übergabe mit den selbstgepackten Verpflegungsbeutel im Rahmen des Gepäcktransportes des Veranstalters erst bei 44 km veranschlagt war. Das war uns zu weit. Wir benötigten schon vorher unseren Verpflegungsnachschub um die verbrauchte Energie wieder aufzufüllen.Unsere Pauseneinteilung lag bei 15 km – 30 km – 40 km – 44 km (Streckenposten 2) – 50 km – 59 km (Streckenposten 3) Die Koordination der übrigen Pausen ließen wir erst einmal offen.Los ging es! Die ersten Kilometer machten großen Spaß. Wir waren super motiviert und das Wetter spielte auch mit. Obwohl wir wussten was uns in einigen Kilometern erwarten würde, dachten wir nicht an die bevorstehenden Qualen und versuchten frohen Mutes Schritt vor Schritt zu setzen.

 

 

In der ersten Pause bei Kilometer 15 hatte das erste Teammitglied leider schon mit den ersten Blasen am Fuß zu kämpfen. Dank der mitgeführten Blasenpflaster alles kein Problem, da diese unerwünschten Blessuren damit richtig versorgt und so wunderbar der Lauf fortgesetzt werden konnte. Ab Kilometer 16 erreichten wir dann den ersten offiziellen Versorgungsposten vom Veranstalter. Es gab kaltes Wasser, Milchbrötchen, Salzstangen, Bananen und Müsliriegel als kleinen Snack, um die Reserven wieder aufzutanken. Wir füllten unsere Wasserflaschen auf, griffen uns die dort angebotenen Snacks und setzten den Marsch in Richtung Kilometer 30 fort.


 

Bei Kilometer 30 angekommen, gab es von unserem treuen Begleiter Ryco, der mit dem Auto zu den ausgemachten Pausenpunkten kam, einen heißen Kaffee zum Aufwärmen. Frische Socken plus weitere Blasenpflaster für die Füße gönnten wir uns zur Linderung der Schmerzen. Nach kurzer Stärkung und Lockerung der Muskulatur ging es weiter. Das nächste Etappen Ziel, die 40 Kilometer, ganz fest im Wesir. Mittlerweile hatte die Nacht mit ihrem treuen Begleiter der Dunkelheit den Tag abgelöst. Es wurde Zeit für unsere Stirnlampen, denn ohne diese wäre die Wanderung über die dunkeln Feld- und Waldpfade nicht möglich gewesen. Auch durch Dörfer und schmale Gassen ging es beim nächsten Streckenabschnitt. Wir durchquerten einen sandigen Feldweg. Der aufgewirbelte Staub der Vorderleute erschwerte das Weiterlaufen. Die einsetzenden Schmerzen an Fuß, Rücken und Oberschenkeln rückten sich langsam aber sicher in den Vordergrund. Es fiel uns schwer nicht an die körperlichen Leiden zu denken. Man musste zudem aufpassen, dass man aus Unachtsamkeit nicht mit den Füßen umknickte. Es war ein Drahtseilakt sich auf das Laufen zu konzentrieren aber wiederum nicht ans Laufen zu denken. Kilometer für Kilometer spulten wir ab. Die nächste Pause war in Sicht. Das Auto stand am vereinbarten Treffpunkt bei Kilometer 40 bereit. Auf einer Decke nahmen wir am Straßenrand Platz und streckten die Füße in die Höhe. Wie die Käfer lagen wir auf dem Rücken. Die Schmerzen waren das erste Mal fast unerträglich und auch die Kälte machte uns sehr zu schaffen. Wir wussten, wir müssten noch ein wenige durchhalten. Ein wenig mehr. Der zweite von vier Streckenposten war aber nicht mehr weit entfernt. Unser gemeinsamer Wille war stark. Weiter!

 

Der erste große Streckenposten: 44 km

Nach 44 km kamen wir mehr oder weniger an die körperlichen Grenzen. Am zweiten Streckenposten musste unser Team eine Entscheidung fällen. Aufgeben und die Urkunde mit den dokumentierten 44 absolvierten Kilometern entgegennehmen oder sich bis 59 km zum nächsten Ausstiegspunkt schleppen? Jetzt auszusteigen wäre keine Schande gewesen. Hunderte andere Wanderer täten uns dies gleich, denn die Haltestelle für den Busshuttle zum nächsten Bahnhof war bereits überfüllt. Oder eben doch einfach weiter laufen? Der dritte Versorgungspunkt lag bei 59 km, diese müssten wir auch erst einmal erreichen. Wir liefen weiter.

 


Die folgenden acht Kilometer waren eine Qual. Unsere Schritte wurden immer kleiner und langsamer. Die Kälte bohrte sich in unsere Gelenke. Keine Bewegung war jetzt mehr schmerzfrei. Wir benötigten für das Zurücklegen dieser Distanz fast zwei Stunden. Hinzu kam, dass wir unterwegs über Facebook erfuhren, dass der Mammutmarsch angeblich abgebrochen sei. Was? Wieso? Warum?

Das offizielle Statement des Veranstalters auf Facebook:„Es tut uns sehr leid euch mitteilen zu müssen, dass wir den Mammutmarsch letzte Nacht aus Sicherheitsgründen abbrechen mussten. Am Posten in Bruchmühle sind mehrere Teilnehmer wegen Kreislaufproblemen behandelt worden und es kam zu mehreren Rettungseinsätzen und einer dadurch ausgelösten Zusammenziehung der Rettungskräfte der Region. Als unser Sanitätsdienst in Rehfelde dann nicht erschienen ist, haben wir beschlossen zur Sicherheit aller Teilnehmer den Mammutmarsch abzubrechen. Es tut uns unglaublich leid, aber wir hoffen, dass wir die verantwortungsvollste und sicherste Entscheidung für unsere Teilnehmer getroffen haben.“ 

 

Ein glücklicher und zufriedener Abbruch

Nach 52 km zu Fuß und der Einstellung unserer persönlichen Bestleistung sammelte uns Ryco mit dem Auto in der Nähe vom Bahnhof Straußberg ein. Wir beschlossen zum naheliegenden dritten Streckenposten zu fahren und uns die Urkunde als kleine Erinnerung abzuholen. Dort angekommen informierte man uns über den Abbruch der Veranstaltung. Oh je!

 


Sehr schade für die Teilnehmer, die sich Monate lang auf diesen Tag vorbereitet hatten. Sie standen nun vor der Entscheidung: Abbruch oder auf eigene Gefahr weiter laufen. Zu viele Teilnehmer mussten ärztlich versorgt werden, es gab nicht ausreichend Rettungskräfte.Für uns haben wir den Lauf im Team erfolgreich abgeschlossen und wir sind stolz auf unsere Leistung und das Körpergefühl, das zuvor richtig eingeschätzt wurde.Im Vorfeld haben wir einige Trainingsmärsche bestritten und spätestens nach dem zweiten Trainingsmarsch war klar, dass man die 100 Kilometer nicht so einfach aus dem Hut schütteln kann. Eventuell hätten wir aus eigener Kraft den dritten Streckenposten noch erreicht aber die Signale des Körpers mit Schwindel und Schlechtsein wollten wir nicht einfach überhören.

Wir hatten das große Glück, dass Ryco uns die ganze Zeit parallel mit dem Auto folgte und uns super versorgte. Zwar hatten wir aus Unwissenheit den Gepäcktransport zuvor gebucht aber durch die Erfahrungen im Training entschieden, dass uns die offiziellen Verpflegungsbeutelübergabepunkte bei 44, 59 und 75 km eindeutig zu weit voneinander entfernt waren und wir schon vorher und zwischendurch unsere persönlichen Sachen und Essenpakete benötigen.

 


Man benötigt viel Zeit und Willensstärke, die man nicht von heut auf morgen trainiert.
 Jedenfalls war uns dies nicht in die Wiege gelegt. Unsportlichkeit kann man uns auch nicht zu unseren Lasten legen. Wir sind zwar keine Marathonläufer aber Trainingseinheiten im Fitnessstudio liegen auf unserem regelmäßigen Sportplan. Das Fahrrad wird täglich genutzt und trägt uns bei Wind und Wetter zu allen Zielen dieser Stadt. Aber wir haben uns die 100 km nicht zugetraut. Vielleicht lag uns die Gesundheit mehr am Herzen als das Austesten über seine Grenzen hinaus zu gehen.
 Wir ziehen den Hut vor all die Wanderer, die die 100 km schafften, eine großartige Leistung. Die Entscheidung den Lauf abzubrechen war aus der Sicht des Veranstalters völlig richtig.

 

Der Tag danach

Kurz war die Nacht oder der Morgen danach. Gegen sechs Uhr morgens erreichten wir unsere heimischen Quartiere. So richtig schlafen konnten wir nicht, der Adrenalinspiegel war noch einfach zu hoch. Wir beschlossen gegen Mittag den Schlafversuch abzubrechen. Es wartete ein weiteres Abenteuer auf uns. Der Karneval der Kulturen in Berlin. Bevor wir mit den Fahrrädern zum Straßenfest fuhren, gönnten wir uns eine sehr schmackhafte Pizza. Unsere Körper waren noch ganz gierig auf nahrhaftes Essen. In wenigen Minuten verschlungen wir die runde italienische Teigscheibe. Auf dem Festgeländer trafen wir uns mit Freunden und ließen den Abend heiter ausklingen. Sogar einige Kilometer zu Fuß absolvierten wir bei diesen Feierlichkeiten. Muskelkater oder sonstige Beschwerden hatten wir nicht. Die Beine funktionierten wieder ganz gut und die Schritte waren unbeschwert. Vielleicht waren wir ja doch noch nicht an die hintersten Grenzen unseres Körpers gelangt? Oder hatten wir einfach nur rechtzeitig die richtige Entscheidung getroffen?

Änn & Fränn

 

 

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Bin ich ein digitaler Hypochonder?

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Laut einer Studie der Strategieberatung LSP haben 5 Prozent der Onlinenutzer im Alter von 18 bis 69 Jahren, ein überdurchschnittliches Interesse an digitalen Gesundheits- und Fitnessangeboten wozu ich mich ausdrücklich dazu zähle. Der Trend ist steigend.

Seit Juli 2013 habe ich einen Fitness-Tracker im Einsatz. Der Fitbit Flex war zwei Jahre mein treuer Begleiter. Tag und Nacht verfolgte er mein Bewegungsverhalten.

Im ersten Quartal 2015 kam dann die lang ersehnte neue Version der amerikanischen Firma Fitbit heraus, der Charge HR mit Pulsmesser. Überzeugt hat mich der Charge HR durch sein schlichtes Design und seine intuitive App, die sowohl für Android als auch iOS kostenlos erhältlich ist. Der auffälligste Unterschied zum Flex ist das Display mit Uhr.

Neue Funktionen wie die Messung der Herzfrequenz, die kontinuierlich durch Sensoren am Handgelenk gemessen wird und eine automatische Schlaferkennung sind neu hinzugekommen. Die Schlaferkennung ist beim Flex etwas nervig. Hier ist mehrfaches tippen auf das Band nötig, um in den Schlafmodus zu wechseln und muss der Tracker auch wieder durch Tippbewegung geweckt werden. Dieses ist beim Charge HR besser gelöst da dieses nun automatisch erkennt.

Bei einem Anruf vibriert das Band am Handgelenk und die Handynummer des anrufenden Teilnehmers wird auf dem Display angezeigt. Da diese Funktion viel Akku in Anspruch nimmt, ist es eine Funktion die ich persönlich kaum nutze. Die durchschnittliche Akkulaufzeit ohne Anruffunktion beläuft sich zwischen 4 und 5 Tagen je nach kabelloser Synchronisierung durch Bluetooth mit der App was vollkommen ausreichend ist.

Die wichtigste Funktion neben der Schrittmessung war für mich aber die automatische Schlaferkennung und der angenehme Alarm, mit dem ich mich durch leichtes vibrieren am Arm jeden Morgen wecken lasse. Eine wöchentliche Auswertung per E-Mail zeigt mir dann nochmal eine Zusammenfassung meiner ganzen Aktivitäten.

 

Mein Fazit:
Durch den Einsatz des Trackers hat sich mein Bewegungsverhalten komplett verändert. Sportlich war ich schon immer aktiv und kein Bewegungsmuffel doch hat mir der Tracker, das erste Mal gezeigt, dass man sich oft selbst betrügt. 
Die empfohlene Schrittanzahl eines gesunden Menschen liegt bei 9000 Schritte am Tag. Dachte ich zu vor das ich dieses Ziel locker Tag für Tag erreiche – was dann aber nicht so war. Somit nehme ich nun öfter die Treppe oder nutze das Rad.
Was mir persönlich etwas stört ist das Material des Trackers. Leider ist das Band nicht wasserdicht und lediglich spritzwassergeschützt was manchmal etwas nervig ist, gerade wenn man gerne schwimmen geht. Ansonsten volle Punktzahl. Ich würde mir den Fitbit Charge HR jederzeit wieder kaufen.

 

Als kleinen Tipp: Mein Fitbit Charge HR wurde von meiner Krankenkasse (AOK) mit 50 Euro honoriert dazu musste ich nur den Kaufbeleg einsenden – ohne eine Überwachung meines Bewegungsverhaltens.

 

AOK Nordost:
Bedingung: Teilnahme am AOK-Gesundheitskonto
Belohnung: Alle 2 Jahre Zuschuss von 50 Euro für den Kauf eines Fitnesstrackers (auch Apple Watch)

 

Bei Fragen schreibt mir einfach in die Kommentare und ich werde diese dann gerne beantworten.
Nutzt ihr ebenfalls einen Tracker und wie sind eure Erfahrungen?

 

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Hänsel und Gretel + 1 verliefen sich in der Döberitzer Heide

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Schuld war ein interessanter Gecko am Wegesrand. Trainingseinheit Nr. 1

 

Der sogenannte Mammutmarsch startet am 14.05.2016 von Berlin quer durch Brandenburg bis fast an die polnische Grenze nach Gusow. 100 Kilometer müssen in weniger als 24 Stunden zu Fuß zurückgelegt werden. Um eine solche Herausforderung zu bewältigen, sollte man nicht nur gesund und belastbar sein, sondern auch gut auf den Marsch vorbereiten sein. Zur guten Vorbereitung gehört natürlich auch das Training.

Am Samstag, den 12. September 2015 war es so soweit. Das erste gemeinsame „Team“ Training für den Mammutmarsch stand auf dem Plan. Die Naturlandschaft der Döberitzer Heide in Dallgow versprach mit seinen 22 km langen Rundweg ein geeignetes Gelände für unser Vorhaben zu sein.

Unsere Trainingsgruppe startete gemeinsam mit neun Teammitgliedern und drei wanderlustigen Hunden gegen 11:35 Uhr unweit des Havelländer Einkaufszentrums „Havelpark“. Schnellen Schrittes erreichten wir das erste Streckenziel, der Aussichtsturm „Finkenberg“. Die kurze Rast diente der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Nachdem die Reserven ausreichend aufgetankt waren, ging es vollzählig weiter entlang der Wildniskernzone. Königskerze, Sauerampfer, Gräser, Heidekraut, wilde Himbeeren und allerlei unterschiedlicher Baumbestände konnte man beim Wandern am Wegesrand bewundern. Aber auch seltene Tierarten wie Wisente und Przewalski-Pferde, die auf einem ehemaligen Truppenübungsplatzes angesiedelt sind, bekamen wir durch ein bisschen Glück zu Gesicht. Das Wetter hätte wohl nicht besser sein können. Die Energie der Sonne und die unglaublich beruhigende Atmosphäre der Natur gaben beim Laufen die nötige Kraft.

Der Rastplatz mit dem treffenden Namen „Wüste“ und seinem kleinen Aussichtspodest diente als nächstes Etappenziel. Ein kleiner Schluck Wasser, ein Müsliriegel und weiter ging die Wanderung, schließlich lag der Großteil der Strecke noch vor uns. Langsam zeichnete sich im Team eine unterschiedliche Laufgeschwindigkeit ab und es entstanden zwei kleine Gruppen. Kurz vor der Raststation „Wolfsberg“ war dann das Unglück perfekt. Wir beobachteten Schafe am Wegesrand und fanden einen kleinen Gecko. Das große Interesse an Flora und Fauna kostete uns dann den Anschluss zur Gruppe. Einige Minuten später kamen wir an eine Kreuzung, an der es zwei Optionen gab: links oder rechts? Wir konnten leider niemanden von unserer anfänglichen Wandergruppe mehr sichten und mussten dann zu dritt die Entscheidung treffen, die den Weg unserer restlichen Wanderung in die hoffentlich richtige Richtung bestimmen sollte.

Nach etwa 20 Minuten und keiner Menschenseelen weit und breit verfestigte sich der Gedanke die andere Gruppe doch in die falsche Richtung gefolgt zu sein. Weder Fußspuren noch aufmunternde Beschilderung konnten wir entdecken. Wir liefen weiter und nach weiteren 15 Minuten bekräftigte dann ein Schild unsere Vermutung, dass wir den Rundweg verlassen hatten und somit auf Abwegen unterwegs waren. Mit letzter Akkukraft, denn wir hatten die Apps Runtastic und Komoot zu Aufzeichnungszwecken eingeschaltet und fortan laufen lassen, tätigten wir das Nottelefonat mit der weit vorauseilenden Gruppe. Leider bestätigte sich unsere Vermutung, wir sind vom rechten Weg abgekommen. Die anderen kannten sich wohl etwas besser aus und zeichneten uns Pfeile zur Orientierung auf den Boden. Vielen Dank dafür. Wie Hänsel und Gretel liefen wir drei durch die Heide und folgten den Pfeilen, die nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen waren. Die Schmerzen wurden immer größer und da konnten uns auch die Pfeile nicht trösten.

Nach Kilometer 19 kreuzte eine einsame Wandergruppe, die wir nach der ungefähren Entfernung bis zum Eingang der Heide befragten, unseren Weg. 30 Minuten würden wir wohl noch brauchen. Freude? Trauer? Zumindest war ein Ziel in Sicht und es ging weiter. Ganz nach dem Motto „soweit die Füße uns tragen“. Wir freuten uns irrsinnig auf das Ziel und motivierten uns gegenseitig. Die letzten Kilometer quälten wir uns Richtung Zielort. Nach 5 Stunden und 13 Minuten erreichten wir dann unser gemeinsames Ziel.

Insgesamt haben wir statt der geplanten 22 km und aufgrund unseres kleinen Umweges 24,20 km zurückgelegt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 4,6 km/h.

Unser Fazit: Muskelkater, eine kleine Blase und allgemeine Schwäche als überschaubare Folgen. Aber auch die Freude dieses Trainingsziel doch erreicht zu haben. Gemeinsam kann man es schaffen. Wenn man den Willen und ein gutes Team hat, das sich gegenseitig antreibt und unterstützt. Somit wollen wir uns der Herausforderungen stellen, um an unsere persönlichen Grenzen zu kommen, um zu wissen wo diese sind.


 

Die Route: https://www.sielmann-stiftung.de/fileadmin/_medien/projekte/doeberitzer_heide/Projektkarte-Wanderwege.jpg

 

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