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Dezember, 2015
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Vom Gründen und Scheitern

Comments (2) Blog, Generation Y, Startup

Quelle: Harry G über Start-Up Gschaftler


Meine 10 persönlichen Learnings

Um franzidesign war es die letzten zwei Jahre etwas ruhiger geworden. Der Grund dafür war meine abenteuerliche Reise in die Entrepreneurwelt als CEO und Founder 😉 in deutsch auch Geschäftsführerin und Gründerin von votingLAB ein IT Startup. In meinen Blogbeitrag Mein erstes STARTUP“ votingLAB (Alpha) hatte ich die ersten Erfahrungen geschildert. Nach genau 12 Monaten Gründungserfahrung an der TU Berlin am Zentrum für Entrepreneurship mit EXIST-Gründerstipendium folgte nach erfolgreichem Pitch (Präsentation) und Businessplan ein Anschlussstipendium an der Beuth Hochschule in Berlin.

Im Januar 2014 begann die Anschlussfinanzierung an der Gründerwerkstatt der Beuth. Die anfängliche Mission war klar, einen geeigneten Ersatz für meinen ehemaligen Mitgründer Martin (CTO, zu Deutsch Technischer Leiter oder Technischer Geschäftsführer) zu finden, der das Team perfekt ergänzt und den fehlenden Posten ersetzen kann. Alle möglichen Quellen, Kontakte und Veranstaltungen wurden durchsucht und besucht und wie durch ein Wunder entstand ein Kontakt, der die Zukunft von votingLAB veränderte. Ungefähr einen Monat intensives Netzwerken hatte es gedauert bis ich einen Anruf bekam und es folgte ein Bewerbungsgespräch.

Die anfängliche Schockstarre auf Grund der ungünstigen Startbedingungen ohne Mitgründer löste sich langsam und der Alltag begann. Nach einem Monat Einarbeitungszeit und Kundenaufträgen begannen wir im Mai 2014 mit der eigentlichen Entwicklung. Das alte Konzept der Entscheidungsplattform wurde komplett überarbeitet und wir entschieden auf Grund unserer Analyse votingLAB als Feedback App weiterzuentwickeln. Es folgten 16 Monate Stipendium mit eigenem Büro und gesichertem monatlichen Einkommen an der Gründerwerkstatt (Schöneberg). In dieser Zeit haben wir es geschafft zu zweit votingLAB komplett mobil auszurichten.

Seit Anfang 2015 ist votingLAB als App für Android und iOS (iPhone) im App Store erhältlich. Darauf sind wir sehr stolz. Doch leider blieb der große finanzielle Erfolg aus. votingLAB wird zwar weiter entwickelt und als Portfolio-App weitergeführt, doch leider können wir von der App nicht leben und somit nicht Vollzeit an der Weiterentwicklung arbeiten.

Laut Statistik kann man grob sagen, dass es nur ein Startup von zehn schafft und wir ganz klar zu den gescheiterten dazuzählen. Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig und oft gibt es nicht „den“ einen Grund, sondern eine Kombination aus verschiedenen ungünstigen Faktoren. Die Folge meiner Gründungserfahrung waren unendlich viele Learnings (Erfahrungen) in dieser Zeit.

 

Meine Learnings kurz zusammengefasst:

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Learning 1: Der Markt und das Alleinstellungsmerkmal

Ein tolles Team und eine tolle Idee reichen einfach nicht aus wenn kein geeigneter Markt vorhanden ist. In unserem Fall sind die beiden Monopolisten YELP (früher Qype) und Foursquare gnadenlos an uns vorbeigezogen, denn die schönste Idee ist vor Nachahmung nicht sicher. Wir hatten unendlich viele Ideen, doch leider waren wir oft zu langsam auf Grund fehlender Manpower. Wir haben uns von Anfang an viel zu klein fokussiert, denn ein Netzwerk nur europaweit zu denken, ist einer der größten Fehlentscheidungen, die man begehen kann.

 

 

11393272_1250535284972010_2395677629770857764_nLearning 2: Das Team

70 % der Startups scheitern schon am Team, zu dem ich mich statistisch nun auch dazu zählen kann. Bei meinem ersten (aktiv beteiligten) Startup wecide an der TU Berlin musste ich diese bittere Erfahrung erleben. Fehlendes Vertrauen, Machtgehabe und das fehlende Übertragen von Verantwortung machten es unmöglich ein Unternehmen aufzubauen. Aber auch fehlende Kompetenzen im Team sind oft Indikatoren – den technisches Know-hows allein reicht nicht aus.

 

 

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Learning 3: Unausgereiftes Geschäftsmodell und fehlende Skalierbarkeit

Am Anfang ist man voller Euphorie und schiebt geeignete Modelle und Strategien für Einnahmen vor sich hin. Werbeeinblendungen sind ein schönes Zusatzgeschäft aber sollte man diese nicht als funktionierendes Geschäftsmodell anversieren. Die Bereitschaft für die App Geld zu bezahlen war in unserem Fall sehr gering. Spätestens wenn die Idee marktreif ist und man immer noch nicht ein geeignetes Modell gefunden hat, sollte man aufwachen.

 

 

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Learning 4: Die Finanzierung

Ein Stipendium ist wunderbar, doch geht auch dieses irgendwann zu Ende. Eine Anschlussfinanzierung dauert in der Regel mindestens 6 Monate. Auch Gründer können nicht nur von Luft und Liebe allein leben.
VC (Risikokapital) macht nur Sinn, wenn man auch bereit ist etwas von seinem Kuchen abzugeben oder aber die Option einen oder mehrere Business Angels (ein erfahrener Unternehmer, der angehende Entrepreneure mit finanziellen Mitteln und Praxiserfahrungen unterstützt) in das Team zu holen, macht nur wirklich Sinn wenn diese das Team durch nötigen Kompetenzen unterstützen kann.

 

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Learning 5: Wir machen das neue Zalando. Kennen sie Doodle?

Viele Gründer vergleichen sich gerne mit großen Beispiel Marken oder anderen erfolgreichne Startups.
Warum vergleichen, wenn man doch innoativ und neu ist? Nein, es kennt nicht jeder Doodle! Es gibt Menschen da draußen, die nicht ständig online sind. Menschen, die nicht bei Facebook registriert und auch nicht alle 10 Minuten per Push-Nachricht die neusten Informationen auf ihr Smartphone bekommen.

 

Learning 6: Work hard – play hard.

In Berlin kann man eigentlich den ganzen Tag auf Events verbringen. Frühstücksmeetup, Mittagstalk, Tech Mettup am Abend mit Pizza und Bier oder aber ein Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“ ist eine kollaborative Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung zu einem bestimmten Thema) am Wochenende. Viele unwichtige Personen treiben sich auf diesen einschlägigen Events rum und stehlen einem oft die kostbare Zeit. Nicht jedes Event macht Sinn. Play Hard ist wohl eher die Ausnahme.

 

 

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Learning 7: Startups und die Rechtslage

Wer vertraut schon gerne einem jungen Unternehmen mit rechtlichen Grauzonen statt einer etablieren Beratungsagentur, gerade wenn es sich dann auch noch um sensible Daten handelt? Unsere erfolgreiche Implementierung einer komplexen Mitarbeiterumfrage für TUI.com lief zwar sehr gut aber leider war das Thema Datenschutz und das Vertrauen in Onlinetools 2013 etwas schwierig. Viele Startups operieren ungewollt in juristischen Grauzonen, verursacht durch die Neuartigkeit des Angebots, das es häufig in der Form noch nicht gibt. Rechtliche Rahmen müssen oft erst gefunden und angepasst werden. Etablierte Unternehmen sollten Startups eine Chance geben mit ihnen zusammen Dinge zu entwickeln.

 

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Learning 8: Die App-Store Einreichung

Eines der größten Probleme mit denen wir zu kämpfen hatten, war die Einreichung unserer App in den unterschiedlichen AppStores. Für Android der Google Play Store, der relativ unumständlich funktioniert und nach ca. 4 Stunden ist App zum Download bereit. Für iPhone hingegen ist dieser ganze Prozess etwas komplizierter. Man reicht die App in den iTunes Store ein und muss dann auf die Prüfung der App von Apple warten. In unserem Fall bekamen wir nach ca. 20 Tagen einen Anruf aus Amerika, wo wir nun ganze 30 Minuten am Telefon Rechenschaft zu votingLAB ablegen mussten. Eine absolute Katastrophe, da wir in dieser Zeit keine Marketingmaßnahmen planen konnten. Hinzu kommen monatliche Updates mit Produktverbesserungen, die jedes Mal von neuem von Apple überprüft werden. Die Wartezeit lag bei uns im Durchschnitt zwischen 7 bis 14 Tagen. Die Review-Zeit (Einreichungen von Verbesserungen oder Fehlerbehebung) hingegen bei nur wenigen Stunden. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Learning 9: Marketing

Von Anfang an war votingLAB  eher produkt- und funktionsgetrieben, wir wollten die perfekte App veröffentlichen. Marketingmaßnahmen haben wir nebenbei betrieben. Die Folge: Ein bisschen Facebook und Twitter reichen einfach nicht aus und können keinen professionellen Vertriebs- oder Marketingmenschen ersetzen. Marketing und Analyse muss von Anfang an Vollzeit betrieben werden. Nebenbei mögliche Marketing oder Vertriebsstrategien zu entwickeln ist nahezu unmöglich. Selbst das beste Produkt verkauft sich nicht von selbst. Das Vertrauen der Zielgruppe zu gewinnen, bedeutet viel Zeit und Arbeit.

 

 

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Learning 10: App-Entwicklung und Geld verdienen

Der App Markt ist vollkommen übersättigt und unübersichtlich. Unzählige gute Apps tummeln sich in der Appstores und warten auf einen Download. Leider gibt es nur sehr wenige Erfolgsgeschichten, die es bewiesen haben, dass man mit einer App Geld verdienen kann. Bei uns blieb der große Downloaderfolg nach der Markteinführung aus. Namen wie Instagram, Snapchat, Tinder, WhatsApp kennt jeder, diese sind wachstumsorientiert und laufen klassisch sehr lange ohne Umsätze und Gewinn. Oft haben diese Unternehmen kein klares Geschäftsmodell und fangen mit den Gedanken über die Monetarisierung der Apps erst an wenn eine bestimmte Verbreitung bereits erreicht wurde und diese sind absolute Ausnahme Unternehmen. Unsere Erfahrung der letzten zwei Jahre: es herrscht nach wie vor eine App-Müdigkeit. Die Realität sieht nämlich anders aus! Schaut man sich sein persönliches Nutzungsverhalten an wird man sehr schnell feststellen, dass man selbst nur einige wenige Apps täglich nutzt. Hinzu kommen enorme Barrieren für Anbieter, die Apps für die unterschiedlichen Geräte (Android, Windows, Blackberry, Apple) anzupassen und in den unterschiedlichen Appstores einzureichen und zu pflegen. Und zu guter Letzt der Nutzer, der den kleinsten Bug (Fehler) nicht verzeiht und die App sofort von seinem Smartphone löscht und nie wieder installiert.


 

Niemand hängt einen Misserfolg gern an die große Glocke. Scheitern kann aber auch gute Grundlage für den zukünftigen Erfolg sein. Meine Erfahrungswerte der letzten Jahren sind eindeutig wertvoller als so manches Masterstudium. Meine Entscheidung zu Gründen habe ich keinen einzigen Tag bereut. Viele Entscheidungen würde ich heute anders treffen, aber gründen würde ich immer wieder.


 

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